Nach dem Rekordsommer: So sichern wir Oberösterreichs WasserWasserwirtschaft im Klimawandel

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Dipl. Ing.in Daniela König, MBA (Direktorin Umwelt- und Wasserwirtschaft – Land OÖ), Dipl. Ing. Christian Kneidinger (Leiter Gruppe Trinkwasser und Abwasser – Land OÖ) und Dipl. Ing. Peter Kickinger (Gruppe Gewässergüteaufsicht und Hydrographie – Land OÖ)

Nach dem Rekordsommer: So sichern wir Oberösterreichs Wasser
Wasserwirtschaft im Klimawandel – Sichere Trinkwasserversorgung – Start der neuen Info-Kampagne

Der vergangene Sommer hat eindrucksvoll gezeigt, wie unmittelbar sich ein veränderter Wasserhaushalt auf Oberösterreich auswirkt. Niedrige Grundwasserstände, außergewöhnlich niedrige Pegelstände an unseren Seen und punktuelle Probleme bei kleineren Wasserversorgungen haben die Folgen der monatelangen Trockenheit sichtbar gemacht.

Die Niederschläge im September haben die Situation vielerorts etwas entspannt. Sie ändern aber nichts an der grundsätzlichen Entwicklung: Der Klimawandel verändert den Wasserkreislauf. Längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und damit stärkere Verdunstung stehen gleichzeitig häufigeren Starkregenereignissen und lokalen Überflutungen gegenüber.

Damit rückt eine der zentralen Zukunftsfragen immer stärker in den Mittelpunkt: Wie sichern wir Oberösterreichs Wasser langfristig: als Trinkwasser, als Lebensraum und als Schutz vor den Folgen extremer Wetterereignisse? „Genau darum geht es bei der Arbeit der Wasserwirtschaft des Landes! Daher starten wir im Oktober eine breite Info-Kampagne für Bewusstseinsbildung. Mit dieser Kampagne wollen wir den Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern zeigen, wie wir alle auf unser Wasser schauen können!“, freut sich Kaineder auf den Startschuss zur neuen Initiative aus seinem Ressort.

Taskforce Trockenheit

Die von Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder eingesetzte Taskforce Trockenheit tagt weiterhin regelmäßig, Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Bereichen der Wasserwirtschaft berieten sich über die aktuelle Lage: Die Niederschläge im September haben in Teilen Oberösterreichs für eine gewisse Entspannung gesorgt. Die öffentliche Trinkwasserversorgung bleibt großteils stabil, auch deshalb, weil Gemeinden, Wasserversorger und Land in den vergangenen Jahren konsequent vorgesorgt haben. Von einer nachhaltigen Erholung unseres Wasserhaushalts kann aber weiterhin keine Rede sein. Die Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig bis sehr niedrig und besonders die Seen tragen die Folgen des außergewöhnlich trockenen Jahres weiter mit.

„Der September hat uns endlich wieder Regen gebracht und verhindert, dass sich die Trockenheit noch weiter verschärft. Aber ein paar Regentage können nicht ausgleichen, was uns über viele Monate gefehlt hat. Im Grundwasser und bei unseren Seen sehen wir das Niederschlagsdefizit dieses außergewöhnlichen Jahres weiterhin sehr deutlich“, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Nach drei extrem trockenen Sommermonaten regnete es im September zwar wieder nahezu flächendeckend, oberösterreichweit fiel aber trotzdem 10 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Insgesamt hat es in den letzten zwei Jahren um ein Viertel weniger geregnet als üblich. Auch die Lufttemperaturen lagen in diesem Jahr +1,6°C über dem Schnitt und sorgten für eine höhere Verdunstung. Im August waren es sogar +3,4°C und im September wieder +2,0°C mehr.

„Der Regen im September war wichtig, aber die Dürre ist damit nicht vorbei. Gerade beim Grundwasser geht es nicht um einen kräftigen Regenguss. Was wir brauchen, sind über längere Zeit ruhige und ergiebige Niederschläge, die in die Böden einsickern und unsere Grundwasserkörper wieder auffüllen können“, so Kaineder.

Seen bleiben sichtbares Zeichen der Trockenheit

Besonders sichtbar bleiben die Folgen des trockenen Jahres an den oberösterreichischen Seen. Der Attersee liegt weiterhin auf einem historisch außergewöhnlich niedrigen Niveau. Bereits Anfang September wurde am Pegel Kammer der bisherige Rekordtiefstand der Messreihe unterschritten. Nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung der Wasserbilanz im September – mit einem Zufluss aus dem Mondsee über die Seeache in einer ähnlichen Größenordnung wie dem Abfluss über die Ager – begann der Atterseespiegel erneut weiter zu sinken und befindet sich derzeit auf einem historischen Tiefststand.

Auch Wolfgangsee, Mondsee und Irrsee zeigen weiterhin deutlich unterdurchschnittliche Wasserstände. Hallstättersee und Traunsee sind vergleichsweise weniger stark betroffen.

Trinkwasserversorgung stabil – Grundwasser bleibt Sorgenkind

Trotz niedrigster Grundwasserstände ist die Trinkwasserversorgung in Oberösterreich weitgehend gesichert und es gibt keine flächendeckende Trinkwasserknappheit. Die akuten Schwierigkeiten, die im Sommer bei einzelnen kleineren Versorgern und Haushalten aufgetreten sind, konnten vielerorts entschärft oder behoben werden, es bleibt für einzelne Wasserversorger aber auch herausfordernd. Auch gibt es trockengefallene Brunnen und Quellen. Dass die öffentliche Wasserversorgung trotz des außergewöhnlichen Trockenjahres großteils stabil geblieben ist, ist auch Ergebnis der Vorsorge der vergangenen Jahre. Das Land Oö. unterstützte die Errichtung von zusätzlichen Brunnen, größere Hochbehälter, leistungsfähigeren Leitungsnetzen und Verbindungen zwischen benachbarten Wasserversorgern, und konnte damit Versorgungssicherheit in Trockenperioden verbessern.

Anfällig bleiben hingegen insbesondere einzelne Haushalte und kleinere Anlagen, die ausschließlich von wenig ergiebigen Quellen oder seichten Brunnen abhängig sind.

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin dem Grundwasser. Anders als Oberflächengewässer reagieren Grundwasserkörper vielfach erst verzögert auf Niederschläge. Nach Monaten mit außergewöhnlich geringen Niederschlagsmengen bleibt die Lage daher in vielen Regionen angespannt.

Die Wasserwirtschaft steht damit vor einer doppelten Herausforderung. Wasser in Zeiten der Trockenheit verfügbar zu halten und gleichzeitig vor zu viel Wasser durch immer intensiveren Niederschlagsereignissen zu schützen.

Zentrale Herausforderungen in der Wasserwirtschaft des Landes OÖ

Wasser im Klimawandel – unser Wasser schützen

Durch den Klimawandel ist nicht nur unser Grundwasser stärker im Fokus. Wir müssen uns auf immer extremere Wettereignisse vorbereiten. Dürre und Hochwasser werden uns weiterhin begleiten. Unsere Seen und Flüsse sind stärkeren Belastungen ausgesetzt.

Aktuellste Studien zeigen, dass die stärksten Zunahmen an Hochwasserereignissen an kleinen und mittleren Gewässern zu erwarten sind. Lokale Überflutungen durch Starkregen gewinnen immer mehr an Bedeutung – auch abseits von Bächen und Flüssen. Wir verzeichnen eine 10-prozentige Zunahme von Starkregenereignissen.

Gleichzeitig wird es vermehrt zu längeren Trockenperioden kommen, wir müssen uns auf einen veränderten Wasserkreislauf einstellen, weniger Schnee im Winter bedeutet geringere Grundwasserneubildung durch Schneeschmelze im Frühjahr. Niederschläge im Sommer werden durch höhere Temperaturen stärker verdunstet, was ebenfalls zu geringerer Grundwasserneubildung führt. Je besser wir die Veränderungen verstehen, desto gezielter können wir handeln.

Hochwasserschutz und Renaturierung – für Mensch und Umwelt.

„Wenn wir Bächen wieder Raum geben, geben wir auch der Natur und damit uns selbst wieder mehr Lebensraum zurück. Renaturierung ist wie eine Versicherung in der Landschaft“, betont Landesrat Stefan Kaineder. Das Aufweiten verbauter Gewässerbettstrukturen gibt Flüssen die Möglichkeit zur natürlichen Ausbreitung, es bremst Fließgeschwindigkeiten ab, federt Hochwasserspitzen ab und schafft wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Seit 2009 wurden in ganz Überösterreich 225 Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie abgeschlossen, wir mit Stand Jänner 2026 105 laufende Gewässerökologie-Projekte in Oberösterreich. Als technische Maßnahmen wurden in Oberösterreich 129 Rückhaltebecken mit 21,6 Mio. m³ Volumen zum Schutz der Bevölkerung errichtet.

Effektiver Hochwasserschutz kombiniert vorausschauende Schutzmaßnahmen und die Renaturierung von Gewässern mit der Eigenvorsorge der Bevölkerung, da sich trotz aller Vorkehrungen nicht jedes Hochwasser verhindern lässt und stets ein Restrisiko bestehen bleibt.

Grundwasserschutz, gesicherte Trinkwasserversorgung & Abwasserreinigung – wichtiger denn je

100 Prozent des Trinkwassers stammt aus Grund- und Quellwasser. 2250 Messstellen liefern uns laufend Daten zur Qualität und zur Menge unseres Wassers. Wir haben in Oberösterreich 5500 Schutzgebiete und 35 Schongebiete, die unser Grund- und Quellwasser langfristig für die Trinkwasserversorgung sichern. Wir überwachen unsere Brunnen und Quellen der öffentlichen Wasserversorger, jährlich werden dafür über 11.000 Probenergebnisse gemeldet und geprüft.

Über 90 Prozent der Oberösterreicher:innen sind flächendeckend an Abwasserreinigungsanlagen angeschlossen. Moderne Kläranlagen reinigen das Abwasser hocheffizient und filtern bis zu 99 Prozent der organischen Schmutzfracht heraus.

„Weil wir alle aufs Wasser schauen“: Wasser sichtbar machen

Mit der neuen Kampagne „Weil wir alle aufs Wasser schauen“ rückt die Abteilung Wasserwirtschaft des Landes OÖ den Wert der Ressource Wasser und die Arbeit zu ihrem Schutz stärker ins öffentliche Bewusstsein. Drei Sujets stellen dabei die Themen Grundwasser, Wasser im Klimawandel und Renaturierung in den Mittelpunkt. Sie zeigen, welche Herausforderungen auf Oberösterreich zukommen, was bereits getan wird und welchen Beitrag ein sorgsamer Umgang mit Wasser leisten kann.

Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Zusammenhänge verständlich zu machen und zu zeigen: Eine sichere Wasserversorgung, lebendige Gewässer und wirksamer Schutz vor Hochwasser sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Ergebnis langfristiger Vorsorge – und eine gemeinsame Aufgabe.

Die Website wasser.ooe.gv.at bündelt dazu leicht zugängliche Informationen, praktische Hinweise sowie Einblicke in aktuelle Projekte der Wasserwirtschaft. Ergänzend wird es künftig auch Bildungsmaterialien für Schulen geben.

Die Kampagne wird im Oktober in Printmedien, Kino, TV, Radio online und auf Plakaten in ganz Oberösterreich sichtbar sein.

Trockenheit und Starkregen: Der Klimawandel stellt die Wasserversorgung vor neue Herausforderungen. Damit Wasser auch in Zukunft noch so selbstverständlich aus der Leitung kommt, entwickeln wir in Oberösterreich vorausschauende Strategien für den Schutz unserer Wasserressourcen. Entscheidend ist aber auch der sorgsame Umgang von uns allen.

Renaturierungen: Wir machen Platz für Wasser. Denn wenn Flüsse in Oberösterreich wieder natürlicher fließen dürfen, entstehen wertvolle Lebensräume im und am Wasser und wichtiger Hochwasserschutz. Und davon profitieren Bevölkerung, Umwelt und Artenvielfalt gleichermaßen.

Wir sind von Grund auf gut versorgt: Denn unser oberösterreichisches Trinkwasser kommt zu 100 % aus Grund- und Quellwasser. Ein echter Schatz unter unseren Füßen und ein besonders Schützenswertes gut.