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Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Mag. Norbert Rainer (Geschäftsführer Klimabündnis OÖ), DIin Dr.in Uli Feichtinger (Vizebürgermeisterin Gmunden) und Ing. Markus Brandlmayr (Bürgermeister Bad Schallerbach)

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Paris, wir kommen – die ersten fünf oberösterreichischen Gemeinden starten mit einer kommunalen Klimastrategie

Die Prognosen der Wissenschaftler/innen, wie es um unseren Planeten bestellt ist, sind nicht sehr rosig. Der jahrzehntelange und noch immer steigende weltweite Anstieg der CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre macht langsam einen Backofen aus der Erde. Messungen belegen, dass bereits 40 Prozent mehr an Kohlendioxid in der Luft ist, als es in den letzten 800.000 Jahren jemals der Fall war. Im Moment läuft die Menschheit laut UN-Klimaagentur auf einen globalen Temperaturanstieg von über 2,7 Grad Celsius zu. „Dieses Szenario – wohlgemerkt das derzeit wahrscheinlichste – macht die Erde zu einem für unsere Kinder und Enkelkinder unbewohnbaren Planeten. Dies zu verhindern ist die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte“, warnt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Im Rahmen der Pariser Klimaziele haben sich 195 Staaten darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Viele Forscher/innen fordern aber, dass das Ziel maximal 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter sein dürfe. Der gestern präsentierte Bericht des Weltklimarates (IPCC) zeichnet einmal mehr ein katastrophales Bild. Um die Klimaziele zu erreichen, brauche es eine radikale und sofortige Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase, heißt es in dem Bericht. Die Expert/innen des Weltklimarates fordern konkret, dass der Ausstoß der Treibhausgase bis 2030 um 43 Prozent und der Methanausstoß um ein Drittel reduziert werden muss, um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können.

„Um dieses für unsere Zukunft so wichtige Ziel zu erreichen, braucht es Maßnahmen und Anstrengungen auf allen Ebenen. Der gestern erschienene Bericht des Weltklimarates zeigt einmal mehr, dass wir entschlossen handeln müssen, um eine nie da gewesene Klimakatastrophe zu verhindern. Mit dem Projekt „Paris, wir kommen“ werden erstmals in Oberösterreich kommunale Klimastrategien in den Städten und Gemeinden erarbeitet. Wir läuten damit auch eine Zeitenwende im Denken ein: die teilnehmenden Städte und Gemeinden budgetieren von nun an jährlich Finanzmittel für die Bekämpfung der Klimakrise und zur Klimawandelanpassung in ihrem Wirkungsbereich“, erklärt Kaineder.

Für die erste Phase des Projektes wurden von einer Expert/innen-Jury des Klimabündnis OÖ in Abstimmung mit dem Umweltressort des Landes Oberösterreich fünf Städte und Gemeinden ausgewählt: Attersee am Attersee, Bad Schallerbach, Gmunden, Puchenau und Ried im Innkreis.

Das Angebot zielt zunächst darauf ab, die beiden Querschnittsthemen Klimaschutz und Klimawandelanpassung in der kommunalen Politik und Verwaltung zu verankern und eine gute Abstimmung zu ermöglichen. Die Maßnahmen entlang der Themen Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Bodenschutz, Mobilität und Ernährung werden zusammen mit den jeweiligen Fach-Berater/innen vom Klimabündnis entwickelt.

Als Ergebnis sollen innerhalb eines Dreivierteljahres operative Fahr- und Umsetzungspläne entstehen, welche möglichst konkrete Maßnahmen mit Zeitschiene und Finanzierung bis 2030 festschreiben. Diese könnten zum Beispiel die flächendeckende Installation von PV-Anlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden, der Ausbau von Mikro-ÖV Systemen und Radwegen, die Förderung von Fassaden- oder Flachdachbegrünungen, zukunftsfähiges Energiemanagement, Belebung von Ortskernen oder die Umstellung sämtlicher Gemeindeveranstaltungen auf Green Events sein.

„Wir stehen am Beginn einer der größten wirtschaftlichen Transformationen seit der industriellen Revolution. Das bringt Chancen und Risiken mit sich: Viele mögliche Gewinner/innen stehen wenigen, aber im Moment noch sehr mächtigen Verlierer/innen gegenüber. Während in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Aufklärungsarbeit über die drohende Klimakatastrophe im Mittelpunkt stand, ändern sich aufgrund der spürbaren Auswirkungen nun die Kernaufgaben: Jetzt geht es darum, ins Tun zu kommen und durch zügige Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen vor Ort die hohe Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden zu halten und auszubauen. Es geht um die Erhöhung der Lebensqualität durch grünere Städte mit besserer Luft und weniger Lärm. Es geht um wieder belebte Ortskerne, die man zu Fuß und mit dem Rad erreichen kann. Es geht letztlich um unsere Heimat und um nichts weniger, als uns alle auf diesem Planeten,“ sagt Mag. Norbert Rainer, Geschäftsführer Klimabündnis Oberösterreich.

„Mit der Klimastrategie Gmunden 2030 entwickeln wir einen konkreten Fahrplan, um klimarelevante Emissionen zu reduzieren und Klimawandelanpassungen einzuleiten. Neben Politik, Stadtamt und externen Expert/innen binden wir aktiv die Bevölkerung ein: Im Klimarat erarbeiten 16 zufällig ausgewählte Bürger/innen, welche Klimaschutz-Aufgaben sich aus ihrem Alltag ableiten lassen. Dies und schriftlich eingebrachte Klima-Ideen aus der Bevölkerung fließen in die Entwicklung der Klimastrategie ein. Als Stadtgemeinde übernehmen wir damit Verantwortung für die Lebensqualität unserer Bürger/innen, für Umwelt und Natur, sowie für die Attraktivität als Wirtschaftsstandort und Tourismusdestination. Um diese grundlegende Daseinsvorsorge flächendeckend zu stemmen, brauchen Kommunen gesetzliche und finanzielle Rahmenbedingungen als Unterstützung von Bund und Land“, so die Gmundner Vizebürgermeisterin DIin Dr.in Uli Feichtinger.

„Klimaschutz beginnt in den Gemeinden. Eine vorausschauende Raumplanung, Investitionen in innovative Mobilitätsangebote und der Ausbau erneuerbarer Energieformen bilden die Basis für eine klimafitte Zukunft. Diese Eckpfeiler werden in vielen Gemeinden bereits mit Erfolg eingeschlagen. Einerseits ist die Einbeziehung der Bürger/-innen in Entscheidungsprozesse dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, da Partizipation immer zur Erhöhung der Akzeptanz auch vorerst unpopulärer Maßnahmen beiträgt. Andererseits braucht es konkrete Maßnahmen und Beschlüsse im Gemeinderat um entsprechend ins Handeln zu kommen. In Bad Schallerbach konnten in den letzten Jahren schon wichtige Schritte in unterschiedlichen Bereichen umgesetzt werden. So gibt es schon lange den Ortsbus Kurti und seit einem Jahr wird das Mobilitätsangebot mit dem e-Carsharing Auto “Emil“ von der Mobilcard ergänzt. Überparteiliche Arbeitskreise arbeiten an Klimaschutzmaßnahmen in den Bereichen Mobilität, Bewusstseinsbildung und Erneuerbaren Energieformen. So konnten schon viele kleine aber auch große Klimaschutzprojekte umgesetzt werden. Die Gründung einer Erneuerbaren Energiegemeinschaft für das gesamte Gemeindegebiet ist derzeit unser Hauptprojekt und wird in den nächsten Wochen auch umgesetzt. Durch das Projekt “Paris wir kommen“ wollen wir das breite Engagement aus der Bevölkerung professionell in den Gemeinderat tragen und konkret einen Leitfaden für die kommenden Jahre verankern“, berichtet der Bürgermeister von Bad Schallerbach, Ing. Markus Brandlmayr.

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