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Pressekonferenz mit Landesrat Stefan Kaineder, Bgm. Roland Wohlmuth (Vorsitzender des OÖ. Landesabfallverbands) und Mag. Dipl.-Ing. Peter Beigl (Senior Scientist an der Universität für Bodenkultur Wien)

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Störstoffanteile in der Biotonne – Präsentation Ergebnisse der Bio-Abfallanalyse

Oberösterreichs Abfallwirtschaft hat sich in den letzten Jahren zu einer nachhaltigen Stofffluss- und Ressourcenwirtschaft entwickelt. Noch vor 30 Jahren wurden die Abfälle aus Haushalten fast ausschließlich deponiert – heute werden sie zu mehr als 2/3 wieder verwertet! Immer mehr Produkte reparieren wir auch – über das Programm ReVital –, um diese dann preisgünstig anzubieten, die Abfallberge zu verkleinern und neue Jobs zu schaffen.

Es gibt aber natürlich noch Handlungsfelder für die Abfallwirtschaft und die Politik, wie auch die aktuell vorliegende Bio-Abfallanalyse zeigt. „Einerseits sehen wir die Lebensmittelverschwendung, die mit rund einem Drittel an vermeidbaren Lebensmittelabfällen in der Sortieranalyse zum Vorschein kommt, andererseits ist der Bioabfall mit Störstoffen belastet und hier ragen vor allem Kunststoffverpackungen mit einem Anteil von fast 50 Prozent heraus. Bei der Lebensmittelverschwendung setzt das Umweltressort gemeinsam mit dem LAV auf Bewusstseinsarbeit mit Initiativen wie der „is nu guat“-Kampagne, die sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und auf die oft viel längere Dauer der Genießbarkeit von Lebensmitteln aufmerksam zu machen, als zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum suggeriert“, so Landesrat Stefan Kaineder.

Umweltministerin Leonore Gewessler und Landesrat Stefan Kaineder arbeiten daran, den Plastikmüllberg in der Umwelt Schritt für Schritt zu verkleinern, was auch Auswirkungen auf Störstoffe aus Kunststoff in Bioabfällen haben sollte. „Ab 3. Juli 2021 gelten strengere Regelungen für etliche Einwegverpackungen aus Plastik. Verboten werden Wegwerfbesteck und –teller oder Take-Away Boxen aus Polystrol. Das sollte auch zur Folge haben, dass weniger Plastik in den Bioabfällen und folglich Kompostieranlagen landen wird“, freut sich Landesrat Stefan Kaineder, der auch in der Abfallwirtschaftsgesetzesnovelle des Landes weitreichende Vorgaben zur Eindämmung der Plastikflut vorgesehen hat, wie zum Beispiel dem Einwegverpackungsverbot bei Veranstaltungen ab 300 Personen.

Störstoffe in der Biotonne

Werden biogene Abfälle richtig entsorgt, kann daraus in den Kompostieranlagen wertvolle, nährstoffreiche Komposterde erzeugt werden, die unsere Pflanzen gesund hält und zur Bodenverbesserung beiträgt. Die Kompostierung biogener Abfälle leistet zudem viel für den aktiven Klimaschutz, weil Kompost CO2 speichert.

Aber was zählt eigentlich zum biogenen Abfall? Nach dem Prinzip: „Was der Boden hervorbringt, soll wieder zu Erde werden“ umfassen biogene Abfälle natürliche Abfälle aus Garten- und Grünflächenbereich, pflanzliche Abfälle aus Haushalt und Küche, insb. Zubereitungsreste (z.B. Schalen) und Hygienepapier. Lebensmittelabfäll, wie z.B. Gemüse, Obst, Brot und Gebäck, und Teigwaren, sollten im Sinne der Ressourcenschonung und Sparsamkeit natürlich vermieden werden. Rohes Fleisch darf aus Hygienegründen nicht in die Biotonne. Kunststoffe, Glas, Metall und sonstige Störstoffe haben nichts in der Biotonne verloren.

Um den Abfallberg klein zu halten und die Ressourcen unserer Erde zu schonen, ist nach der Vermeidung die Verwertung die beste Lösung. Bioabfall ist ein natürlicher und hochwertiger Rohstoff – aber nur, wenn er getrennt gesammelt wird. Er ist zu schade für die Restmülltonne und verursacht unnötig hohe Kosten in der Abfallverbrennung, da biogener Küchenabfall zu einem großen Anteil aus Wasser besteht.

2019 wurden knapp 84.500 Gewichtstonnen biogener Abfall in Oberösterreich gesammelt. (82.500 t aus Biotonnen von Haushalten; 1.960 t in ASZ, Kompostieranlagen und Sammelstellen). Die Zusammensetzung des biogenen Abfalls variiert zwischen Stadt und Land und ist außerdem abhängig von der Jahreszeit. Generell ist im städtischen Bereich der Anteil an organischen Küchenabfällen größer als in ländlichen Gebieten.

„Bioabfall kehrt nur dann zurück zu seinen Wurzeln, wenn die Qualität stimmt und dieser sauber getrennt wird. Kunststoffe und Störstoffe haben daher nichts in der Biotonne zu suchen. Ein zu hoher Fehlwurfanteil kann sogar zur Unbrauchbarkeit der gesamten Tonne führen“, so Bgm. Roland Wohlmuth Vorsitzender OÖ. Landesabfallverband.

Ausgangslage – Störstoffe im Bioabfall

Nicht kompostierbare Stoffe, sogenannte Störstoffe in der Biotonne (wie zum Beispiel Plastiktüten) werden zunehmend zu einem Problem. Diese Störstoffe müssen in den Kompostieranlagen unter großem Aufwand teilweise per Hand aus den Kompostmieten entfernt werden. Dieser Aufwand verursacht hohe Kosten, die letztlich über die Müllgebühren mitfinanziert werden müssen.

Kompostieren ist der natürlichste Recyclingprozess der Welt. Die Natur kennt schließlich keine Abfälle. Vorausgesetzt, es kommen wirklich nur kompostierbare Abfälle in die Biotonne. Jeder kann dazu beitragen.

Der Störstoffanteil ist besonders in größeren gemeinschaftlich genutzten Biotonnen oft hoch und verursacht Probleme bei der Kompostherstellung.

Motivforschung – Fehlwürfe in den Biotonnen im OÖ Ballungsraum

Ende letzten Jahres wurde vom OÖ Landesabfallverband eine empirische Untersuchung beim Marktforschungsinstitut IMAS in Auftrag gegeben, mit dem Ziel, die Ansichten der Oberösterreicher bezüglich Fehlwürfe in der Biotonne demoskopisch zu erheben beim. Befragt wurden Oberösterreicher ab 18 Jahren, die in Mehrparteienhäusern leben und sich mit mehreren Haushalten eine Biotonne teilen. Es galt dabei die Faktoren zu erheben, die die Menschen dazu bewegen, anderes als biogenes Material in die Biotonne zu werfen. Beinahe flächendeckend sind die Befragten der Meinung, dass das Thema Abfallvermeidung bzw. Abfalltrennung zumindest eher wichtig ist.

Mehr als die Hälfte stuft dieses Thema persönlich als sehr wichtig ein. Bei einem relevanten Anteil der Befragten wurden schwerwiegende Fehlannahmen festgestellt, obwohl sie sich ausreichend informiert fühlen. So waren etwa 30 % der Meinung, dass Katzenstreu und Hundekot in die Biotonne dürfen. 20 % der Befragten gaben an, dass sie Plastiksackerl in der Biotonne entsorgen würden. 16 % gaben dies auch für verpackte Lebensmittel, welche nicht mehr gebraucht werden, an.

Rund jeder Fünfte der Zielgruppe ist der Meinung, dass der Bioabfall noch einmal nachsortiert wird und falsche Abfälle entfernt werden. Dies kann selbst bei den „Umweltbewussten“ zu Fehlwürfen führen.

Bioabfallsortierung

Um einen österreichweit gültigen Leitfaden für die Sortierung von Bioabfällen erarbeiten zu können, wurden Testanalysen von Biotonnen durch die Universität für Bodenkultur Wien (kurz BOKU) beauftragt. Diese wurden im Sommer letzten Jahres durchgeführt.

Täglich wurde dabei bis zu 1.000 kg Bioabfall in 22 verschiedene Fraktionen sortiert. Getrennt wurde unter anderem nach Garten- und Küchenabfällen, Lebensmittelabfälle (vermeidbare und nicht vermeidbare), Störstoffen und Papier. Die Gruppe vermeidbare Lebensmittelabfälle umfasste hierbei Milchprodukte, Fleisch/Fisch, Brot/Gebäck, Gemüse, Obst, Teigwaren, Getränke, sonstige Lebensmittel und original verpackte Lebensmittel. Je nach Fraktion wurden die Inhalte der Biotonne in getrennten Kübeln gesammelt, im Anschluss abgewogen und die Gewichtsanteile ermittelt und aufgezeichnet.

Die Sortierung ergab ein enorm hohes Ausmaß an vermeidbaren Lebensmitteln. Zwar beinhalteten manche der analysierten Biotonnen „sauberen“ Abfall, der für die Kompostierung gut verwertbar ist, jedoch wird dabei auch die Fülle an Lebensmittelverschwendung sichtbar. Etwa ein Drittel des Biotonnenmaterials von den analysierten 3,3 Tonnen Bioabfall waren vermeidbare Lebensmittel. Der Anteil der vermeidbaren Lebensmittel war bei Einfamilienhäusern deutlich höher als bei Mehrfamilienhäusern (Anm.: 50% vs. 39%).

„Die OÖ Umwelt Profis haben daher gemeinsam mit dem Umweltland OÖ bereits 2017 die Kampagne „Is nu guat“ ins Leben gerufen, um der übermäßigen und unnötigen Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Unser Ziel ist es, die oö. Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass Lebensmittel, die nicht mehr zu 100 % frisch sind, noch lange nicht weggeworfen werden müssen.“, so OÖ. Landesabfallverband Vorsitzender Bgm. Roland Wohlmuth.

Zusätzlich zu dieser großen Menge an Lebensmitteln, die viel zu früh in der Tonne landeten, förderte die Sortieranalyse des Bioabfalls auch etliche Störstoffe zu Tage. Neben Kunststoffen und Metall, kam auch Glas und sonstiger Müll ans Licht, der nichts in der Biotonne zu suchen hat. Der Anteil der Störstoffe betrug insgesamt ca. 4,3%, wobei ca. die Hälfte davon auf Kunststoffe entfällt. Besonders diese Fehlwürfe stellen in der Verwertung ein großes Problem dar, weil sie meist nur durch händisches Aussortieren entfernt werden können, um eine qualitativ hochwertige Komposterde erzeugen zu können. Daher ist es wichtig Bioabfall zu trennen und darauf zu achten, was in die Biotonne darf und was nicht. Denn das Ziel muss eine nachhaltig bessere Qualität in der Biotonne sein.

Die Notwendigkeit eines Bioanalyse-Leitfadens

BOKU:  Bis 2035 müssen 65 % der Siedlungsabfälle entweder recycelt oder für die Wiederverwendung vorbereitet werden. Die getrennte Erfassung von biogenen Abfällen kann dazu maßgeblich beitragen. Einerseits soll der Anteil biogener Abfälle im Restabfall, der österreichweit ca. ein Drittel ausmacht, möglichst stark reduziert werden, andererseits sollen die Sammelmengen für die biologische Verwertung gesteigert werden.

Betreiber von Kompost- oder Biogasanlagen, als auch Kommunen und andere abfallwirtschaftliche Akteure haben Bedarf an einheitlichen Analysevorschriften. Bisher gab es zu wenige Anhaltspunkte wie und wieviel analysiert werden muss, wie z.B. Störstoffe von einzelnen Chargen oder Verbänden oder der Anteil von biologisch abbaubaren Kunststoffsäcken abzuschätzen ist.

Der Beitrag des Leitfadens für die kommunale Abfallwirtschaft

BOKU:  Der Leitfaden bedeutet einen Schritt in Richtung Vereinheitlichung, und bietet damit eine belastbare Datengrundlage, mit der man die Genauigkeit und die Anforderungen für Analysen aus Sicht von Kommunen und Kompost- und Biogasanlagenbetreibern vorab besser planen kann. Bisher gab es nur vereinzelte Analysen. Auf dieser Grundlage kann man künftig mehr Kenntnis über Aufkommen und Zusammensetzung von Bioabfall erlangen und auch unterschiedliche Fragen, wie z.B. den Anteil von biologisch abbaubaren Vorsammelhilfen, beantworten. Das kann in künftigen Analysen auf Ebene von Bundesländern oder Regionen eine große Rolle spielen.

Hintergrundinformationen

Wer sind die Umwelt Profis der kommunalen Abfallwirtschaft?

Die 15 Bezirksabfallverbände (BAV) sowie die Statutarstädte Linz, Wels und Steyr und das Landesabfallverwertungsunternehmen (OÖ LAVU GmbH) bilden gemeinsam mit dem OÖ. Landesabfallverband (LAV) als Dachverband die Umwelt Profis. Sie betreuen gemeinsam ein flächendeckendes Netz von 180 Altstoffsammelzentren (ASZ) und tausenden Containerstandplätzen und stehen für eine sichere und nachhaltige Entsorgung von Verpackungen, Altstoffen, Problemstoffen und Restabfällen. Die Umwelt Profis sind eine öffentlich-rechtliche Non-Profit Organisation, die in ihrem unternehmerischen Handeln Ökonomie und Ökologie bestmöglich vereint und ihre Dienstleistungen kostengünstig für die BürgerInnen erbringt. Näheres auf www.umweltprofis.at

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