Alkoven auf dem Weg Richtung Klimaneutralität
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Bürgermeisterin Mag.a Monika Weberberger-Rainer, Ausschussobmann für Nachhaltigkeit Mag. Reinhold Huber und Reinhard Brix (Klimabündnis OÖ)
Alkoven auf dem Weg Richtung Klimaneutralität – Paris, wir kommen: kommunale Klimastrategie im Gemeinderat beschlossen
Im Rahmen der Pariser Klimaziele haben sich im Jahr 2015 195 Staaten darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Während viele Staaten und fossile Lobbys ambitionierte Klimaschutzpläne verhindern, müssen die europäischen Staaten beweisen, dass sie unseren Kindern und Enkelkindern einen bewohnbaren Planeten übergeben wollen. Die Klima-Forschung ist sich einig: um die Klimaziele zu erreichen, braucht es eine radikale und sofortige Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase.
Für die Rettung des Planeten braucht es Maßnahmen und Anstrengungen auf allen Ebenen. Mit dem im Frühjahr 2022 gestarteten Projekt „Paris, wir kommen“ unterstützt das Klimabündnis OÖ gemeinsam mit dem Umwelt- und Klimaschutzressort des Landes Oberösterreich Städte und Gemeinden auf ihrem Weg Richtung Klimaneutralität.
„Mit dem Projekt ´Paris, wir kommen´ werden in Oberösterreich kommunale Klimastrategien in den Städten und Gemeinden erarbeitet. Wir läuten damit auch eine Zeitenwende im Denken ein. Die teilnehmenden Städte und Gemeinden budgetieren jährlich Finanzmittel für die Bekämpfung der Klimakrise und zur Klimawandelanpassung in ihrem Wirkungsbereich. Es freut mich sehr, dass Alkoven als gutes Beispiel vorangeht und zeigt, dass sich Klimaschutz auf kommunaler Ebene auszahlt. Mein Dank gilt allen Beteiligten in Alkoven sowie dem Klimabündnis OÖ für die hervorragende Begleitung dieses Projektes“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Kaineder.
Alkoven macht Klimaschutz konkret
Am 25. März 2026 beschloss der Gemeinderat die „Klimastrategie Alkoven 2030“ – ein konkretes Arbeitsprogramm mit 15 Leitmaßnahmen in sechs Themenbereichen. Vom Themenweg „Mensch-Wald-Klima“, einer PV-Offensive „Gemeindegebäude erhalten PV-Anlagen“, LED-Umstellungen bei Straßenbeleuchtung und geplante Umstellung bei Schulgebäude, Repaircafé im ASZ, einem geplanten E-Care-Sharing, Forcierung von E-Tankstellen, geplante sichere Radwege bis hin zu Energiegemeinschaften und einem umfassenden Grünraumkonzept. Alkoven zeigt, dass Klimaschutz auf Gemeindeebene nicht auf dem Papier bleibt. Oberösterreichs Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder unterstützt den Kurs der Gemeinde – und sieht Alkoven als Vorbild für andere Gemeinden.
Klimaschutz braucht starke Gemeinden
„Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr – er ist in Alkoven, wie überall in Oberösterreich, spürbar: heißere Sommer, häufigere Starkregenereignisse, Hitze-Hotspots mitten im Ort. Wer die Klimakrise ernst nimmt, muss auf allen Ebenen handeln – Bund, Land und Gemeinden“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
Die Erreichung der Pariser Klimaziele sind ohne aktive Gemeinden nicht erreichbar. Denn Gemeinden entscheiden, wie Straßen gebaut werden, wo Bäume stehen, wie die öffentliche Hand einkauft und wie die Energie der Zukunft erzeugt wird. Alkoven hat das verstanden – und handelt jetzt.
Das Land Oberösterreich fördert diesen Weg aktiv: Die Klimastrategie wurde im Rahmen des Landes-Programms „Paris wir kommen“ entwickelt und vom Klimabündnis Oberösterreich begleitet.
Wie die Strategie entstand: Bürger:innen gestalten mit
Von Jänner bis Juni 2025 arbeiteten Gemeinderät:innen, Verwaltungsmitarbeiter:innen und engagierte Bürger:innen gemeinsam an der Strategie. Der Prozess war konsequent von unten gedacht:
- Fünf Workshops in vier Themenbereichen (Beschaffung, Mobilität, Energie, Bodenschutz)
- Impulsvortrag von Klimaforscherin Prof.in Dr.in Helga Kromp-Kolb
- Fragebogenerhebung: 24 Bürger:innen reichten Klima-Ideen für Alkoven ein
- Abschließendes Maßnahmencafé mit 21 Teilnehmenden, bei dem konkrete Projekte ausgearbeitet wurden
„Das Ergebnis ist kein theoretisches Konzept, das in einer Schublade verschwindet: Es ist ein handfester Umsetzungsplan mit klaren Zuständigkeiten und einem Zeitrahmen – verankert in der mittelfristigen Finanzplanung der Gemeinde und per Gemeinderatsbeschluss verbindlich. Alkoven bekennt sich ausdrücklich dazu, die Maßnahmen bis 2030 umzusetzen – über die nächste Wahlperiode hinaus“, so die Alkovener Bürgermeisterin Mag.a Monika Weberberger-Rainer, MBA.
„Wir schauen genau hin, wo in Alkoven Hitze entsteht, wo Flächen entsiegelt werden können und wo Bäume fehlen. Das Grünraumkonzept gibt uns endlich die Grundlage, die wir brauchen, um systematisch vorzugehen. Und das Repaircafé liegt mir persönlich am Herzen: Reparieren ist keine Nostalgie – es ist die konsequenteste Form von Klimaschutz, die wir als Gemeinde fördern können“, ergänzt Mag. Reinhold Huber, Obmann des Ausschusses für Nachhaltigkeit.
„Alkoven hat diesen Prozess von Anfang an ernsthaft und partizipativ angegangen: breite Beteiligung, fundierte Daten, ambitionierte, aber umsetzbare Ziele. Was mich besonders beeindruckt hat: Hier haben wirklich alle mitgemacht – Politik, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger. Das Klimabündnis Oberösterreich hat diesen Weg gerne begleitet, und ich bin überzeugt: Was hier entstanden ist, wird auch gelebt. Alkoven zeigt, was möglich ist, wenn eine Gemeinde wirklich will“, betont Reinhard Brix vom Klimabündnis Oberösterreich.
Klimabilanz Alkoven: Stärken kennen, Potenziale nutzen
Vor dem Handeln steht das Wissen. Die Klimabilanz von Alkoven zeigt: Mit 6,65 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Kopf liegt die Gemeinde unter dem österreichischen Schnitt von 8,10 Tonnen. Eine gute Ausgangslage – aber kein Grund zum Ausruhen.
Die Analyse zeigt klare Handlungsfelder: Der Verkehr verursacht mit 38 Prozent den größten Teil der Treibhausgasemissionen – vor allem der PKW-Verkehr (10.355 t CO₂e). Private Haushalte folgen mit 30 Prozent, Industrie mit 18 Prozent. Die Landwirtschaft trägt 10 Prozent bei. Die kommunalen Einrichtungen selbst sind mit unter einem Prozent kaum messbar – was zeigt, dass die Gemeinde bei sich selbst schon richtig liegt. Der Energiebedarf der Haushalte liegt bei über 70.000 MWh, wovon knapp ein Viertel noch auf Erdgas entfällt – ein klares Potenzial für den Umstieg auf erneuerbare Wärme.
15 Leitmaßnahmen in sechs Handlungsfeldern
1. Beschaffung: Der öffentliche Einkauf als Klimahebel
Die öffentliche Hand gibt jeden Euro zweimal aus – einmal als Zahlung, einmal als Signal. Wenn Gemeinden ökologisch und regional einkaufen, setzen sie den Markt in Bewegung. Alkoven legt deshalb künftig bei Büroartikeln, Lebensmitteln und Baustoffen ökologische Beschaffungskriterien (naBe) fest, bevorzugt regionale Lieferanten und strebt ein papierloses Büro an. Ergänzend: eine „App des Quartals“, die klimafreundliche Apps wie TooGoodToGo in der Gemeinde bekannter macht.
2. Lebensstil und Bewusstsein: Klimaschutz als Gemeinschaftsprojekt
Klimaschutz gelingt nur mit den Menschen vor Ort. Deshalb setzt Alkoven auf drei konkrete Leitmaßnahmen:
- Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung: Kooperationen mit Landwirt:innen, öffentlich zugängliche Obstbäume im Gemeindegebiet markieren, Kurse zum Fermentieren und Einkochen anbieten und Apps wie TooGoodToGo aktiv bewerben.
- Regionale Lebensmittel wertschätzen: Zweimal jährlich ein Markt mit lokalen Produzent:innen, abwechselnd in Straßham und Alkoven – dazu ein Klima-Picknick und ein Einkaufswandertag mit Stationen bei Direktvermarkter:innen in der Region.
- Repaircafé im ASZ: Motivierte Handwerker:innen geben kaputten Geräten, Textilien und Möbeln eine zweite Chance. Reparieren statt Wegwerfen – als soziales Erlebnis, das Menschen zusammenbringt.
3. Klimafreundliche Mobilität: Sicher, attraktiv, alltagstauglich
Wer zu Fuß geht oder radelt, schützt Klima und Gesundheit. Alkoven investiert gezielt in sichere und attraktive Wege – und in neue Angebote, die das Auto öfter stehen lassen:
- Ausbau öffentlich zugänglicher E-Ladeinfrastruktur an zentralen Standorten: Schulen, Bahnhof, Sportplatz, Gemeindeamt – mit moderner Schnellladetechnik und offenem System.
- Neue Mobilitätskonzepte: Ein Mikro-ÖV-Angebot (bedarfsorientierter Rufbus) soll aufgebaut, E-Carsharing gemeinsam mit Wohnbauträgern ausgebaut und E-Bikes sowie E-Tankstellen initiiert werden.
4. Energie und Gebäude: Regional erzeugen, lokal teilen
Gebäude bieten enormes Potenzial – bei Heizung, Kühlung und Stromverbrauch. Alkoven handelt in zwei Richtungen gleichzeitig:
- Mehrere Erneuerbare Energiegemeinschaften (EEG) sollen gegründet werden, damit Bürger:innen und Betriebe gemeinsam Strom erzeugen, teilen und dabei unabhängiger werden. Das neue Ärztezentrum in Holzbauweise zeigt: Klimafreundliches Bauen ist in Alkoven schon heute Realität.
5. Bodenschutz und Klimawandelanpassung: Klar und mutig
Boden ist eine begrenzte, lebenswichtige Ressource. Österreich versiegelt noch immer täglich wertvolle Flächen – Böden, die wir für Nahrung, Wasser und Klimaschutz dringend brauchen. Flächenfraß ist kein Naturgesetz. Alkoven setzt dem etwas entgegen – klar und konkret:
- Grünraumkonzept: Eine ganzheitliche Analyse aller Gemeindeflächen – mit Fokus auf Hitze-Hotspots, Überflutungsrisiken und Biodiversität. Wo wird Schatten gebraucht? Wo können Bäume, Sträucher und Blühflächen entstehen? Wo muss entsiegelt werden?
- Blau-grüne Projekte im öffentlichen Raum: Der neue Ortsplatz in Straßham bekommt Trinkbrunnen, Baumpflanzungen, eine begrünte Pergola und Versickerungsflächen.
- Begrünung und Beschattung von Gebäuden: Fassadenbegrünung an der Mittelschule, Außenbeschattung am Kindergarten Straßham – und generell: Klimaanlagen durch kluge Planung vermeiden statt nachträglich einbauen.
- Entsiegelung und Bodenverbrauch begrenzen: Alkoven erarbeitet eine fixe Obergrenze beim jährlichen Bodenverbrauch, analysiert Potenziale für Entsiegelung und schreibt bei Neubauprojekten Teilversiegelung von Parkflächen sowie Begrenzung der Versiegelung im Bebauungsplan vor. Verdichtung nach innen statt Zersiedelung nach außen.
6. Governance: Klimaschutz als Daueraufgabe
Eine Klimastrategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Deshalb verankert Alkoven den Klimaschutz fest in seinen politischen Strukturen:
- Jährliches Reporting: Die zuständigen Ausschussobleute berichten mindestens einmal jährlich dem Gemeinderat über den Stand der Umsetzung.
- Schulungen für Gemeindebedienstete: Einmal jährlich Weiterbildung zu Förderungen, nachhaltiger Beschaffung, klimafitter Bauweise und robusten Pflanzenarten.
- Klimatauglichkeitsprüfung: Alle neuen Projekte der Gemeinde – insbesondere Bauvorhaben – werden künftig auf ihre Klimawirkung geprüft.