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Pressekonferenz mit Landesrat Stefan Kaineder, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber (Klimaforscher und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung), Dr.in Christine Wörlen (Expertin für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimapolitik) und Mag. Norbert Rainer (Klimabündnis Oberösterreich)

zum Thema

Klimaneutrale Welt – Weichenstellung in Sicht?

Hochkarätige Expert/innen beim OÖ Klimagipfel 2021 – Gelingen die notwendigen Reduktionen an Treibhausgasemissionen oder steuern wir auf eine Heißzeit zu?

„Der Kampf gegen die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit und Scheitern ist hier keine Option“, ist sich Klima-Landesrat Stefan Kaineder sicher. Dieses Thema steht auch beim großen oberösterreichischen Klimagipfel im Zentrum. Ein hochkarätiges Podium diskutiert heute Abend im Festsaal des Ursulinenhofes die Frage, ob und wie die Treibhausgasemissionen reduziert werden können und welche Maßnahmen es am dringlichsten braucht.

Ein Zwischenbericht des UNO-Klimasekretariats spricht von „Alarmstufe Rot für unseren Planeten“ und dass „wir blind auf ein Minenfeld zulaufen“ würden. Vor allem zeigen die Berechnungen der bisher vorliegenden Daten der UNO ein niederschmetterndes Ergebnis, was die bisherigen Bemühungen und eingereichten Klimapläne der Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommen betrifft. So würde sich eine Verringerung des schädlichen CO2-Ausstoßes von nur einem Prozent im Vergleich zu 2010 ergeben. Um im Zielpfad des 1,5-Grad-Zieles zu bleiben, wären aber 45 Prozent Reduktion des schädlichen Klimagases notwendig.

„Die Klimakrise ist die globale Herausforderung meiner Politiker/innen-Generation und ich werde alles daran setzen, dass wir die Klimaziele erreichen. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern einen intakten und lebenswerten Planeten übergeben“, so Klima-Landesrat Kaineder. „Mit dem Klimagipfel lenken wir die Aufmerksamkeit auf die Krise, gegen die es keine Impfung gibt, die aber maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft der Menschheit hat. Ich bin froh, die renommiertesten deutschsprachigen Klima- und Engergieexpert/innen in Linz begrüßen zu dürfen“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder weiter.

Klimaneutral leben 2035? – Wie das funktionieren kann und was ist politisch dazu notwendig ist, erörtert Dr.in Christine Wörlen am Oö. Klimagifpel

Klimaneutrales Wohnen und Arbeiten wird im Jahr 2035 gar nicht mehr schwer sein. Das hat das unabhängige Forschungs- und Beratungsunternehmen Arepo in einer Studie für den deutschen Ökostromanbieter Lichtblick herausgefunden. In dem Gutachten „Klimaneutral leben 2025: Wie Verbraucher/innen ihren Alltag in Zukunft CO2-frei gestalten und was die Politik dafür tun muss“ analysieren die Autorinnen dafür die Klimafußabdrücke einer Modellfamilie und eines Single-Haushalts heute und im Jahr 2035.

Im Jahr 2021 erzeugt die dreiköpfige Familie von Lena, Jan und Emily noch mehr als 9 Tonnen Kohlendioxid aus Öl, mit dem sie heizen und Warmwasser erzeugen, und fast 6 Tonnen Kohlendioxid kommt aus dem Auspuff ihres Autos. Im Jahr 2035 haben sie eine Solaranlage auf dem Dach und mehrere Speichersysteme ermöglichen, dass sie damit fast den ganzen Energiebedarf ihres modernisierten Hauses decken. Alex, ein alleinstehender Gärtner und Internet-Influencer, verfährt 2021 mit seinem Auto Benzin für 1,7 Tonnen Kohlendioxid und die Heizung seiner Altbauwohnung erzeugt 3,1 Tonnen pro Jahr. Im Jahr 2035 hat auch er seinen CO2-Fußabdruck im Bereich Energie und Mobilität drastisch reduzieren können – u.a. über eine gemeinschaftliche genutzte Solaranlage, die Nutzung von Carsharing und durch die energetische Sanierung seiner Mietwohnung.

Die Studie zeigt, dass sich die Lebensumstände der Protagonist/innen im Jahr 2035 nur wenig geändert haben – ihr Energieverbrauch aber stark gesunken ist. Und das war gar nicht so schwierig und teuer. Zehn Stellschrauben haben es ermöglicht, dass immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird und dass dieser für den Verbrauch in Haushalten und Elektroautos zu Verfügung steht und effizient eingesetzt wird. Leitautorin Dr. Christine Wörlen sagt dazu: „Die Technologien stehen heute bereits alle zur Verfügung, und sind oft auch gar nicht mehr so teuer. In Deutschland gibt es allerdings manchen ungünstigen Rechtsrahmen, und mit mehr Förderung und Beratung könnte alles noch schneller gehen.“

Die Anpassungen, die es braucht, um die aufgezeigten Reduktionen auch wirklich zu realisieren, beschreiben die Autorinnen klar und deutlich. Im Verkehrsbereich gibt es bis zum Jahr 2035 vor allem zwei wesentliche Veränderungen: Fast alle Autos fahren mit Strom – und an den Ladesäulen wird standardmäßig Ökostrom verkauft. Zweitens ist das Angebot im Öffentlichen Verkehr deutlich verdichtet worden. Dafür ist das Parken in Innenstädten teurer und schwieriger.

Für Wohngebäude wurden die Eigenerzeugung und die optimierte Nutzung von Strom von administrativen Restriktionen befreit. Insgesamt werden zwar weniger und energieeffizientere Geräte genutzt, aber dafür werden viele Häuser nun mit Strom beheizt, sodass der Stromverbrauch insgesamt nicht gesunken ist.

Christine Wörlen: „Die Studie zeigt, wie einfach es im Jahr 2035 sein wird, klimaneutral zu leben. Die wahren Herausforderungen liegen dann auf anderen Feldern. Aber ambitionierter Klimaschutz ist möglich!“

Klimawandel und Klimakrise als gesellschaftliche Herausforderung!

Der renommierte deutsche Klimaforscher und Gründer des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung Berlins Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber beschäftigt sich intensiv mit der Schaffung eines „Bauhauses der Erde“ am Oö. Klimagipfel. Als Initiator dieser Initiative bezeichnet er das Bauen als „Elefanten im Klimaraum“ und forderte gemeinsam mit 22 weiteren Unterstützern die Substitution von Stahlbeton durch organische Baustoffe. Mit dieser „Strategie für nachhaltige Siedlungswirtschaft“ will man eine Bauwende herbeiführen und verhindern, dass das Pariser Klimaabkommen scheitert.

„Beim Bauhaus der Erde geht es um den Elefanten im Klimaraum – um die Tatsache, dass die gebaute Umwelt für mehr als 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist. Können wir das ändern? Ja. Wir können diese Emissionen weitgehend vermeiden. Wir können sogar so bauen, dass wir Kohlenstoff aus der Atmosphäre herausholen. Das geht, wenn wir organische Materialien einsetzen. Wenn wir unsere Städte wieder aus Holz bauen. Was der Baubranche bislang nicht gelungen ist, ist ein großes Narrativ zu entwickeln. Eine große, überzeugende, sympathische Erzählung davon, wie wir in Zukunft bauen und leben wollen. Ein Narrativ, das die Konsumenten lieben, das die Bauherren lieben und wo auch die Behörden sagen: Tolle Idee. Lasst uns das machen“, ist Prof. Schellnhuber überzeugt.

Klimabündnis Oberösterreich: Den globalen Wandel lokal anstoßen

Die steigenden Treibhausemissionen, die Abholzung der Regenwälder und der damit verursachte Klimawandel haben Auswirkungen auf die ganze Erde. Klimaschutz erfordert daher lokale Initiativen und globale Zusammenschlüsse. Das Klimabündnis ist eine globale Partnerschaft zum Schutz des Klimas und verbindet mittlerweile mehr als 1.700 Gemeinden in 27 Ländern Europas mit indigenen Völkern in Südamerika. Seit 1993 unterstützt es indigene Völker am Rio Negro, im Nordwesten Brasiliens.

In Österreich ist das Klimabündnis das größte Klimaschutz-Netzwerk: Acht Regionalvereine in den Bundesländern bilden gemeinsam den Verband Klimabündnis Österreich und unterstützen bei der Umsetzung von klimafreundlichen Maßnahmen vor Ort. Das Klimabündnis Oberösterreich feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen und zählt mittlerweile rund 800 Betriebe, 290 Gemeinden und 230 Schulen zu seinen Mitgliedern. Egal ob große oder klein, reich oder arm, Stadt oder Land: Beim Klimaschutz können wir alle einen Beitrag leisten – unter anderem, in dem wir Ressourcen einfach teilen. Die Lösung liegt im Handeln“, will Norbert Rainer vom Klimabündnis zum Tun einladen.

Gerade auf kommunaler Ebene ist jeder kleine Schritt in die richtige Richtung spürbar – und trägt zur Transformation bei. Eine stetig wachsende Zahl an Initiativen setzt sich mit den Gegebenheiten vor Ort aktiv auseinander, widmet sich dem Ressourcen-Sharing und bildet neue Synergien auf dem Feld der Stadtteil- und Regionalentwicklung. Ob nun Repair-Cafés, Kleidertauschparties, Gemeinschaftsgärten oder Lebensmittel-Kooperativen: Sie leisten durch ihre ressourcenschonende Nutzungskonzepte einen praktischen Beitrag zum Klimaschutz ohne jeglichen Verzicht. Gleichzeitig entwickeln sie neue soziale Praktiken und schaffen Bewusstsein für Leerstände und geteilte Ressourcen, oft im Sinne von Gemeingut-Ansätzen. „Die Vorteile des Teilens liegen auf der Hand: Es schont das Klima, die eigene Geldbörse – und oft entstehen dabei neue soziale Kontakte. Die Hälfte unseres ökologischen Fußabdrucks fällt auf die Bereiche Ernährung und Konsum. Entsprechend groß ist demnach die ökologische Wirkung, wenn wir Gegenstände mit anderen teilen. Durch Handeln für den Klimaschutz entsteht ein vielfältiger Mehrwert für Mensch, Natur und Wirtschaft“, ist Norbert Rainer, Leiter des Klimabündnis OÖ, überzeugt.

Das Klimabündnis unterstützt mit Projekten wie der Smartphone-App „Gutes finden“, den „Reparaturführer“, den „Gärten der Vielfalt“ (Gemeinschaftsgärten) oder mit Klimakultur.at (Sharing-Ideen) diese Angebote und Potentiale.

In Klimabündnisbetrieben wird Energie gespart, die Mobilität verändert und auf eine nachhaltige Beschaffung geachtet. Unter dem Motto „Mit grünen Maßnahmen, schwarze Zahlen schreiben“ profitieren die Betriebe seit 20 Jahren von einem der größten und erfolgreichsten CO2 Vermeidungsprogramm in Österreich.

In den Klimabündnisschulen wird in jährlich mehr als 300 Workshops Wissen vermittelt und gemeinsam mit den Kindern und Jugendliche positive Zukunftsbilder entwickelt. Beim Jugendklimagipfel letzte Woche im Welios war wieder eindrucksvoll spürbar, mit welch positiver Energie die Jugendlichen die Welt gestalten wollen.

Im Projekt „Tapetenwechsel“ werden solche positiven Zukunftsbilder auch ganz konkret gesammelt und beschrieben. Zum Beispiel jenes für den Dorfplatz, das wie folgt aussieht: Heute ist der Ortskern im Wesentlichen ein Parkplatz mit dazugehöriger Durchzugsstraße. In naher Zukunft ist er ein “Menschenplatz”, der durch die vielfältige, essbare Begrünung auch ein wichtiger biologischer Hotspot der dörflichen Pflanzen- und Tiervielfalt ist. Nach dem Motto: Leben, das Leben anzieht. Menschen flanieren herum, machen Musik. Buntgemischte Menschengruppen sitzen abends zusammen und es werden Geschichten erzählt. Das Dorfleben passiert nicht auf asphaltierten Flächen, sondern auf Wiesen und Schotterrasenflächen oder im Schatten von den großen Bäumen. Die Grünflächen des Dorfes sind ideal miteinander vernetzt worden und vielfältig gestaltet mit Bäumen, Sträuchern, Blumenwiesen, um die Biodiversität auch im Dorf maximal zu fördern.

„Die Klimabündnisgemeinden und Städte haben erkannt, dass man mit den vielen großen und kleinen Klimaschutzmaßnahmen die Lebensqualität zurückgewinnen, halten und sogar verbessern kann,“ freut sich Norbert Rainer vom Klimabündnis OÖ über das Engagement auf kommunaler Ebene.

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