Klima-Sommer-Bilanz der neuen Extreme
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder und Klima-Experte Mag. Alexander Ohms
Rekordhitze, trockene Böden, niedrige Gewässer – Klima-Sommer-Bilanz der neuen Extreme
Der meteorologische Sommer endet heute und er hat uns vor Augen geführt, was Klimakrise bedeutet: nicht irgendwo, sondern hier in Oberösterreich. In Linz wurden 44 Hitzetage mit über 30 Grad gezählt, in Eferding fegte ein Tornado durch die Straßen und
hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Egal ob Traun oder Donau, fast alle Flüsse führen Niedrigwasser, manche Bäche wie die Gusen oder Mattig sind stellenweise komplett ausgetrocknet. Gleichzeitig setzten Starkregen ganze Gemeinden unter Wasser. Und die Bilanz der Hitze ist tödlich: Über 600 Menschen in Österreich sind allein im Juni und Juli an den Folgen der Extremtemperaturen gestorben.
„Was wir erleben, ist kein Ausnahmezustand mehr, sondern der neue Normalzustand. Die Klimakrise zeigt sich nicht in komplizierten Modellen, sondern in ausgetrockneten Feldern und Flussbetten. Die Wissenschaft warnt seit Jahrzehnten, jetzt sehen wir die Folgen mit eigenen Augen: mehr Hitzetage, längere Trockenphasen, intensivere Unwetter. Und die Natur reagiert: Fische verenden in ausgetrockneten Bachbetten, Ernten fallen aus, Wälder brennen“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
„Die Klimakrise ist kein abstraktes Problem, das wir irgendwann lösen können. Sie ist da, sie trifft uns mit voller Wucht, und sie wird nicht verschwinden, nur weil wir wegschauen.“
Die Fakten sind klar: dieser Sommer war der heißeste der Messgeschichte in Oberösterreich und in Österreich. Die Folgen sind dramatisch: die Schneedecke auf den Gletschern schmilzt früher, die Hitzebelastung steigt und die Wetterextreme nehmen
zu. Am Dachsteingletscher ist heuer mit hoher Wahrscheinlichkeit der größte Rückgang des Gletschers seit Beginn des Forschungsprogramms vor 20 Jahren zu verzeichnen.
„Unsere Antwort auf diese Krise muss doppelt sein“, so Kaineder. „Erstens: Wir müssen die Emissionen konsequent senken, damit die Erhitzung nicht noch schlimmer wird. Zweitens: Wir müssen uns anpassen, um die Schäden für die Menschen so gering wie möglich zu halten. Das ist keine Wahl, das ist eine Pflicht. Gegenüber unserer Heimat und den kommenden Generationen.“
Anpassen heißt: mehr Bäume, die Schatten spenden, mehr entsiegelte Flächen, konsequenter Hochwasserschutz und renaturierte Gewässer. Anpassen heißt auch: weniger Beton, weniger Versiegelung, mehr Raum für die Natur. Denn Beton speichert Hitze, Asphalt verschärft Überschwemmungen und beides macht uns verwundbarer
Das Land Oberösterreich geht hier voran: Mit der österreichweit einzigartigen Entsiegelungsförderung werden Betonwüsten in grüne Oasen verwandelt. Mit dem Gemeinde-Klimaanpassungsprogramm werden Städte und Gemeinden dabei unterstützt, sich auf die neuen Realitäten einzustellen. „Jeder neu gepflanzte Baum, jeder entsiegelte Quadratmeter, jede renaturierte Flusslandschaft ist ein Stück Sicherheit für die Menschen in diesem Land“, betont Landesrat Stefan Kaineder.
Der Sommer 2026 in Oberösterreich im klimatologischen Überblick
Kurz zusammengefasst: Der Sommer 2026 war in Oberösterreich ein Sommer der großen Hitze und vor allem der extremen Trockenheit. Entscheidend war dabei nicht nur, wie heiß einzelne Tage waren, sondern die Zahl und Andauer der Hitzewellen und
die Tatsache, dass über einen langen Zeitraum viel zu wenig Regen fiel. Der Sommer 2026 hat damit die bereits im vorhergehenden Winter und Frühling entstandene Trockenheit weiter verschärft.
Der klimatologische Sommer (Juni, Juli und August) dieses Jahres war der wärmste Sommer der Messgeschichte – nicht nur in Gesamtösterreich, sondern auch in Oberösterreich. Die Abweichung im Bundesland lag bei +2,8 Grad gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 (siehe Abbildung mit den Temperaturabweichungen des bisherigen Sommers).
Der Temperaturverlauf des Sommers 2026 zeigt fast durchgängig überdurchschnittliche Temperaturen. Nur der Auftakt des Sommers war zunächst wechselhaft und teilweise sogar relativ kühl. Ab Mitte Juni änderte sich die Wetterlage jedoch grundlegend. Eine rund zweiwöchige Hitzewelle brachte eine der extremsten Hitzeperioden der Messgeschichte. Der Juli setzte die Entwicklung fort. Österreichweit war er um rund 2 °C wärmer als das Klimamittel 1991–2020 und damit der viertwärmste Juli der 260-jährigen Messgeschichte. Anfang August folgte eine zweite markante Hitzewelle. Zwischen 3. und 6. August wurden österreichweit zahlreiche Temperaturrekorde gebrochen, an elf Messstationen wurden mindestens 40 °C erreicht. Insgesamt wurden 2026 in Österreich bereits sechs Tage mit mindestens 40 °C registriert – mehr als je zuvor in der österreichischen Messgeschichte. Oberösterreich lag nicht im Bereich der extremsten Temperaturen, die Höchstwerte blieben hier unterhalb der 40-Grad-Marke.
In der langfristigen Betrachtung reiht sich der Sommer 2026 auf Platz 1 der 260-jährigen Messgeschichte ein. Damit liegt auch der Sommer 2026 im Erwärmungstrend der vorhergehenden 40 Jahre. In diesem Zeitraum sind die Sommer in Österreich um rund 3°C
wärmer geworden. Die absolut höchste Temperatur des Jahres wurde am 31. Juli in Weyer mit 39,6 Grad gemessen. Schon sehr erfrischend war es dagegen am 16. Juni mit einem Tiefstwert von -1,1 Grad in Liebenau-Gugu.

Die Kurve der Tagesmitteltemperaturen für Linz-Stadt zeigt, dass es abgesehen von der ersten Junihälfte nur wenige Tage mit negativen Temperaturabweichungen gab. Die markantesten positiven Abweichungen traten während der beiden Hitzewellen in der zweiten Junihälfte und Ende Juli/Anfang August auf. Die Zahl der heißen Tage mit Tagesmaxima über 30 Grad lag in den meisten Regionen zwei- bis dreimal so hoch wie im Mittel der Jahre 1991 bis 2020, an der Spitze liegen Braunau, Enns, Bad Goisern und Weyer mit über 40 Tagen. In Linz wurden 20 Tropennächte mit Tiefsttemperaturen über der 20-Marke registriert – im Sommer des letzten Jahres dagegen gar keine, was den extremen Unterschied zwischen diesen beiden Sommern sehr gut zeigt.

Für Oberösterreich ist die Niederschlagsbilanz wohl die auffälligste Komponente des Sommers 2026. Die Niederschlagsmenge im Bundesland lag rund 43 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Damit gehörte Oberösterreich zu den am stärksten von der Trockenheit betroffenen Bundesländern. An der Station in Wels wurden im Juli nur rund 13 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge registriert – ein Defizit von 87 Prozent. Im Raum Steyr betrug das Niederschlagsdefizit sogar 91 Prozent. Die Dimension der Trockenheit wird besonders deutlich, wenn man über den Sommer hinausblickt: Österreichweit waren die vergangenen zwölf Monate bis August 2026 die trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Die Trockenheit ist damit längst kein kurzfristiges Sommerphänomen mehr, sondern das Ergebnis einer über Monate aufgebauten negativen Wasserbilanz. Klimatologisch entscheidend ist dabei die Kombination aus überdurchschnittlichen Temperaturen und fehlendem Niederschlag. Hohe Temperaturen erhöhen die Verdunstung aus Böden und Vegetation. Dadurch kann selbst ein Niederschlagsdefizit, das auf den ersten Blick moderat erscheint, zu einer erheblichen Austrocknung der Böden führen. Gerade für Landwirtschaft, Wälder und Gewässer ist deshalb nicht allein die gemessene Regenmenge entscheidend. Maßgeblich ist die klimatische Wasserbilanz, also das Verhältnis zwischen Niederschlag und Wasserverlust durch Verdunstung.

Die Kurve mit den für Linz-Stadt summierten Tagesniederschlagsmengen dieses Sommers zeigt die langen trockenen Phasen dieses Sommers. Nach der feuchten ersten Junihälfte brachte nur ein Niederschlagsereignis Ende Juni eine leichte Linderung der Trockenheit. Danach wurde erst wieder in der zweiten Augusthälfte nennenswerter Niederschlag verzeichnet. In Linz sind bislang nur 180 mm (gegenüber dem vieljährigen Mittel von 276 mm) gefallen. Auf das Gesamtjahr bezogen fehlen in Linz aktuell 236 Liter Regen pro Quadratmeter.

Der meteorologische Sommer 2026 war mit einer positiven Abweichung von 17 % zum Klimamittel 1991-2020 deutlich sonniger als üblich. Alle drei Sommermonate trugen mit einem Plus beim Sonnenschein zu dieser großen Abweichung bei, längere trübe Phase fehlten im zurückliegenden Sommer komplett. Einzelne kräftige Gewitter konnten die großräumige Trockenheit nicht entschärfen. Starkregen fällt räumlich und zeitlich sehr eng begrenzt und kann ein über Monate entstandenes Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen. Die Zahl der Gewitter und damit auch der Blitzentladungen war im Vergleich zum vieljährigen Durchschnitt niedrig, was den stabilen Wetterlagen mit trockenen und stabil geschichteten Luftmassen geschuldet war. Eine spektakuläre Ausnahme stellt der 17. August dar – ein kleinräumiger Tornado sorgte in Eferding für große Sachschäden.