Studie zeigt Handlungsbedarf: Gewässer im Inn- und Hausruckviertel brauchen wieder mehr Platz

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Leiter des Gewässerbezirks Grieskirchen Dipl.Ing. Josef Mader und vom Referat Gewässergüteaufsicht Irene Pilz, MSc.

Studie zeigt Handlungsbedarf: Gewässer im Inn- und Hausruckviertel brauchen wieder mehr Platz

Flüsse und Bäche sind die Lebensadern Oberösterreichs. Doch viel zu lange haben wir sie in enge Korsette gezwängt, begradigt und reguliert. Die Folge: Unsere Gewässer leiden, die Artenvielfalt schwindet und die Wasserqualität wird schlechter. Auch im Inn- und Hausruckviertel zeigt sich das Problem. Die Trattnach, einst ein lebendiger Bach, ist heute ein trauriges Beispiel für Begradigung und schlechten gewässerökologischen Zustand. Das Land Oberösterreich verfolgt daher eine klare Strategie und hat den Weg für eine nachhaltige Wasserzukunft längst beschritten: um die Gewässerökologie zu verbessern, die Bevölkerung vor Hochwasser zu schützen und den Flüssen und Bächen wieder mehr Leben einzuhauchen, werden im ganzen Bundesland Renaturierungsprojekte umgesetzt. Dadurch wird den Fließgewässern wieder ein Teil ihrer Natürlichkeit zurückgegeben.

Warum Renaturierung? Vorteile auf einen Blick

  • Hochwasserschutz & natürliche Rückhaltefläche: Weite, Auen und Nebenarme puffern Wellen, reduzieren Spitzenabflüsse und entlasten technische Schutzbauten.
  • Biodiversität & Lebensräume: Mäandrierende Gewässer, Kiesbänke und Totholz schaffen Lebensräume für Fische (Bachforelle, Äsche), Vögel (z. B. Eisvogel) und Insekten.
  • Wasserqualität & Selbstreinigung: Vergrößerte Sohl- und Uferstrukturen verbessern Stoffumsatz und Sauerstoffgehalt.
  • Klimaanpassung & Kohlenstoffspeicher: Feuchtflächen und naturnahe Ufer speichern Kohlenstoff und erhöhen die Landschaftsresilienz gegen Dürre.
  • Ökonomischer Nutzen: Studien und EU-Analysen zeigen hohe Nutzen-Kosten-Raten für Wiederherstellungsmaßnahmen — jeder investierte Euro bringt vielfache volkswirtschaftliche Vorteile (Schätzungen der europäischen Umweltbehörde: zwischen 8€ und 38€ Nutzen je investiertem Euro).

„Wenn wir Flüssen und Bächen wieder Raum geben, geben wir auch der Natur und damit uns selbst wieder mehr Lebensraum zurück. Renaturierung ist Versicherung in der Landschaft — wer Auen und Nebenarme zurückgibt, gewinnt Hochwasserschutz, Artenvielfalt und Lebensqualität in einem“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Bericht über den ökologischen Zustand der Fließgewässer im Inn- und Hausruckviertel

Die Abteilung Wasserwirtschaft überprüft im Rahmen eines biologischen Untersuchungsprogramms regelmäßig den Zustand unserer heimischen Fließgewässer. Dafür steht ein landesweites Messnetz mit über 250 Untersuchungsstellen zur Verfügung.

Untersucht werden dabei vor allem aquatische Kleinlebewesen (Insektenlarven, Schnecken, Würmer, etc.)  und Aufwuchsalgen. Diese Organismen reagieren unterschiedlich empfindlich auf Nährstoffbelastungen und Veränderungen der Gewässerstruktur. Während in einem natürlichen Gewässer eine typische, vielfältige Lebensgemeinschaft vorkommt, verändert sich diese mit zunehmender Belastung. Anhand dieser Veränderungen werden ökologische Defizite erkannt und es können gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustandes abgeleitet werden. Auch hinsichtlich wasserrechtlicher Bewilligungen stellen die Ergebnisse eine relevante Datengrundlage dar. Laut EU-Wasserrahmenrichtlinie besteht ein Verschlechterungsverbot und ein Verbesserungsgebot.

Im Innviertel sind die festgestellten Defizite vor allem auf diffuse Stoffeinträge, Feinsedimentbelastungen und strukturelle Veränderungen wie Uferverbauungen oder Begradigungen zurückzuführen. Ein typisches Beispiel ist die Trattnach, deren Untersuchungsstellen überwiegend mäßige bis schlechte Zustandsklassen aufweisen – sowohl hinsichtlich Hydromorphologie als auch hinsichtlich trophischer Belastung.

Renaturierungsmaßnahmen sind daher ein wichtiger Schritt zur ökologischen Verbesserung unserer Gewässer. Durch die Wiederherstellung naturnaher Gewässerstrukturen entstehen neue Lebensräume, die von unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden können. Dadurch erhöht sich nicht nur die Biodiversität, sondern auch die natürliche Selbstreinigungskraft des Gewässers. 

Renaturierungsprojekt in Bad Schallerbach

Um die ökologische Vielfalt in der Trattnach zu verbessern, wird derzeit ein Renaturierungsprojekt im Gemeindegebiet von Bad Schallerbach umgesetzt. Durch den Einbau von Steinbuhnen, Störsteinen und Totholz und Aufweitungen des Gewässers sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse, Ruhezonen und Lebensräume für Fische und andere Gewässerorganismen entstehen. Gleichzeitig muss die Hochwasserabflusskapazität erhalten bleiben.

Bereich 1: Buhneneinbau und Aufweitung

  • Steinbuhnen: Einbau von Buhnen aus großen Wasserbausteinen mit Totholzauflagen. Sie lenken die Strömung und schaffen geschützte Bereiche.
  • Uferaufweitung: Auf einer Länge von rund 155 m wird das linke Ufer im Bereich der Brücke Eiselsbergstraße aufgeweitet. Bermen und Flachwasserbereiche schaffen zusätzliche Lebensräume.
  • Strömungsteiler: Eine V-förmige Struktur aus Steinen und Totholz lenkt die Strömung und begünstigt die Bildung einer Schotterbank.
  • Buchten: Gegenüber von zwei Steinbuhnen entstehen Flachwasserbuchten mit einer maximalen Tiefe von 50 cm. Wurzelstöcke, Totholz und Störsteine erhöhen dort die Strukturvielfalt.

Bereich 2: Strukturierung im bestehenden Flussbett

Da wenig Platz für Aufweitungen vorhanden ist, werden die Strukturen innerhalb des bestehenden Flussprofils eingebaut.

  • Störsteine: Mindestens 15 Bereiche mit Steingruppen schaffen unterschiedliche Strömungs- und Tiefenverhältnisse sowie geeignete Fischeinstände.
  • Totholzpakete: Mindestens 10 Pakete aus Baumstämmen und dickem Astwerk werden mit Holzpfählen und Stahlseilen gesichert. Sie bieten Deckung und fördern die Strömungsvielfalt.
  • Gehölzerhaltung: Bestehende Bäume und Sträucher sollen möglichst erhalten bleiben. Sie beschatten das Gewässer und liefern natürliches Totholz.
  • Gehölzpflege: Strauchgehölze werden regelmäßig verjüngt, damit sie bei Hochwasser ausreichend elastisch bleiben.

Durch diese Maßnahmen soll die Lebensraum- und Strukturvielfalt erhöht, Rückzugs- und Laichbereiche für Fische verbessert sowie unterschiedliche Strömungs- und Substratverhältnisse und somit die Biodiversität gefördert werden. Weiters werden natürliche Beschattung und Totholzeintrag erhalten, die ökologische Qualität der Trattnach verbessert, ohne die Hochwasserabflusskapazität zu beeinträchtigen. Letztlich soll durch diese Maßnahmen auch der Erholungsfaktor für uns Menschen steigen.