Wir brechen auf! Mehr Grün statt Asphalt und Beton für ein lebenswertes Oberösterreich

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Leiterin der Abteilung Umweltschutz (Land OÖ) Dipl.-Ing.in Susanne Maieron und Bürgermeisterin der Stad Bad Ischl Ines Schiller, BEd

Wir brechen auf! Mehr Grün statt Asphalt und Beton für ein lebenswertes Oberösterreich – OÖ. Umwelt- und Klimaressort unterstützt Gemeinden mit neuem Förderprogramm für eine klimafitte Zukunft

Der Klimawandel ist längst Realität. Hitzesommer, Starkregenereignisse und zunehmende Bodenversiegelung stellen unsere Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Gerade auf kommunaler Ebene entscheidet sich, wie gut wir unser Land klimafit und zukunftssicher gestalten.

„Mit dem neuen Umweltförderprogramm des Landes Oberösterreich setzen wir hier einen kraftvollen Schwerpunkt. Unser Ziel ist klar: Von der Hitzeinsel zum Schattenplatzerl. Von der Betonwüste zum Lebensraum“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Um Oberösterreichs Gemeinden klimafit zu machen, gibt es im neuen Umweltförderprogramm des Landes Oberösterreich zahlreiche Unterstützungen.

Herzstück sind die neue Entsiegelungsförderung und das Programm zur Klimawandelanpassung (GeKAP). Die damit geförderten Maßnahmen helfen vor allem Gemeinden dabei, boden- und klimafit zu werden: Flächen klug entsiegeln und wasserdurchlässig befestigen, Wasser speichern und lenken, Schattenbäume pflanzen, Gebäude begrünen und Hitzeinseln zu grünen Oasen machen.

Neu ist die modulare Fördermöglichkeit dieser beiden Programme – also noch mehr Unterstützung, um Gemeinden klimafit & lebenswert zu gestalten.

Auf www.ooe.gv.at/entsiegeln finden Sie gebündelt alle Details zur neuen Entsiegelungsförderung sowie zum weiterentwickelten Programm zur Klimawandelanpassung (GeKAP).

Entsiegelung

„Heiß umfehdet, wild umstritten“ sind naturbelassene Böden in und um unsere Siedlungsräume. Die Verbauung für Zwecke des Verkehrs, des Wohnens, von Gewerbe und Industrie, „frisst“ immer mehr Böden, die sich über Jahrtausende entwickelt haben. In Oberösterreich wurden im Bodeninformationsbericht des Landes OÖ 106.002 ha Boden oder 15,5 % des Dauersiedlungsraums als verbraucht bezeichnet. Etwa die Hälfte davon wird versiegelt, also durch Überbauung mit Gebäuden, Asphalt oder Beton seiner ökologischen Funktionen beraubt, sprich verbaut. Pro Oberösterreicher bzw. Oberösterreicherin entspricht dies rund 386 m².

Um der zunehmenden Versiegelung etwas entgegenzusetzen, geht das oberösterreichische Umwelt- und Klima-Ressort bereits seit rund drei Jahren mit einem österreichweit einzigartigen Förderprogramm auf Aufriss. Ziel ist die Entsiegelung von asphaltierten und betonierten Flächen, um die Bodenfunktionen zu verbessern, den natürlichen Wasserhaushalt zu stärken und eine ökologische Aufwertung zu erreichen. „Gesunde aufnahmefähige Böden sind eine wichtige Versicherung gegen Überflutungen und Hochwasser. Ein Quadratmeter gesunder Boden kann bis zu 200 Liter Wasser aufnehmen“, gibt LR Kaineder zu bedenken.

Seit 2023 wurden insgesamt 75 Entsiegelungen gefördert, dafür wurden Förderungen in der Höhe von rund 875.000€ ausbezahlt.

Mit dem neuen Umweltförderprogramm 2026 wird die Förderung von Entsiegelungsprojekten für Gemeinden und Vereine wesentlich aufgewertet:

Die Förderhöhe für jeden Quadratmeter vollständig entsiegelter und begrünter Fläche beträgt 130 Euro. Die Förderhöhe pro Quadratmeter teilentsiegelter Flächen (beispielsweise Rasengittermatten oder -steine, Schotterrasen) beträgt 80 Euro. Die Förderung ist mit 70% der förderfähigen Investitionskosten und maximal 100.000 Euro begrenzt. Ist die ansuchende Gemeinde eine Bodenbündnis-Gemeinde, erhöht sich die Förderung um 20 Euro pro Quadratmeter (maximale Förderung 125.000 Euro).

Bad Ischl bricht auf

Mit der Entsiegelung des Parkplatzes in der Dumbastraße setzt die Gemeinde Bad Ischl einen konkreten Schritt zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und bei der Umsetzung der Klimastrategie. Durch den Einsatz wasserdurchlässiger Gitterelemente, klimafitter Baumpflanzungen und standortgerechte Begrünung wird die versiegelte Fläche deutlich reduziert. Regenwasser kann künftig wieder direkt vor Ort versickern, wodurch der natürliche Wasserhaushalt gestärkt und Kanalisation sowie Gewässer bei Starkregenereignissen entlastet werden.

Gleichzeitig wirkt die Begrünung als wirksamer Hitzeschutz: durchlässige Flächen heizen sich deutlich weniger auf als Asphaltflächen und tragen zu einer spürbaren Abkühlung der Umgebung bei. Neben den klimatischen Effekten wird die Fläche auch ökologisch aufgewertet. Im Zuge der Neugestaltung werden invasive Neophyten zurückgedrängt und durch standortangepasste Pflanzen ersetzt, wodurch die Biodiversität gefördert und die Pflege langfristig erleichtert wird.

„Mit diesem Projekt investieren wir gezielt in eine lebenswerte und klimaresiliente Zukunft unserer Gemeinde. Mit der Entsiegelung geben wir dem Boden wieder eine wichtige Funktion zurück. Regenwasser kann versickern statt abzufließen, die Umgebung heizt sich weniger stark auf und wir reduzieren Belastungen bei Starkregenereignissen. Gleichzeitig ersetzen wir problematische Neophyten durch geeignete Bepflanzung. So verbinden wir Hitzeschutz, Wassermanagement und ökologische Aufwertung auf einer weiterhin nutzbaren Fläche. Klimaanpassung bedeutet für uns, konkrete Maßnahmen umzusetzen, die im Alltag Wirkung zeigen“, so Ines Schiller, Bürgermeisterin von Bad Ischl.

Klimafitte Gemeinden – Klimawandelanpassung

Gemeinsam mit dem Klimabündnis Oberösterreich wurden seit 2020 insgesamt 93 „GeKAP-Beratungen“ in bzw. mit Gemeinden durchgeführt. Diese Beratungen sind Voraussetzung für eine GeKap-Förderung. 5 davon waren Pilotgemeinden des neuen vertiefenden Beratungsprogramms „Klimafitte Gemeinde“. Die GeKAP-Förderungen im Zeitraum 2021-2025 werden vorrausichtlich nach Abrechnung aller Projekte rund 500.000 Euro betragen. „Das zeigt: Die Gemeinden sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – und wir stehen als Partner verlässlich an ihrer Seite“, so Landesrat Stefan Kaineder.

Was wird konkret umgesetzt?

Die am häufigsten geförderte Maßnahme sind Baumpflanzungen – zum Beispiel auch mit Umsetzung des „Schwammstadt“-Prinzips.

Unser Leitgedanke lautet: Dort, wo es möglich ist, natürlich beschatten, wo nötig technisch. Wir unterstützen dabei etwa

  • Bäume zur natürlichen Kühlung zu pflanzen,
  • Schwammstadt-Elemente für Regenwassermanagement zu installieren,
  • Trinkwasserbrunnen zu errichten,
  •  beschattete Sitzgelegenheiten für mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen und
  •  Jalousien in öffentlichen Gebäuden einzubauen, um ohne energieintensive Klimaanlagen auszukommen.

Gerade bei zunehmender Hitze sind solche Maßnahmen entscheidend für lebenswerte Ortszentren und gesunde öffentliche Räume.

GeKAP NEU: Drei zentrale Weiterentwicklungen

Mit der „GeKAP Förderung NEU“ wird das Programm gezielt weiterentwickelt – mit drei wesentlichen Verbesserungen:

Inhaltliche Öffnung

Bisher lag der Fokus klar auf Hitzeschutz. GeKAP NEU erweitert den Rahmen auf weitere Anpassungsmaßnahmen in Gemeinden, wie etwa Regenwassermanagement. Im Mittelpunkt stehen insbesondere naturbasierte Lösungen, wie zum Beispiel die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips. Damit schaffen wir Raum für innovative Projekte, die Vorbildwirkung für andere Gemeinden entfalten können.

Höhere Förderung

Die Basisförderung beträgt 50 Prozent der förderungsfähigen Investitionskosten. Im neuen Umweltförderprogramm wird die maximale Fördersumme von 20.000 Euro auf 25.000 Euro erhöht. Für finanzschwache Gemeinden sowie Mitgliedsgemeinden von KLAR!-Regionen gibt es Zuschläge, diese steigen von 10 auf 15 Prozent.

„Das ist ein klares Signal: Wir wissen, dass viele Gemeinden finanziell unter Druck stehen. Mit der Erhöhung ermöglichen wir größere Projekte und setzen einen Anreiz zur Teilnahme an KLAR!-Regionen“, erklärt Landesrat Kaineder.

Kombinierte und modulare Fördermöglichkeit

Erstmals wird die Kombination von GeKAP mit Bundes- und EU-Förderungen zugelassen, genauso wie eine modulare Fördermöglichkeit mit der Entsiegelungsförderung des Landes. Das bedeutet mehr Flexibilität, bessere Kombinationsmöglichkeiten und insgesamt noch gezieltere Unterstützung für Ihre Projekte. Eine möglichst engmaschige Abstimmung mit der Förderstelle ist essenziell.