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Pressekonferenz mit Landesrat Stefan Kaineder und Mag. Alexander Ohms (Klimaexperte ZAMG)

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Tennisballgroße Hagelkörner, Tornados an Österreichs Grenze, millionenschwere Überflutungsschäden – Sind unsere „Sommer wie damals“ endgültig Geschichte? Präsentation der Klima-Sommerbilanz 2021

Ein gefühlt sehr wechselhafter und vor allem in den letzten beiden Wochen kühler Sommer geht zu Ende. Nach meteorologischer Zeitrechnung beginnt der Sommer am 1. Juni und endet am 31. August. Während im Süden Europas neue Hitzerekorde vermeldet wurden und gewaltige und zerstörerische Waldbrände gewütet haben, wurde Mitteleuropa von heftigen Unwettern und gigantischen Überflutungen heimgesucht. In Österreich blieben neue Temperaturrekorde heuer aus, allerdings wurden an einigen Orten neue Niederschlagsrekorde gebrochen.

Der in Österreich eher durchwachsene Sommer mit doch auch sehr großen Niederschlägen und langen Tiefdruckeinflussphasen ist aber unter den 10 wärmsten Sommern der 255-jährigen Messgeschichte. „Der Blick auf die klimatischen Verhältnisse der letzten Monate zeigt die Klimakatastrophe in seinen vielen Facetten. Vielen wird jetzt bewusst, mit welcher Wucht uns die Auswirkungen der Klimakrise treffen. Von der Klimaforschung wissen wir, dass die Unwetterereignisse an Häufigkeit und Heftigkeit zunehmen werden und uns brutale Hitzewellen erwarten werden. Jetzt sollte für alle Entscheidungsträger/innen klar sein, was der Auftrag der nächsten Jahre ist“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Die vor wenigen Wochen vorgestellte Hitzestudie für Oberösterreich zeigt aber auch klar auf, dass es je nach Reduktion des CO2-Ausstoßes in den kommenden Jahren verschiedene Szenarien geben wird. Am Beispiel der Hitzetage in Linz ergibt sich eine Bandbreite von durchschnittlich rund 20 Hitzetagen pro Jahr bei Erreichen der Pariser Klimaziele oder in einem möglichen Extremszenario bis zu über 70 Hitzetage in Linz und dem Zentralraum Oberösterreichs. Außerdem sagen uns die Klimaforscher/innen, dass auch in Oberösterreich und Österreich die Temperaturrekorde in den kommenden Jahren purzeln werden.

Die Klimaforschung kommt zum Schluss, dass eineAnpassung an den Klimawandel nur gelingen kann, wenn durch die Einhaltung der Ziele des Pariser Übereinkommens eine extreme Heißzeit vermieden werden kann. „Entscheidend ist, dass bereits in diesem Jahrzehnt die Treibhausgasemissionen maßgeblich reduziert werden. Außerdem werden wir unsere Betonwüsten in den Städten zu Grünoasen machen müssen, um die fatalsten Folgen einer Überhitzung abzufedern“, so Klima-Klimalandesrat Stefan Kaineder.

Der Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Hans Joachim Schellnhuber, der auch Hauptreferent am heurigen oberösterreichischen Klimagipfel war, schätzt die Lage wie folgt ein, wenn keine Trendumkehr einsetzt: „Ich sage Ihnen, dass wir unsere Kinder in einen globalen Schulbus hineinschieben, der mit 98 Prozent Wahrscheinlichkeit verunglückt.“

„Dieser Sommer war eine eindrucksvolle Warnung an uns. Die Leute sagen mir, dass sie überrascht sind, wie schnell die Veränderung nun eingesetzt hat und mit welcher Wucht, die Klimakrise ihre Zähne jetzt auch in Oberösterreich zeigt. Es ist unsere historische Aufgabe, jetzt mutig und entschlossen alles zu unternehmen, um unseren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten zu übergeben. Die Natur und Gesellschaft sind mit rasch fortschreitenden klimatischen Änderungen konfrontiert, die wir bei allen Handlungen mitberücksichtigen müssen“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder weiter.

Der Sommer 2021 in Oberösterreich im klimatologischen Überblick – Mag. Alexander Ohms

„Auf einen deutlich zu kalten Frühling folgte ein sehr durchwachsener und eher kurzer Sommer. Auffälligkeiten ergaben sich weniger bei der Lufttemperatur  mit einer leicht positiven Abweichung als bei der Niederschlagsmenge. „Vor allem in der Nordhälfte des Landes fiel deutlich mehr Regen als üblich. Ungewöhnlich viele Schadenereignisse traten aufgrund der Unwetterhäufigkeit  und –heftigkeit ein“, fasst der Klimaexperte der ZAMG den Sommer 2021 zusammen.

Der klimatologische Sommer (Juni, Juli und August) dieses Jahres verlief in Oberösterreich etwas wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010 (siehe Abbildung  mit den Temperaturabweichungen des bisherigen Sommers). Die höchste Temperatur wurde am 6. Juli in Weyer mit 34,6 Grad gemessen. Gleichzeitig war es im Großteil des Landes zu nass, wobei vor allem in den in den letzten Jahren öfter von Trockenheit geplagten Regionen im Mühlviertel und im Zentralraum deutlich mehr Regen als in einem durchschnittlichen Sommer gefallen ist (siehe Abbildung mit den Abweichungen der Niederschlagssumme des bisherigen Sommers).

Die Jahreskurve der Tagesmitteltemperaturen für Linz-Stadt zeigt, dass nur der Juni eine echte Hitzewelle mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen brachte – die landesweite Abweichung betrug +2,6°. Im Juli entsprachen die Temperaturen ohne große Auffälligkeiten oder Extrema gemittelt über die Landesfläche genau dem langjährigen Mittel. Im August überwogen speziell in der zweiten Monatshälfte deutlich zu kalte Tage, was insgesamt einen um bis zu ein Grad zu kalten Monat im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt zur Folge hatte.

Die Kurve mit den für Linz-Stadt summierten Tagesniederschlagsmengen dieses Sommers zeigt eindrücklich, dass die Niederschlagsmengen nur in den ersten drei Wochen dieses Sommers – also vor allem während der erwähnten Hitzewelle – unterdurchschnittlich waren. In der Folge hat sich aufgrund der regelmäßigen und zum Teil kräftigen Niederschläge ein deutlicher Niederschlagsüberschuss angesammelt. In Linz sind bislang 367 mm (gegenüber dem Mittel von 288 mm in der Periode 1981-2010) gefallen.

Der heurige Sommer war aufgrund der zahlreichen Wetterwechsel mit markanten Kaltfrontdurchgängen durch eine hohe Zahl an Unwetterereignissen in Oberösterreich geprägt. An vier aufeinander folgenden Tagen von 21. bis 24. Juni entstanden durch Schadenshagel mit Korngrößen von bis zu 6 cm schwere Schäden vom Inn bis zur Enns und von den Alpen bis zur tschechischen Grenze. Die am stärksten betroffenen Gebiete waren die Bezirke Vöcklabruck, Gmunden und Rohrbach. Mitte Juli kam es in Teilen des südlichen Berglands durch anhaltenden Dauerregen (24-Stunden-Summe in Bad Ischl am 17.07.2021: 85,5 mm) zu einer Hochwassersituation, Ende Juli war das Innviertel von Schadenshagel betroffen.

Alle Grafiken: ZAMG

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