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Pressekonferenz mit Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder und Klimaexperte Mag. Alexander Ohms

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„Wärmster Jahresstart seit Messbeginn: Wintertourismus im „Klima-Wandel“ – Winter wie früher angesichts der Klimakrise bald Schnee von gestern?“

Verschneite Winterlandschaften und frisch präparierte Pisten sind wesentliche Zutaten zu einem gelungenen Skitag. Das Bild, das sich Wintertourist/innen derzeit in ganz Österreich bietet, ist aber leider ein völlig anderes. Wenn überhaupt ist Skifahren am weißen Band in blasser, grünbrauner und trostloser Landschaft derzeit in beinahe allen Skigebieten angesagt. Nach einer kurzen aber klirrend kalten Wetterperiode vor Weihnachten hat sich der wärmste Jahresstart seit Messbeginn eingestellt. Mit Regen und weitaus zu heißen Temperaturen für die Jahreszeit wurde die weiße Pracht innerhalb weniger Tage auch in höher gelegenen Gebieten wieder weggespült.

„Was uns heuer geboten wird, ist ein Vorgeschmack auf die Winterzukunft in Österreich. Die viel zu warme Wetterphase mag heuer noch ein trauriger Ausreißer sein, wird aber in wenigen Jahren schon Normalität werden“ verweist Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder auf neueste Klimaprognosen. „Wir sehen selbst, dass der Winterniederschlag in mittleren und tiefen Lagen immer häufiger in Form von Regen fällt. Winter wie vor 30 Jahren gibt es nicht mehr – mit fatalen Auswirkungen auf den Wintertourismus“, so Kaineder weiter.

Aus Sicht des Umwelt- und Klimaressorts des Landes OÖ wäre nun entscheidend, die Finanzierungs- und Förderpolitik für Wintertourismusprojekte anzupassen. Klimaschädliche Tourismusprojekte, die eine überdimensionierte Verbauung, Bodenversiegelung sowie Zerstörung großer Naturräume nach sich ziehen, dürfen demnach nicht mehr gefördert werden. „Angesichts der klaren Faktenlage müssen wir öffentlichen Gelder Wintertourismusprojekte sorgfältig vergeben. Unterhalb von 1.000 Höhenmetern ist auch mit hohem technischen Aufwand künftig kein Betrieb sicherzustellen“, fordert Kaineder ein Umdenken etwa zum Projekt einer geplanten Skischaukel in Vorderstoder. „Ich hoffe, die Projektbetreiber rund um die Schröcksnadelgruppe kommen jetzt zur Vernunft und sehen ein, dass ein neues Skigebiet in einer Seehöhe zwischen 750 und 1200 Metern völlig aus der Zeit gefallen ist. Der geplanten Skischaukel in Vorderstoder würden laut den Plänen nicht nur rund 40 Hektar Wald zum Opfer fallen, sondern auch ein bedeutender und wunderschöner Naturraum würde zerstört. Dort auch noch Millionen an Steuergelder zu versenken, wäre eine unfassbare Absurdität“, appelliert Kaineder an die Vernunft aller Verantwortlichen.

Aktuell laufen Planungen für ein weiteres Wintertourismusprojekt im Mühlviertel in der Ortschaft Weigetschlag in der Nähe der Sternsteinlifte in Bad Leonfelden. Auf 800 Metern Seehöhe soll ein nordisches Zentrum entstehen. Da dort schon von zu wenig Schnee im Winter ausgegangen wird, sollen ressourcenintensiv Schneedepots im Winter angelegt werden, die über den Sommer gelagert werden, um dann im nächsten Winter zur Verfügung zu stehen. „Auch dieses Projekt steht im Widerspruch zu den aktuellen Entwicklungen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Niederschläge im Winter auf dieser Höhe als Regen niedergehen, steigen leider rasant“, fordert Kaineder vor dem Hintergrund der Klimakrise und der damit verbundenen Schneeunsicherheit in tiefen Lagen, Alternativen zu entwickeln.

„Wenn wir auf lange Sicht in Österreich den Wintertourismus am Leben halten wollen, gibt es nur drei Möglichkeiten: Klimaschutz, Klimaschutz und Klimaschutz! Denn wenn die Trendwende nicht gelingt, ist Skifahren in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nur mehr im Hochgebirge möglich“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Analyse zur aktuellen Situation und Ausblick:

Das neue Jahr begann wie das alte endete: mit einer extrem milden Wetterphase und massivem Tauwetter auf den Bergen

Im Vergleich zu der vom menschlichen Klimawandel noch wenig unbeeinflussten Periode 1961-1990 lag die Lufttemperatur in den ersten acht Tagen des Jahres 2023 im oberösterreichischen Flachland um etwa 7 Grad höher, auf dem Feuerkogel auf 1.618 m Seehöhe sogar um mehr als 8 Grad höher. Noch nie seit Beginn der Messungen in Österreich war ein Jahresbeginn so warm wie heuer.

Auf den Bergen ist es seit 19. Dezember durchgehend zu warm, im Flachland seit 21. Dezember. Das Weihnachtstauwetter an sich stellt zwar grundsätzlich keine Besonderheit, sondern eine fast jährlich wiederkehrende Singularität dar – auffällig ist aber diesmal die lange Dauer und tageweise extreme Ausprägung. Speziell rund um den Jahreswechsel sorgten subtropische Luftmassen, die mit der Südwestströmung von den Kanarischen Inseln nach Mitteleuropa geführt wurden, für Temperaturen auf unseren Bergstationen wie sie besser in den Sommer passen würden. Auf der meteorologischen Mess- und Beobachtungsstation am Feuerkogel wurde am 2. Jänner 2023 ein Maximum von +13,4 Grad gemessen. In den Niederungen stiegen die Temperaturen bis auf +18,3 Grad (gemessen am Silvestertag in Aspach).

Die ohnehin dünne Schneedecke auf den Bergen schmolz durch die Kombination aus milder Luft, kräftigem Wind und Regen bis in große Höhen sehr schnell ab, in Lagen unterhalb von 1500 m Seehöhe blieben in den Skigebieten meist nur weiße Bänder auf grünbraunen Hängen übrig – die Reste des im anfangs winterlichen Dezember technisch erzeugten Schnees. Die deutlichen Plusgrade auf den Bergen ließen seit Beginn der Mildwetterperiode meist auch keine technische Schneeproduktion mehr zu.

Auch in Zukunft wird es starke zufällige Schwankungen des Klimas geben – schneearme Winter können von schneereichen Wintern gefolgt werden. Extrem milde Wetterphasen wie in diesem Winter stellen aktuell noch Ausreißer in den Messreihen dar, die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens vergrößert sich aber mit der stetig steigenden Mitteltemperatur. Die technische Schneeproduktion kann die saisonale Schwankung und langfristige Abnahme der natürlichen Schneedecke dämpfen. Doch auch die technische Beschneiung stößt bei weiter steigenden Temperaturen immer öfter an ihre Grenzen, durch eine kürzere Andauer der Winterschneedecke ergeben sich in den Wintertourismusregionen speziell am Beginn und am Ende der Saison verstärkt Probleme. In Höhenlagen um 1500 m werden die potentiellen Beschneiungsstunden bis Mitte dieses Jahrhunderts signifikant, nämlich um etwa 30 Prozent, abnehmen.

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