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Pressekonferenz mit Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Klima-Landesrat Stefan Kaineder

zum Thema

Ergebnisse Stadtklimaanalyse: Empfehlungen für eine klimabewusste Stadtentwicklung

Weitere GesprächspartnerInnen
Mag. Simon Tschannett, Weatherpark
MSc. Isabel Auer, Weatherpark
Mag. Johannes Horak, Stadtklimatologe 

Anfang 2020 startete Weatherpark im Auftrag des Umweltmanagements der Stadt Linz mit den Arbeiten zur Linzer Stadtklimaanalyse. Mit den nun vorliegenden Ergebnissen zur Stadtklimaanalyse soll der nächste Schritt am Weg zu einer umfassenden Strategie gegen die Hitze in der Stadt Linz zu gesetzt werden. Denn um die Lebensqualität – trotz der bereits spürbaren und unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels – hoch zu halten, ist auf gesamtstädtischer und strategischer Ebene Klimawandelanpassung notwendig. Dafür ist es wichtig, fundierte Grundlagen zu haben, um das Stadtklima gut zu kennen und es dadurch bei der Stadtentwicklung bestmöglich berücksichtigen zu können. Solch eine Grundlage liefert die nun vorliegende Stadtklimaanalyse nach VDI Richtlinie und die damit einhergehenden fachlichen Empfehlungen.

Anhand der Stadtklimaanalyse werden beispielsweise Frischluft- und Kaltluftbahnen verortet, um sie so gezielter schützen zu können. Außerdem zeigt die Analyse auf, welche Bereiche der Stadt besonders stark überwärmt sind und daher lokale Anpassungsmaßnahmen (Mix aus Maßnahmen wie etwa Begrünung, Entsiegelung, …) zu priorisieren sind.

Im Projektbericht zur Stadtklimaanalyse werden seitens der ExpertInnen von Weatherpark umfassende fachliche Empfehlungen zur Nutzung der Ergebniskarten, zum Handlungsfeld Messungen, zum Handlungsfeld Hochhäuser und für die künftige Klimastrategie gegeben. Während des Projektprozesses wurde eng mit dem Umweltressort des Landes OÖ zusammengearbeitet, das die Erstellung der Stadtklimaanalyse zu 25 Prozent mitfinanziert hat. 

„Die vorliegenden Ergebnisse der Stadtklimaanalyse zeigen uns, wie wichtig eine klimabewusste Stadtentwicklung ist und vor allem auch, wie diese auch gelingen kann. Dafür müssen wir einen umfassenden Transformationsprozess in Gang setzen und einen Paradigmenwechsel einläuten. Die Klimaanalysekarte und die Planungshinweiskarte sowie die dazugehörigen Empfehlungen müssen deshalb zu Grundlagen für die weitere Planung und Entwicklung von Linz werden. Die Karten zeigen deutlich, was wir schaffen müssen, um unsere Stadt weiterhin so lebenswert zu erhalten: Bestehende Grünräume konsequent schützen und Neue schaffen. In den Gebieten mit klimatischen Nachteilen müssen daher endlich auch mutige Maßnahmen gegen motorisierten Individualverkehr gesetzt werden. Wir brauchen Platz für Bäume und für die Attraktivierung des Fuß-und Radverkehrs. Nur so können wir die hohe Lebensqualität in unserer Stadt langfristig sichern“, so Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Klimalandesrat Stefan Kaineder: „Seit Jahrzehnten warnt uns die Wissenschaft, dass uns mit der Klimakrise die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte bevorsteht. Alle aktuellen Daten dazu bestätigen die Warnungen der Wissenschaft und zeigen, dass wir uns bereits jetzt auf große Veränderungen einstellen müssen. Treffen werden diese Veränderungen aber vor allem unsere Kinder. So prognostizieren KlimaforscherInnen derzeit bis zum Jahr 2100 eine Verzehnfachung der Hitzetage. Das hat vor allem enorme Auswirkungen auf das Leben in unseren Städten. Daher müssen wir uns schon jetzt Gedanken machen, wie wir unsere großen Ballungszentren klimafit machen. Die effizientesten und günstigsten Klimaanlagen für unsere Städte sind mächtige, über Jahrzehnte gewachsene Bäume. Damit wir in hundert Jahren unsere Städte damit kühlen können, müssen wir uns jetzt Gedanken machen, wo wir diese kühlenden Riesen brauchen werden. Die Stadtklimaanalyse liefert uns die Daten, in welchen Bereichen wir vordringlich tätig werden müssen, um die Erhitzung in Zaum zu halten. Wir brauchen jetzt in allen Bereichen mutige und entschlossene Entscheidungen in Richtung Klimaschutz, damit wir unseren Kindern und Enkelkindern einen funktionierenden Planeten übergeben können!“

Ziele der Stadtklimaanalyse (SKA)

Nach einer Richtlinie des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) sind die Ziele einer planungsbezogenen Stadtklimatologie u.a.:

  • Abbau von Hitzeinseln
  • Optimierung der städtischen Belüftung

Insbesondere bedingt dies eine

  • Stadtplanung mit Blick auf Lufthygiene und thermischen Komfort und
  • die Erhaltung und Förderung von Frischluft- oder Kaltluftentstehungsgebieten.

Die Klimaanalysekarte 

Die Klimaanalysekarte wurde anhand von Geo-Informationen und numerischen Stadtklimasimulationen erstellt. Dabei werden unter anderem das Geländemodell, Gebäude und die Landnutzung berücksichtigt. Es wurde eine flächendeckende Analyse der Klimafunktionen im Untersuchungsraum durchgeführt. Die Klimaanalysekarte weist Gebiete mit ähnlichen Klimacharakteristika (so genannte Klimatope) aus. Zusätzlich gibt sie eine räumliche Verteilung von maßgeblichen Mechanismen (Klimafunktionen) des Linzer Stadtklimas auf einer Karte wieder, wie etwa Kaltluftentstehungsgebiete und Gebiete mit starker Überwärmung.

Die Planungshinweiskarte (PHK)

Basierend auf der Klimaanalysekarte erfolgte die Ausarbeitung der Planungshinweiskarte (PHK). Hier werden die teilweise komplexen stadtklimatischen Funktionen bewertet. Somit kann die klimatische Sensibilität unterschiedlicher Areale bestimmt und deren Wertigkeit räumlich zugeordnet werden. Die daraus resultierenden Empfehlungen und Hinweise zielen darauf ab,

  • die klimatischen Verhältnisse im Bestand zu verbessern
  • die zukünftigen urbanen Entwicklungen zu koordinieren;
  • die Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels möglichst abzumildern.

Die bewertenden Stufen der PHK beinhalten Hinweise bezüglich der klimatischen Empfindlichkeit von Flächen gegenüber nutzungsändernden Eingriffen oder Bebauungsänderungen. Folgende sechs Planungshinweiskategorien (zwei Kategorien für Grün- und Freiflächen, vier Kategorien für Siedlungsflächen) nach VDI Richtlinie gibt es in der Stadtklimaanalyse Linz:

  • Ausgleichsraum mit hoher Bedeutung
  • Ausgleichsraum mit mittlerer Bedeutung
  • Bebautes Gebiet mit geringer Belastung und geringer klimarelevanter Funktion
  • Bebautes Gebiet mit klimarelevanter Funktion
  • Bebautes Gebiet mit bedeutender klimarelevanter Funktion
  • Bebautes Gebiet mit klimatischen Nachteilen

Die PHK kann sowohl in der Flächenwidmung, als auch in der Entwurfs- und Einreichplanung eingesetzt werden.

Empfehlungen zur Planungshinweiskarte

Seitens Weatherpark wurden im Projektbericht eine Reihe von Empfehlungen zur Arbeit mit der Stadtklimaanalyse und speziell für die Nutzung der Planungshinweiskarte gemacht. Für die jede der sechs Planungshinweiskategorien wurden dabei Handlungsempfehlungen abgegeben. Diese beziehen sich zum Beispiel darauf, welche Detailstudien erforderlich sind, worauf speziell geachtet werden muss oder welche (Ausgleichs-)maßnahmen gesetzt werden sollten.

Handlungsfeld Messungen

Folgende Empfehlungen für das Handlungsfeld Messungen wurden anhand der Zusammenschau der vorhandenen Messdaten in der Stadt Linz abgeleitet.

Da die Stadt Linz derzeit über kein eigenes meteorologisches Messnetz verfügt, sollte die Realisierung eines solchen in Zukunft als Ziel gesetzt werden. Dabei können stadtklimatologisch interessante Orte und Phänomene durch langjährige, konsistente Messungen abgedeckt werden, welche derzeit noch nicht durch das Messnetz anderer Betreiber erhoben werden. Insbesondere in der Innenstadt wären engmaschigere Messungen (insbesondere von Wind und Lufttemperatur) hilfreich. Dabei wäre die Integration der Messung der PET (Gefühlte Temperatur) oder Infrarot – Messungen (Wärmebildmessungen) zukunftsweisend.

Handlungsfeld Hochhäuser

Bereits in der Grundlagenstudie 2019 wurde empfohlen, die sogenannte 10-Punkte-Checkliste für Hochhäuser zu überarbeiten, damit neben der Durchlüftung und der Windwirkung (Punkt sieben der Checkliste) auch Fragen zum städtischen Mikroklima, sowie zur städtischen Überhitzung (Hitzeinsel, Hitze untertags, Sommerkomfort, Kaltluftabfluss) zu einem möglichst frühen Projektzeitpunkt mitberücksichtigt werden.

Daher wurden im Rahmen der Stadtklimaanalyse seitens Weatherpark auch stadtklimatologische Empfehlungen zum Handlungsfeld Hochhäuser erarbeitet.

Weatherpark empfiehlt eine Überarbeitung der magistratsinternen Abläufe dahingehend, dass noch vor einer Ausschreibung bzw. dem Planungsbeginn eines Hochhauses (Firsthöhe größer oder gleich 22 m) überprüft werden muss, ob der Standort des Planungsvorhabens laut Stadtklimaanalyse grundsätzlich für ein Hochhausprojekt geeignet ist.

Auch wenn ein Areal aus stadtklimatologischer Sicht grundsätzlich für ein Hochhausprojekt geeignet ist, müssen die Auswirkungen auf das Stadtklima im weiteren Prozess noch stärker berücksichtigt werden. Es wird daher insbesondere empfohlen, den Punkt „7. Windwirkung“ in der Hochhaus-Checkliste zu „7. Stadtklima“ umzubenennen und neu zu formulieren.

Handlungsfeld Strategie

Die Erarbeitung eines Klimawandelanpassungskonzeptes hat höchste Priorität. Seitens Weatherpark wird betont, dass es wichtig ist, dass das Konzept nicht nur ein reiner Katalog von lokalen Anpassungsmaßnahmen (Fassadenbegrünung, Baumpflanzungen, etc.) sein soll. Vielmehr sollte in diesem Konzept – basierend auf den neuen Grundlagen (Planungshinweiskarte, Empfehlungen) – auch konkrete (strategische) Handlungsschritte festgelegt werden.

Ziel des Projekts Stadtklimaanalyse und insbesondere der abgeleiteten Empfehlungen von Weatherpark war es auch, dass der Transformationsprozess in der Stadt weiter vorangetrieben wird, um die klimasensible Stadtentwicklung und –verwaltung zu fördern. Dafür ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend. Es darf nicht sequentiell gearbeitet werden. Das ist nicht nur bei der Ausarbeitung von neuen Prozessabläufen wichtig, sondern auch bei der konkreten Entwicklung von lokalen Anpassungsmaßnahmen. Um den optimalen Anpassungsmix für den jeweiligen Standort zu finden und zu ermöglichen, braucht es eine intensive Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen (Mobilitätsdesign, Architektur, Landschafts-architektur, Stadtplanung, Stadtklimatologie, …).

Der Transformationsprozess sollte auch einen Paradigmenwechsel herbeiführen. Es gilt, bei allen Projekten bzw. Planungen Klimawandelanpassung und Klimaschutz einen hohen Stellenwert zu geben und nicht nur die bisher durchzuführenden Studien und Aspekte (bspw. Verkehrssicherheit) zu bedenken. Es muss sich die Gedankenwelt/die Maximen umdrehen bzw. wandeln: Es gilt, bei jedem Projekt zu überlegen: „Was/wie kann dieses Projekt möglichst viel zur Anpassung und zum Klimaschutz beitragen?“

Hintergrund

Anfang 2019 hat das Umweltmanagement der Stadt Linz die ExpertInnen von Weatherpark – Meteorologische Forschung und Dienstleistungen – beauftragt, die bestehenden Stadtklimainformationen zu Linz zu erheben und zu bewerten. Ziel dieser Studie war es, den Status der verfügbaren Stadtklima-Informationen zu erfassen und darauf aufbauend auf Linz abgestimmte Maßnahmen abzuleiten. Die vier wesentlichsten Maßnahmenempfehlungen waren: 

  • Erstellen einer umfassenden Stadtklimaanalyse inklusive Planungshinweiskarte 
  • Erarbeitung eines Klimawandelanpassungskonzeptes
  • Durchführung von Detailstudien einzelner Bau- und Infrastrukturprojekte (inklusive Auflagen für die BauwerberInnen)
  • Anstellung einer Stadtklimatologin / eines Stadtklimatologen bei

Der Gemeinderat hat sich in der Folge im September 2019 dazu bekannt, die Empfehlungen dieser Grundlagenstudie umzusetzen. Seit Mitte 2020 arbeitet daher mit Mag. Johannes Horak erstmals ein Stadtklimatologe für die Stadt Linz. Die Erarbeitung eines Klimawandelanpassungskonzepts wurde bereits begonnen und die Ergebnisse der beauftragten Stadtklimaanalyse liegen nun vor.

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