Gusen wird wieder hochwasserfit – Maßnahmen in St. Georgen verbinden Hochwasserschutz und Flussnatur

Lokalaugenschein mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Bgm. Andreas Derntl (St. Georgen an der Gusen), DIin Daniela König (Direktorin Umwelt- und Wasserwirtschaft – Land OÖ) und Dipl.-Ing. Wilhelm Somogyi (Gewässerbezirk Linz – Land OÖ)

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Gusen wird wieder hochwasserfit – Maßnahmen in St. Georgen verbinden Hochwasserschutz und Flussnatur

Oberösterreich steht entlang von Flüssen und Bächen zunehmend vor einer Doppelaufgabe: Siedlungsräume und Infrastruktur müssen besser vor Hochwasser geschützt werden und gleichzeitig die Gewässer so entwickelt, dass sie ihre natürlichen Funktionen wieder erfüllen können. Denn wo Flüsse begradigt, eingeengt oder von ihren Auen getrennt wurden, fehlt heute oft jener Raum, der Wasser bei Starkregen zurückhalten, Strömung bremsen und die Belastungsspitzen abfedern kann. Moderne Maßnahmen verbinden deshalb technische Sicherheit mit naturnaher Gestaltung: etwa durch Renaturierungen, die dem Fluss mehr Platz geben, und durch laufende Pflegearbeiten, die das Abflussprofil erhalten. Wie diese Kombination in der Praxis aussieht, zeigt sich an der Gusen in St. Georgen an der Gusen. 

„Wir wissen, dass angesichts der Klimakrise Starkregen- und Unwetterereignisse zunehmen werden. Damit steigt auch die Gefahr vor Hochwasser. Die Fehler aus der Vergangenheit holen uns hier ein: Für den Siedlungsbau und die Landwirtschaft haben wir unsere Flüsse an vielen Stellen in ein enges Korsett gezwängt. Um die Menschen und unsere Infrastruktur zu schützen, müssen wir daher weiter massiv in Renaturierung, aktiven Hochwasserschutz und Flusspflegemaßnahmen investieren“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

„Für uns als Gemeinde hat der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität. Umso wichtiger ist es, dass wir an der Gusen nicht nur kurzfristig reagieren, sondern vorausschauend handeln. Mit der Renaturierung haben wir der Gusen nicht nur mehr Platz für Lebensraum der Natur und Fischen gegeben, wir haben auch ein kleines Naherholungsgebiet für die St. Georgenerinnen und St. Georgener geschaffen. Mit der gezielten Räumung sichern wir die Abflusskapazität dort, wo sie für den Hochwasserschutz entscheidend ist“, bedankt sich Bürgermeister Andreas Dernt auch für die guten Zusammenarbeit zwischen wenn Land Oberösterreich und Gemeinde.

Klimaerwärmung erhöht Wassertemperaturen

Die Klimakrise ist längst auch an der Gusen messbar: Eine in der Vorwoche präsentierte Langzeitstudie des Landes Oberösterreich zeigte, dass sich die Wassertemperaturen in den heimischen Fließgewässern in den vergangenen 40 Jahren (1984–2023) im Durchschnitt um 1,9 Grad Celsius erhöht haben. Grundlage dafür waren Messreihen von 61 Pegelstellen im ganzen Land – eine davon befindet sich in St. Georgen an der Gusen. Dort fiel der Trend noch deutlicher aus: An der Messstelle an der Gusen wurde innerhalb von 40 Jahren eine Erwärmung von 2,37 Grad Celsius festgestellt.

„Diese Zahlen machen die Klimaerwärmung in Oberösterreich besonders sichtbar und begreifbar. Sie stehen für Hitzedruck in den Gewässern, für weniger Sauerstoff im Wasser und dafür, dass vertraute Arten verschwinden können“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Renaturierung St. Georgen an der Gusen

Die Renaturierung an der Gusen setzt gezielt dort an, wo der Fluss durch frühere Regulierungen an Vielfalt und Dynamik verloren hatte: Der Gusen wurde abschnittsweise wieder mehr Raum gegeben, indem das Abflussprofil über rund 1,2 Kilometer erweitert wurde.

Durch das Versetzen von Uferböschungen entstanden Aufweitungen von bis zu etwa 25 Metern, in denen sich vielfältige, naturnahe Strukturen entwickeln konnten. Es wurden neue Schotterbänke und Rohbodenbereiche geschaffen, flache Vorländer angelegt sowie Insel- und Uferzonen gestaltet, die dem Gewässer wieder eine abwechslungsreiche, „lebendige“ Form geben.

Zusätzlich wurden Seitenarme mit einer Gesamtlänge von rund 230 Metern angelegt, die ruhige Rückzugsräume bieten und die ökologische Durchgängigkeit sowie die Lebensraumqualität deutlich erhöhen. Struktur- und Lenkungselemente wie Stein- und Totholzbuhnen – eingebrachtes Totholz, Wurzelstöcke sowie Stör- und Struktursteine sorgen für mehr Strömungsvielfalt, Tiefenwechsel und naturnahe Uferformen. Das ist wichtige Voraussetzung für artenreiche Lebensräume, etwa für Fische und wirbellose Wasserorganismen. Gleichzeitig wurde die Maßnahme so umgesetzt, dass Hochwasserschutz und Pflege weiterhin funktionierten: Das Abflussprofil blieb in sensiblen Bereichen frei, während eine abschnittsweise, schonende Gehölz- und Bewuchspflege die notwendige Beschattung und Uferstabilität erhalten soll.

„Es ist eine große Herausforderung und ein Spannungsfeld in dem wir uns bei Hochwasserschutz vs. naturnaher Gestaltung sowie Erhalt oder Herstellen eines guten ökologischen Zustands bewegen müssen. Was wir hier an der renaturierten Gusen eindrucksvoll sehen können, ist, dass wenn Platz zum Gestalten des Flussraums gegeben ist, gehen Hochwasserschutz und Renaturierung Hand in Hand wir können die Menschen schützen und das Leben in unsere Flüsse zurückholen“, beton Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Gusen – Pflege und Sicherung des Hochwasserschutzes  

Nach den Hochwasserereignissen der letzten Jahre hat sich vor allem im Teil der Ortsregulierung der Gusen in St. Georgen an der Gusen vermehrt Feinsediment abgelagert. Diese Anlandungen reduzieren die Abflusskapazität und damit die Sicherheitsreserven des Hochwasserschutzes. Berechnungen zeigten, dass die Abflusskapazität im betroffenen Bereich deutlich zurückging und das Schutzziel für ein hundertjährliches Hochwasser (HQ100) nicht mehr abgesichert war.

Der Gewässerbezirk Linz setzt im Auftrag der Gemeinde St. Georgen deshalb eine gezielte Räumung des Gewässerbetts um. Insgesamt werden rund 10.000 Kubikmeter Material ausgehoben und fachgerecht abtransportiert bzw. entsorgt. Vor Baubeginn wurde eine Fischbergung vorgenommen, um den Eingriff so schonend wie möglich umzusetzen. Zudem werden vorhandene ingenieurbiologische Ufersicherungen und Einbauten freigelegt, kontrolliert und anschließend wiederhergestellt. Eingriffe in den Uferbewuchs erfolgen nur dort, wo sie für die Durchführung unbedingt erforderlich sind; nach Abschluss werden beanspruchte Bereiche wieder begrünt und durch Ersatzpflanzungen ökologisch aufgewertet.

Gearbeitet wird in zwei Abschnitten, um die Belastungen vor Ort möglichst gering zu halten und die Maßnahme effizient umzusetzen: Der erste Abschnitt wird derzeit abgewickelt, der zweite Abschnitt im Bereich des Sportplatzes folgt im kommenden Winter. Insgesamt ist das Vorhaben somit auf zwei Jahre angelegt. Die Gesamtkosten betragen rund 240.000 Euro und werden zu je einem Drittel von Bund, Land OÖ und Gemeinde St. Georgen getragen.