15 Jahre Fukushima – Atomkraft bleibt Risiko für Sicherheit, Umwelt und Europas Energiezukunft

Presseaussendung

15 Jahre Fukushima – Atomkraft bleibt Risiko für Sicherheit, Umwelt und Europas Energiezukunft

Zum 15. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima warnt Oberösterreichs Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder eindringlich vor den Gefahren der Atomenergie. Atomkraft sei nicht nur ein Sicherheits- und Umweltproblem, sondern auch ein geopolitisches Risiko.

„Die Kriege in der Ukraine und im Iran zeigen, wie gefährlich Atomenergie in einer instabilen Welt ist. Fukushima hat uns gelehrt, dass Atomkraft nie vollständig beherrschbar ist. Heute sehen wir zudem: Atomkraftwerke und Atomprogramme werden in Konflikten zu geopolitischen Druckmitteln“, erklärt Kaineder.

Die gestrige Strahlenschutzübung, die einen Verkehrsunfall mit radioaktivem Gefahrgut simulierte, habe eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig reibungslose Notfallabläufe und die Zusammenarbeit von Rettungskräften, Polizei und Strahlenschutzexperten sind. Gleichzeitig führe jede Übung vor Augen, dass der Umgang mit radioaktiven Stoffen selbst bei streng kontrollierten medizinischen Anwendungen Risiken birgt. In einer Zeit, in der der Krieg in der Ukraine Atomkraftwerke zu sicherheitspolitischen Brennpunkten macht, sei dies ein besonders eindringliches Warnsignal.

Umso irritierender seien die jüngsten Aussagen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Europas Abkehr von der Atomkraft als „strategischen Fehler“ bezeichnet und neue Investitionen in Nukleartechnologien angekündigt habe. „Angesichts realer Gefahren und der ungelösten Endlagerfrage braucht Europa keine Renaissance der Atomkraft, sondern den entschlossenen Ausbau erneuerbarer Energien und den Schutz der Bevölkerung vor nuklearen Risiken“, betont Kaineder.

Der Krieg in der Ukraine verdeutliche die Verwundbarkeit nuklearer und fossiler Energieinfrastruktur in Konflikten. Mit dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja sei erstmals ein großes AKW direkt in einen Krieg verwickelt – mit potenziellen Folgen für ganz Europa. Gleichzeitig zeige die Energiepolitik einzelner Staaten, wie widersprüchlich die Lage sei: So habe Tschechien zwischen 2022 und 2024 mehr Geld für Kernbrennstoff nach Russland überwiesen als für humanitäre Hilfe und Militärtechnik für die Ukraine zusammen.

Auch die Entwicklungen im Iran unterstreichen die Anfälligkeit des Energiesystems: Angriffe und militärische Drohungen treiben Energiepreise und Unsicherheit weltweit in die Höhe. „Diese Entwicklungen zeigen, wie stark Energieabhängigkeiten autoritäre Regime stärken und wie sehr Europas fossil-atomare Abhängigkeit Energiekrisen verschärft“, so Kaineder.

Fünfzehn Jahre nach der Katastrophe sind die Folgen von Fukushima noch immer nicht bewältigt. Rund 880 Tonnen geschmolzener, hochradioaktiver Kernbrennstoff liegen weiterhin in den zerstörten Reaktoren. Bisher konnten nur wenige Gramm geborgen werden. Eine größere Bergung ist frühestens ab 2037 geplant. Gleichzeitig muss das zerstörte Kraftwerk dauerhaft gekühlt werden, weshalb weiterhin radioaktiv belastetes Wasser behandelt und ins Meer eingeleitet wird. Millionen Kubikmeter kontaminierten Erdreichs wurden abgetragen und sollen nun über ganz Japan verteilt werden – ein Plan, der auf massiven Widerstand in der Bevölkerung stößt.

Auch die Kosten der Katastrophe sind enorm. Während die japanische Regierung von rund 160 Milliarden Euro ausgeht, schätzt das „Japan Center for Economic Research“ die tatsächlichen Kosten auf das Dreifache.

Ein weiteres ungelöstes Problem bleibt die Haftung im Katastrophenfall. Nach Berechnungen aus Frankreich würde ein Super-GAU in Mitteleuropa Schäden von rund 530 Milliarden Euro verursachen. Versichert sind Atomkraftwerke jedoch – je nach Land – nur mit 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro. Damit wäre nicht einmal ein halbes Prozent der möglichen Schäden gedeckt.

„Wer glaubt, dass Atomkraft Europas Energieprobleme löst, irrt gewaltig. Ein schwerer Unfall kann jederzeit passieren. Wer auf neue Atomkraftwerke setzt, entscheidet sich für immense Kosten, jahrzehntelange Bauzeiten, ungelöste Entsorgungsfragen und neue geopolitische Abhängigkeiten. Das größte Risiko bleibt unsere Abhängigkeit von Öl, Gas und Uran. Diese Abhängigkeit sinkt, wenn wir unsere Energieversorgung konsequent auf erneuerbare Quellen umstellen – etwa durch Biomasse, Wärmepumpen und Elektromobilität“, schließt Kaineder.