Umweltverträglichkeitsprüfungen zur Windkraft in Oberösterreich

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder und Ing.in Mag.a Elisabeth Mayr (Leiterin Gruppe UVP- und Wirtschaftsrecht – Land OÖ)

Umweltverträglichkeitsprüfungen zur Windkraft in Oberösterreich – Aktuelle Einblicke in die großen UVP-Verfahren und weiterer Fahrplan

Der Ausbau der Windkraft in Oberösterreich wurde über viele Jahre hinweg auf Eis gelegt beziehungsweise politisch blockiert. Nun kommt Bewegung in die Sache: Seit rund zwei Jahren wagen es Projektwerber trotz der jahrelangen politischen Blockadehaltung gegenüber der Windkraft in Oberösterreich wieder, große Windparks zur Genehmigung einzureichen.

Mittlerweile sind in unserem Bundesland in der Umweltrechtsabteilung/ UVP Behörde in Zuständigkeit von Umweltlandesrat Stefan Kaineder sechs Genehmigungsverfahren zu großen Windkraftprojekten anhängig. In unterschiedlichen Prüfungsstadien befinden sich derzeit der Windpark Königswiesen, der Windpark Sandl, der Windpark Kobernaußerwald, der Windpark Sternwald, der Windpark Steiglberg sowie ganz neu der Windpark Schiffberg.

„Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher, unsere Wirtschaft und Industrie brauchen dringend günstigen und erneuerbaren Strom. Die Windkraft ist das fehlende Puzzlestück, das uns Energie bringt, wenn die Sonne nicht scheint. Ich bin sehr stolz, dass wir es trotz der politischen Blockaden geschafft haben, nun bereits sechs bedeutende Windkraftprojekte in Genehmigungsverfahren zu haben. Es zeigt, dass sich die Ermutigung der Projektanten, sich diesem Widerstand nicht zu beugen, sondern Projekte zur Umweltprüfung einzureichen, gelohnt hat. Mit der UVP-Prüfung gibt es ein sauberes und rechtssicheres Instrument für Umwelt, Projektanten und Bewohner:innen, dem vertraut wird. Genau dafür ist die UVP da. Sie schaut genau hin: auf die Verträglichkeit für Natur, Tiere, Landschaft, Gemeinden und auch auf die Frage, wie wir sauberen Strom für Oberösterreich schaffen“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Die hohe Zahl laufender UVP-Verfahren zeigt, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung für Betreiber ein rechtssicheres, planbares und transparentes Verfahren für die Realisierung von Windkraftprojekten darstellt. Klare Rahmenbedingungen schaffen Vertrauen, sowohl bei Gemeinden und Bevölkerung, als auch bei Investoren. Die Projekte werden nach nachvollziehbaren, klar definierten und sorgfältig geprüften Verfahren bewertet.

Im Rahmen des umfassenden Verfahrens werden alle wesentlichen Aspekte eines Projekts betrachtet und seine Umweltauswirkungen eingehend geprüft. Auswirkungen auf Natur, Artenvielfalt und Landschaft werden umfassend erhoben. Zugleich werden wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Interessen sorgfältig gegeneinander abgewogen. Dadurch entsteht Qualität und damit auch Akzeptanz vor Ort. Die öffentliche Beteiligung stellt sicher, dass Anliegen aus der Region einfließen und mögliche Konflikte frühzeitig reduziert werden können.

Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder fordert von der ÖVP-FPÖ geführten Landesregierung: „Der nächste Schritt muss sein, die geplanten Verbotszonen für Windkraft endgültig aufzugeben. Oberösterreich braucht Windkraft und keine Windkraftverbote. Wer aus politischen Gründen Windräder verbieten will, verhindert leistbaren Strom für Familien, Betriebe und Gemeinden. Besonders absurd ist es, wenn Projekte wie jenes in Sandl durch politisch verlautbarte Verbotszonen ausgebremst werden sollen, während die UVP längst läuft.

Die von ÖVP und FPÖ geplanten Verbotszonen zielen darauf ab, konkrete umsetzungsreife Windkraftprojekte im Mühlviertel und am Saurüssel im Hausruckviertel zu verhindern. Damit muss endlich Schluss sein.“

UVP-Genehmigungsverfahren: Ablauf & aktueller Stand

  1. Antragstellung des Projekts
  2. Prüfung der Unterlagen auf Vollständigkeit und Qualität
  3. Öffentliche Auflage/Kundmachung
  4. Inhaltliche Prüfung (Gutachten, Auseinandersetzung mit Einwendungen) und zusammenfassende Bewertung
  5. Mündliche Verhandlung
  6. Bescheiderlassung

Aktuelle Verfahren im Überblick:

  • Derzeit sind sechs UVP-Genehmigungsverfahren für Windkraftprojekte anhängig, ein siebtes in Vorbereitung.
  • Der erste UVP-Antrag für ein Windkraftprojekt in Oberösterreich wurde am 28. Juni 2024 eingebracht. Davor war über viele Jahre kein einziges Windkraftprojekt zur Genehmigung eingereicht.

Windpark Königswiesen – 10 Anlagen – 72 Megawatt

Das Projekt in Königswiesen und St. Georgen am Walde wurde bei der UVP-Behörde am 28.06.2024 zur UVP eingereicht.

Aktueller Stand: Die öffentliche Auflage erfolgte von 27.05. – 10.07.2026. Nächster Schritt ist die Befassung der Sachverständigen mit den eingelangten Stellungnahmen und die Erstellung der zusammenfassenden Bewertung. Danach folgt die mündliche Verhandlung.

Windpark Sandl – 19 Anlagen – 137 Megawatt

Das Projekt in Sandl wurde am 20.11.2024 zur Umweltverträglichkeitsprüfung bei der Behörde eingereicht.

Aktueller Stand: Die öffentliche Auflage der Projektunterlagen fand von 06.05.2026 bis 17.06.2026 statt. Insgesamt sind während der (österreichischen) Auflagefrist 119 Stellungnahmen bzw. Einwendungen eingelangt. Die eingelangten Stellungnahmen werden derzeit gesichtet und fachlich beurteilt. Das Ergebnis fließt in die zusammenfassende Bewertung und in den Bescheid ein.

Nächster Schritt ist die Befassung der Sachverständigen mit den eingelangten Stellungnahmen und die Erstellung der zusammenfassenden Bewertung. Danach folgt die mündliche Verhandlung, voraussichtlich noch im heurigen Jahr.

* Anmerkung: Das Projektgebiet liegt in einer geplanten Ausschlusszone.

Windpark Kobernaußerwald

Das Projekt in fünf Gemeinden wurde am 20.12.2024 zur Genehmigung bei der UVP Behörde eingereicht. Ursprünglich geplant war der Bau von 18 Windkraftanlagen des Typs Vestas V172 mit je 7,2 MW. Die Gesamtleistung des Windparks betrugt 129,6 MW.

Aktueller Stand: Das Verfahren wurde auf Antrag der Projektwerberin am 04.11.2025 ausgesetzt. Mit Schreiben vom 11.02.2026 hat die Projektwerberin die beabsichtigten Änderungen bekanntgegeben (Reduktion von 18 auf 9 Windkraftanlagen und Reduzierung der Höhe bei 2 Windrädern, wegen Tiefflugzonen des Bundesheeres).

Mit Eingabe vom 18.05.2026 hat die Projektwerberin die überarbeiteten Unterlagen vorgelegt und die Fortsetzung des Verfahrens beantragt. Die überarbeiteten Unterlagen wurden durch die Sachverständigen vorgeprüft und es wurde der Projektwerberin ein Verbesserungsauftrag erteilt.

* Anmerkung: Das Projektgebiet liegt in einer geplanten Beschleunigungszone.

Windpark Sternwald – 9 Anlagen – 65 Megawatt

Das Projekt in Vorderweißenbach wurde bei der UVP-Behörde am 01.07.2025 eingereicht.

Aktueller Stand: Prüfung der Unterlagen auf Vollständigkeit und Qualität. In dieser Phase werden die Einreichunterlagen durch Sachverständige geprüft und gegebenenfalls durch die Projektwerber überarbeitet bzw. nachgebessert. Sobald vollständige Unterlagen vorliegen, setzt die Behörde die öffentliche Auflage an.

Im Zuge des Repowerings werden 7 Altanlagen (je 2,0 MW; gesamt 14 MW) abgebaut und durch 9 moderne Windkraftanlagen mit jeweils 7,2 MW ersetzt. Die künftige Gesamtleistung steigt auf 64,8 MW – eine Leistungssteigerung um 50,8 MW.

* Anmerkung: Das Projektgebiet liegt in einer geplanten Beschleunigungszone; Bei der Beschleunigungszone Sternwald hat LR Achleitner die beabsichtige Ausweisung zunächst aufgrund von Naturschutzbedenken aus Tschechien zurückgenommen. Nach einer Intervention von LH Stelzer wurde die geplante Einstufung als Beschleunigungszone jedoch wieder „bestätigt“.

Windpark Steiglberg (Kobernaußerwald) – 6 Anlagen – 40,8 Megawatt

Das Projekt in Lohnsburg am Kobernaußerwald und Lengau wurde bei der UVP-Behörde am 06.11.2025 eingereicht.

Aktueller Stand: Prüfung der Unterlagen auf Vollständigkeit und Qualität. In dieser Phase werden die Einreichunterlagen durch Sachverständige geprüft und gegebenenfalls durch die Projektwerber überarbeitet bzw. nachgebessert. Sobald vollständige Unterlagen vorliegen, setzt die Behörde die öffentliche Auflage an.

Im Zuge des Repowerings wird 1 Altanlage (2,0 MW) abgebaut und durch 6 moderne Windkraftanlagen mit jeweils 6,8 MW ersetzt. Die künftige Gesamtleistung steigt auf 40,8 MW – eine Leistungssteigerung um 38,8 MW.

* Anmerkung: Das Projektgebiet liegt in einer geplanten Beschleunigungszone

Windpark Schiffberg – 3 Anlagen – 23,4 Megawatt

Das Projekt in Rainbach im Mühlkreis wurde am 06.07.2026 zur Genehmigung bei der UVP-Behörde eingereicht.

Aktueller Stand:Die Einreichunterlagen werden von der Behörde gesichtet und Sachverständige für die erforderlichen Fachbereiche namhaft gemacht bzw. bestellt. Anschließend erfolgt die Prüfung der Unterlagen auf Vollständigkeit und Qualität durch die Sachverständigen.

Projekte im UVP-Feststellungsverfahren

Das UVP-Feststellungsverfahren ist ein Verfahren, mit dem geprüft wird, ob ein geplantes Projekt einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden muss. Im Rahmen dieses Verfahrens wird also nicht das Projekt selbst genehmigt, sondern festgestellt, ob es nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-G 2000) aufgrund seiner Art, Größe oder möglichen Umweltauswirkungen UVP-pflichtig ist.

In der Marktgemeinde Windhaag bei Freistadt wird der Bau eines Windparks mit drei Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von jeweils rund 7,8 Megawatt (MW) geplant. Die geplante Gesamtleistung beträgt somit bis zu 23,4 MW.

Aktueller Stand: Positiver UVP-Feststellungsbescheid ist ergangen. Das Projekt muss einem UVP-Genehmigungsverfahren unterzogen werden. Die Behörde erwartet den Antrag.