Bei Temelín braucht es jetzt volle Transparenz statt politischer Ankündigungen
Presseaussendung
Bei Temelín braucht es jetzt volle Transparenz statt politischer Ankündigungen
Nach der Ankündigung einer Laufzeit von 80 Jahren muss ČEZ offenlegen, welche Umbauten tatsächlich geplant sind
Die Ankündigung, das Atomkraftwerk Temelín künftig bis zu 80 Jahre zu betreiben, wirft viele Fragen auf – auch für Oberösterreich. Für Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder ist klar: Bevor über eine derart weitreichende Laufzeitverlängerung gesprochen wird, müssen alle Fakten offen auf dem Tisch liegen.
Der Betreiber ČEZ hat bereits angekündigt, dass in Temelín umfangreiche Modernisierungen geplant sind. Genannt werden unter anderem neue Turbogeneratoren, eine Modernisierung der Leittechnik, neue Kühlwasserleitungen und eine zusätzliche Wartungshalle. Diese Eingriffe könnten aus Sicht von Stefan Kaineder so weitreichend sein, dass dafür ein neues Umweltverträglichkeitsverfahren nötig ist.
Umwelt- und Klimalandesrat Kaineder: „Temelín war ursprünglich für 30 Jahre ausgelegt. Wenn ein Atomkraftwerk nun auf 80 Jahre Betrieb getrimmt werden soll, muss offen auf dem Tisch liegen, welche technischen Umbauten dafür nötig sind. Das ist die Grundlage dafür, Sicherheit seriös bewerten zu können“.
Oberösterreich hat ein berechtigtes Interesse
Temelín liegt nur wenige Dutzend Kilometer von Oberösterreich entfernt. Neben der geplanten Laufzeitverlängerung der bestehenden Reaktoren stehen in Temelín weitere Vorhaben im Raum – darunter der Bau eines Small Modular Reactor (SMR). Gleichzeitig wird ein Standort südliches des AKW Temelín als potenzielles Endlager für hochradioaktive Abfälle untersucht. Jedes dieser Projekte hat Auswirkungen auf Umwelt, Sicherheit und die Menschen in der Grenzregion. Zusammengenommen verändern sie die Bedeutung des Standorts Temelín grundlegend.
„Die Menschen in Oberösterreich haben ein Recht darauf zu wissen, was direkt vor unserer Haustür geplant ist. Ich werde mich dafür einsetzen, dass alle technischen Unterlagen und Informationen auf den Tisch kommen. Deshalb muss der Bundesminister die österreichisch-tschechische Nuklearkoordination nutzen, um diese Unterlagen einzufordern. Nur mit vollständiger Transparenz können wir seriös beurteilen, ob ein grenzüberschreitendes Umweltverträglichkeitsverfahren notwendig ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben“, so Kaineder.