Vorsorge statt Schadensbewältigung
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Dipl.-Ing.in Daniela König (Direktorin Umwelt und Wasserwirtschaft, Land OÖ), Ing. Wilhelm Laimer (Gewässerbezirksleiter Gmunden), DI DI DI Dr. Michael Stur (Bgm. WEyregg am Attersee/ BiGe IBS – Technisches Büro GmbH) und DI Dr. Hans Starl (KAWUMMS Naturgefahrenmanagement GmbH)
Vorsorge statt Schadensbewältigung: verbesserte Hangwasserhinweiskarte in Oberösterreich unterstützt Gemeinden bei der Klimawandelanpassung
Starkregen trifft Oberösterreich immer häufiger – und oft dort, wo kein Bach und kein Fluss in der Nähe ist. Mit der neuen Hangwasserhinweiskarte 2.0 bekommen Gemeinden, Einsatzkräfte und Planer:innen jetzt ein deutlich genaueres Werkzeug in die Hand, um Gefahren früh zu erkennen und Schäden zu vermeiden. Die Karte ist kostenlos über DORIS verfügbar und stärkt die Vorsorge dort, wo sie am meisten zählt: direkt vor Ort.
„Wenn nach einem Starkregen plötzlich Keller volllaufen oder Straßen zu Bächen werden, dann ist es für schöne Worte zu spät. Wir müssen Risiken erkennen, bevor sie zum Problem werden. Genau dabei hilft die neue Hangwasserkarte. Sie macht sichtbar, wo Wasser seinen Weg sucht – und gibt Gemeinden die Chance, rechtzeitig zu handeln. Das schützt Menschen, Häuser und spart am Ende viel Geld“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
Starkregen kennt keine Gemeindegrenzen
Die Bilder der vergangenen Jahre haben sich eingebrannt: Binnen weniger Minuten werden Straßen überflutet, Felder ausgespült und Häuser beschädigt. Ursache ist oft nicht ein übergehender Fluss, sondern Wasser, das bei Starkregen oberflächlich über Hänge und Felder abfließt.
Genau hier setzt die neue Hangwasserhinweiskarte 2.0 an. Sie zeigt landesweit jene Bereiche, in denen bei extremen Regenfällen Hangwasser abfließen oder sich sammeln kann. Gemeinden können dieses Wissen künftig noch gezielter in die Raumplanung, den Katastrophenschutz oder bei Infrastrukturprojekten einsetzen.
Näher an der Realität
Die neue Version baut auf den Erfahrungen mit der ersten Hangwasserkarte aus dem Jahr 2021 auf und wurde technisch deutlich verbessert.
Erstmals fließen unter anderem die Versickerungsfähigkeit der Böden, unterschiedliche Oberflächen sowie Durchlässe und Verrohrungen in die Berechnungen ein. Dadurch bildet die Karte das tatsächliche Verhalten von Wasser wesentlich realistischer ab und liefert verlässlichere Hinweise auf mögliche Gefahrenstellen.
Berechnet wurde ein Starkregenereignis, mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren und einer Dauer
von 30 Minuten– auf Basis eines digitalen Geländemodells mit einer Auflösung von nur einem Meter. So entsteht ein detailreiches Bild darüber, wohin Regenwasser fließt und wo es sich sammeln kann.
Die Hangwasserhinweiskarte 2.0 baut auf der bisherigen Anwendung auf und wurde in mehreren zentralen Punkten weiterentwickelt:
- Berücksichtigung der Versickerungsfähigkeit des Bodens und damit realistischere Abbildung des Abflussverhaltens
- Erweiterte Einbindung von Oberflächeneigenschaften, wodurch die Aussagekraft der Hangwasserhinweiskarte zusätzlich geschärft wird.
- Verbesserte Darstellung von hydraulisch relevanten Strukturen wie Durchlässe und Verrohrungen, so dass es nicht mehr zu unrealistischen Seenbildungen in der Landschaft kommt
Durch diese systematische verbesserte Berücksichtigung der Bodeneigenschaften bietet die Hangwasserhinweiskarte 2.0 damit zukünftig noch bessere Grundlagen für die Beurteilung von Hangwässern an.
Ein Werkzeug für Gemeinden – und für alle Interessierten
Die Hangwasserhinweiskarte 2.0 steht kostenlos über das Geoinformationssystem DORIS des Landes Oberösterreich zur Verfügung. Gemeinden, Planungsbüros, Einsatzorganisationen, Infrastrukturbetreiber und interessierte Bürger:innen können Gefährdungsbereiche rasch einsehen und in ihre Entscheidungen einbeziehen.
Für weiterführende Planungen werden die Grundlagendaten nach Abschluss der technischen Umstellung auch als Open Government Data bereitgestellt. Gemeinden können die Daten damit auch für eigene Analysen und Simulationen nutzen.
„Die Klimakrise ist längst in Oberösterreich angekommen. Sie zeigt sich nicht nur an heißen Sommern, sondern auch an immer heftigeren Starkregen. Wir können den Regen nicht verhindern – aber wir können dafür sorgen, dass unsere Gemeinden besser darauf vorbereitet sind. Gute Vorsorge ist der wirksamste Schutz“, so Landesrat Kaineder.
Besser planen, gezielter investieren
Die Hangwasserhinweiskarte ist bewusst als Hinweiskarte konzipiert. Sie ersetzt keine Detailplanung für einzelne Bauprojekte, zeigt aber frühzeitig, wo genauer hingeschaut werden muss.
Sie unterstützt insbesondere:
- die Raumplanung und Siedlungsentwicklung
- die Beurteilung von Bauvorhaben
- die Planung von Schutzmaßnahmen
- die Vorbereitung von Einsätzen im Katastrophenschutz
Damit können Gemeinden Schutzmaßnahmen gezielter planen, Infrastruktur widerstandsfähiger machen und öffentliche Mittel dort einsetzen, wo sie den größten Nutzen bringen. Das erhöht die Sicherheit für die Menschen in Oberösterreich und hilft, Schäden durch Starkregen langfristig zu verringern.