Bilanz zum Bienenjahr 2026
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Bürgermeisterin Holzhausen Mag.a Andrea Hubmer, Umweltausschuss-Obfrau Holzhausen Manuela Schank, Imker und Bienenbeauftragter Schleißheim Günter Postlbauer, Geschäftsführer Klimabündnis OÖ Mag. Norbert Rainer und Bereichsleiter Boden- und Biodiversität im Klimabündnis OÖ Georg Wiesinger BSc. Bsc.
Oberösterreich blüht auf! Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in einer Bienenfreundlichen Gemeinde und es werden immer mehr – Bilanz zum Bienenjahr 2026
141 Gemeinden, mehr als 56 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung und fast 700 sichtbare Bienenweiden: Die „Bienenfreundliche Gemeinde“ ist längst zu einer großen Bewegung für mehr Natur vor der eigenen Haustür geworden. Immer mehr Gemeinden machen aus Straßenrändern, Grünflächen, Ortsplätzen und Gärten wertvolle Lebensräume für Wildbienen, Honigbienen und andere Insekten.
Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder zieht zum Ende des Bienenjahres 2026 gemeinsam mit Vertreter aus Gemeinden, Klimabündnis und Imkerei Bilanz – und lädt weitere Gemeinden ein, Teil des wachsenden Netzwerks zu werden.
„Mehr als jede zweite Oberösterreicherin und jeder zweite Oberösterreicher lebt heute in einer Bienenfreundlichen Gemeinde. Das zeigt: Artenvielfalt, Bodenschutz und naturnahe Gestaltung funktioniert dann besonders gut, wenn er nicht verordnet wird, sondern mitten im Ort wächst. Getragen von Gemeinden, Ehrenamtlichen, Imker:innen und vielen Menschen, die vor der eigenen Haustür anpacken. Aus einzelnen Blumenwiesen ist in Oberösterreich ein starkes Netzwerk geworden, das jedes Jahr weiterwächst“, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
- 141 oberösterreichische Gemeinden haben den Beratungsprozess bereits erfolgreich abgeschlossen.
- Damit leben mehr als 56 Prozent der Oberösterreicher:innen in einer Bienenfreundlichen Gemeinde.
- Fast 700 Tafeln „Hier wächst eine Bienenweide“ zeigen im ganzen Land, wo Flächen bewusst naturnah gepflegt werden.
- Bei bislang 15 Umsetzungsmodulen zur Vertiefung wurden mehr als 200 Engagierte aus den Bienenfreundlichen Gemeinden praktisch geschult.
- Die Nachfrage wächst: Im Projektjahr 2025/26 waren alle zehn Umsetzungsmodule ausgebucht.
- Auch für den kommenden Durchgang 2026/27 sind bereits alle zehn Vertiefungstermine vergeben.
- Für Gemeinden, die neu in den Beratungsprozess einsteigen möchten, gibt es aktuell noch einzelne freie Plätze.
Von der Blumenwiese zum Netzwerk
Die „Bienenfreundliche Gemeinde“ ist kein einmaliges Gütesiegel. Das Bodenbündnis OÖ begleitet Gemeinden direkt vor Ort, bringt engagierte Menschen zusammen und zeigt, wo mit oft einfachen Veränderungen neue Lebensräume entstehen können.
Unter dem Motto „Unser Boden für Bienen“ geht es darum, bestehende Grünflächen besser zu pflegen, neue Blühflächen anzulegen und Böden als Lebensraum zu erhalten. Dabei zählen nicht nur große Projekte. Ein anders gemähter Straßenrand, heimische Stauden am Ortsplatz oder ein Stück offener Sand können bereits einen Unterschied machen.
Auch Betriebe und Privatpersonen können mitmachen. Denn gerade bei Wildbienen gilt: Viele kleine Lebensräume ergeben gemeinsam ein großes Netz.
Dass das Projekt nicht mit einer Urkunde endet, zeigt die große Nachfrage nach den sogenannten Umsetzungsmodulen. Dort lernen Mitarbeiter:innen der Gemeinden und ehrenamtlich Engagierte ganz praktisch, wie sie Lebensräume schaffen und richtig pflegen.
Die Themen reichen vom bienenfreundlichen Garteln über das Anlegen einer Wildblumenwiese, einer Benjes-Hecke oder eines Sandariums bis zum Garteln mit heimischen Wildstauden.
Nach fünf Pilot-Workshops im Projektjahr 2024/25 wurde das Angebot verdoppelt. Im vergangenen Projektjahr waren alle zehn Termine ausgebucht. Auch die zehn Termine für 2026/27 sind bereits vergeben.
Der nächste Workshop findet am 10. September in Gallneukirchen statt. Dort entsteht ein Sandarium – eine offene Sandfläche, die bodennistenden Wildbienen als Brutplatz dient. Am 18. September in St. Florian bei Linz dreht sich alles ums Garteln mit heimischen Wildstauden.
„Mehr Biodiversität und Vielfalt gegen Monokulturen und Einfalt stärkt die Resilienz unserer Gemeinden und erhöht die Lebensqualität der Bevölkerung bei der nächsten Hitzewelle“, freut sich Norbert Rainer, Geschäftsführer beim Klimabündnis Oberösterreich über das Engagement der Bienenfreundlichen Gemeinden in Oberösterreich.
Holzhausen: Ein Ortsplatz wird zum Lebensraum
Wie Bienenfreundlichkeit mitten im Ortszentrum aussehen kann, zeigt Holzhausen. Dort haben engagierte Ehrenamtliche gemeinsam mit der Umweltausschuss-Obfrau und einer örtlichen Gärtnerei den Ortsplatz neu bepflanzt.
Gewählt wurden vor allem ungefüllte Blüten, die für Insekten gut zugänglich sind. Die Pflanzen blühen zeitversetzt vom Frühjahr bis in den Herbst und bieten damit über viele Monate Nahrung. Eine Besonderheit liegt unter den Pflanzen: Die Fläche wurde mit feinem Sand gemulcht. Das schützt den Boden vor dem Austrocknen – gleichzeitig können dort bodennistende Wildbienen ihre Brutröhren bauen. Rund die Hälfte der heimischen Wildbienenarten nistet im Boden.
Am Sonntag, 13. September, rückt Holzhausen das Thema auch bei der dritten Hofroas in den Mittelpunkt. Die Bienenfreundliche Gemeinde präsentiert sich dort mit einem eigenen Informationsstand.
Schleißheim: Bienenfreundlich wird zum Mitmachprojekt
Auch Schleißheim zeigt, dass das Projekt weit über gemeindeeigene Flächen hinausreichen kann. Beim heurigen Pflanzl- und Kreativmarkt konnten sich Besucher über naturnahes Garteln informieren. Ein Fachvortrag, eine gemeinsame Bestellaktion für heimische Wildstauden und Informationsstände machten aus dem Thema ein praktisches Angebot für den eigenen Garten.
Denn ein großer Teil der Fläche in unseren Gemeinden liegt in privaten Händen. Balkone, Vorgärten und Hausgärten können deshalb einen wesentlichen Beitrag leisten.
Leonding repariert jetzt auch Pflanzen
Eine besonders kreative Idee kommt aus Leonding. Dort wurde das Prinzip des Repaircafés auf Balkon- und Zimmerpflanzen übertragen. In der „Pflanzen-Repair-Ecke“ helfen Friedhofsgärtner Dominik Picha und Kräuterpädagogin Magdalena Miesenberger bei kranken Pflanzen, geben Tipps zum naturnahen Garteln und zeigen, wie Balkon und Garten gleichzeitig schöner und wertvoller für Insekten werden können.
Zwei Termine haben bereits stattgefunden. Die nächste Pflanzen-Repair-Ecke gibt es am 23. September.
Das Bienenjahr 2026: Gute Honigqualität trotz Trockenheit
Auch aus Sicht der Imkerei verlief das Jahr 2026 positiv. Bioimker und Bienenbeauftragter von Schleißheim Günter Postlbauer berichtet von einer guten Frühjahrsernte und ausgezeichneter Honigqualität. Auch die zweite Ernte mit Blütenhonig fiel gut aus. Die Menge der dritten Ernte war zufriedenstellend, die Qualitätsanalyse steht noch aus.
Die Trockenheit dürfte sich nach seiner Einschätzung stellenweise auf die Honigmenge ausgewirkt haben. Die Situation sei aber stark vom jeweiligen Standort abhängig. Bei seinen eigenen Bienenständen habe es keine Probleme bei der Wasserversorgung gegeben.
Postlbauer unterstreicht zugleich den Nutzen der Bienenfreundlichen Gemeinden für die Imkerei: Gerade in Zeiten, in denen in der Landschaft wenig blüht, helfen blühende Wiesen, Bäume und Sträucher den Bienenvölkern dabei, ausreichend Pollen und Nektar zu finden.
Bienenfreundliche Tipps für den Herbst
Mit dem Ende des Sommers ist die Arbeit für Bienenfreund:innen nicht vorbei. Gerade im Herbst kann im Garten viel für das kommende Jahr getan werden.
Weniger aufräumen: Verblühte Pflanzenstängel, kleine Totholz- oder Steinhaufen und ungemähte Bereiche bieten Wildbienen und anderen Insekten wichtige Winterquartiere.
Nisthilfen draußen lassen: In vielen Nisthilfen überwintern bereits die nächsten Wildbienen-Generationen. Sie sollten daher nicht ins Haus oder in warme Räume gebracht werden. Die kühlen Tage laden dazu ein, Nisthilfen fürs kommende Jahr zu bauen – schon ein naturbelassener Holzblock mit Bohrlöchern bietet vielen Wildbienen Platz.
Jetzt für den Frühling pflanzen: Heimische Sträucher und Wildstauden können im noch warmen Boden gut anwachsen. Besonders wertvoll sind frühe Nahrungsquellen wie Weiden, Kornelkirschen, Schneeglöckchen und Krokusse.
Blumenwiesen jetzt vorbereiten: Auch mehrjährige heimische Wildblumen lassen sich im Herbst gut aussäen. Wichtig sind ein offener Boden und hochwertiges heimisches Saatgut. Nach der Aussaat wird die Fläche nur festgedrückt – nicht eingerecht, denn viele Wildblumen brauchen Licht zum Keimen.