Aktueller Bericht aus der „Taskforce Trockenheit“

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Leiterin der Direktion Umwelt- und Wasserwirtschaft am Land OÖ Dipl. Ing.in Daniela König, Leiter der Gruppe Trink- und Abwasser am Land OÖ Dipl. Ing. Christian Kneidinger und Leiter der Gruppe Gewässergüteaufsicht und Hydrographie Dipl. Ing. Peter Kickinger

Aktueller Bericht aus der „Taskforce Trockenheit“ – ausbleibende Niederschläge und sinkendes Grundwasser – Oberösterreichs Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung

Die anhaltende Trockenheit setzt Oberösterreichs Wasserhaushalt massiv unter Druck. Quellen schütten weniger, Grundwasserstände sinken und vor allem bei Hausbrunnen und kleinen Wasserversorgern zeigen sich immer öfter Probleme. Trotzdem gilt: Oberösterreich hat keinen flächendeckenden Trinkwassermangel. Die öffentliche Wasserversorgung hält großteils, auch deshalb, weil Gemeinden, Wasserversorger und Land in den vergangenen Jahren konsequent vorgesorgt haben.

„Dieser Sommer zeigt uns sehr deutlich: Auch im wasserreichen Oberösterreich kommt sauberes Trinkwasser nicht immer einfach unbegrenzt aus der Leitung. Gleichzeitig sehen wir aber auch, wie wichtig die Arbeit der vergangenen Jahre war. Wo es mehrere Brunnen, zusätzliche Quellen, große Speicher oder eine Verbindung zum Nachbarversorger gibt, kommt man wesentlich besser durch eine lange Trockenphase. Unsere Aufgabe ist aber ganz klar, in immer heißer und trockener werdenden Zeiten weiter konsequent auszubauen“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Die Expert:innen des Landes beobachten die Lage laufend in einer eigenen Taskforce. Nach dem bundesweiten Trinkwassersicherungsplan befindet sich Oberösterreich derzeit in der Stufe „Achtsamkeit“. Dass Aufmerksamkeit notwendig ist, zeigen die vergangenen Wochen. Oberösterreichs Grundwassermessstellen befinden sich auf sehr niedrigem bzw. niedrigem Niveau. Gleichzeitig meldeten einzelne Versorger stark rückläufige Quellen und Brunnen.

„Eine trockene Quelle kann man nicht einfach wieder aufdrehen. Deshalb ist jetzt wichtig, dass wir dort handeln, wo Probleme entstehen und nicht warten, bis aus einem Engpass eine echte Notsituation wird. Genau dafür haben wir unsere Fachleute zusammengezogen. Sie schauen auf die Lage in den Regionen und unterstützen Gemeinden und Wasserversorger dabei, rasch Lösungen zu finden“, so Kaineder.

Oberösterreich hat aus früheren Trockenjahren wie 2003, 2015 und 2018 gelernt. Heute setzen viele Gemeinden auf mehrere Wasserquellen, größere Hochbehälter, dichte Leitungen und Verbindungen zu benachbarten Versorgern. Jährlich werden rund 40 Millionen Euro in die oberösterreichische Trinkwasser-Infrastruktur investiert. 2023 wurde mit einer Sondertranche besonders stark investiert: Das Investitionsvolumen lag bei rund 83 Millionen Euro.

Trockenheit in Oberösterreich – Bericht der Taskforce

Die wenigen Niederschläge der vergangenen Monate und die hohen Temperaturen der letzten Wochen bringen den Wasserhaushalt stark unter Druck. Dies wirkt sich auf die Gewässer selbst, aber auch auf Wasserbenutzungen wie die Trinkwasserversorgung, aus. In der Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft wurde deshalb eine Experten-Taskforce eingerichtet, die regelmäßig die aktuelle Situation betrachtet, Problembereiche identifiziert und falls möglich und notwendig, gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen Maßnahmen abstimmt und veranlasst.

Aktuelle hydrologische Lage

Niederschläge: Bis Ende Juli sind nur 32% des durchschnittlichen langjährigen Niederschlags in Oberösterreich gefallen (statt 129 mm nur 41 mm). Der Jahresniederschlag liegt derzeit bei 62% (statt 624 mm nur 384 mm). 

Die Abweichung der Niederschläge von der Normalzahl, beginnend vom September 2024 wird in der Tabelle dargestellt und zeigt nur 5 Monate deren Niederschlagsmenge über dem Mittel lag. Drei Monate lagen deutlich darüber und trugen zur Grundwasserneubildung effektiv bei.

Abbildung 1: Quelle Hydrographischer Dienst OÖ

Aktuell sind nur 14% des durchschnittlichen Augustniederschlags gefallen. 120 l/m² wären üblich – derzeit liegen wir bei 17l/m².

Lufttemperatur: Es war auch im Juli mit +2,0°C über dem Schnitt deutlich zu warm. Lediglich der Jänner lag mit -1,5°C unter dem Monatsmittel. Der Februar mit 2,4°C und der Juni mit 2,9°C über dem Mittel stechen hier besonders hervor. Im Halbjahresschnitt ist die Lufttemperatur 2026 um 1,3°C wärmer als der langjährige Schnitt.

Grundwasser: Grundwasser: ca. 40% sehr niedrige Grundwasserstände, ca. 55% niedrige Grundwasserstände, sehr wenige noch im Mittelwasser (Mühlviertel, Region Freistadt);

Unterschreitung des niedrigsten je gemessenen Grundwasserstandes: Region südliches Innviertel (Munderfing, Lengau, Braunau, Wappeltsham, Obereck); Region nördliches Innviertel (Münzkirchen, Wallensham); Region nördliches Traunviertel (Mitterberg, Bachloh); Region Hausruckviertel (Frankenmarkt)

Oberflächengewässer: Ca. 70% der Gewässer liegen unter Niederwasser, 30% führen ebenfalls niedrige Wasserführungen. Lediglich der Traunsee und der Hallstättersee zeigen annähernd eine Mittelwasserführung. 

Prognosen:  Tendenziell und über ganz Oberösterreich betrachtet bleibt es trocken und es werden weiterhin leicht fallende Grundwasserstände erwartet.

Öffentliche Wasserversorgung in OÖ

Die Trinkwasserversorgung erfolgt durch den jeweiligen lokalen Wasserversorger. Die aktuellen Meldungen zur Trinkwasserknappheit hängen deshalb stark von der Anlagenstruktur und den Grundwasserkapazitäten des Wasserversorgers ab, die meisten haben zB große und mehrere Hochbehälter, um den erhöhten Spitzenbedarf beim Trink- und Nutzwasser – auch in längeren und heißen Trockenphasen – besser abdecken zu können. Viele Wasserversorger betreiben dazu auch mehrere Wassergewinnungen (Brunnen und Quellen) und sind deshalb für längere Trockenphasen gut gerüstet.

In den letzten 2 Jahrzehnten fanden bereits mehrere länger andauernde Trockenphasen statt (2003, 2015, 2018) die immer wieder manche Trinkwasserversorger an ihre Grenzen gebracht haben. Gemeinsam mit den Wasserversorgern wurde auf Grundlage der oö. Landesstrategie „Zukunft Trinkwasser“ daran gearbeitet, die Trinkwasserversorgung darauf auszurichten, um für solche Phasen möglichst gut gerüstet zu sein:

  • Langfristige Sicherung von besonders bedeutenden Grundwasservorkommen für die Trinkwasserversorgung durch Ausweisung von Grundwasservorrangflächen
  • rechtliche Verankerung durch Festsetzen von Grundwasser-Schongebieten und wasserwirtschaftlichen Regionalprogrammen
  • Erstellung von Trinkwasserversorgungskonzepten auf Gemeindeebene
  • Erstellung von regionalen Trinkwasserpotentialstudien
  • Förderung von Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und Investitionen zur Steigerung der Resilienz von Wasserversorgungsanlagen; für besonders berücksichtigungs­würdige Fälle stehen auch Sonderfördertöpfe zur Verfügung.

Hier fließen Gelder für die Verbesserungen in der Wasserversorgung durch Bund und Land. Jedes Jahr werden mehr als 40 Mio. Euro an Investitionen in die OÖ Trinkwasserversorgung getätigt. Damit werden die Erschließung von weiteren Brunnen, die Dichtheit des Leitungsnetzes und Instandhaltung von der Wasserversorgungsinfrastruktur sowie die Vernetzung mit anderen Wasserversorgern oder auch die Errichtung von Notwasserversorgungen ermöglicht.

Investitionen in die Wasserinfrastruktur in OÖ:

 202120222023*20242025
Trinkwasser – Förderfälle Inv.volumen107 42,9 Mio109 40,8 Mio  251 83,4 Mio  110 37,1 Mio.  126 44,6 Mio.

2023 wurde mit einer Sondertranche bereits verstärkt und Bundes und Landesgeld zur Verfügung gestellt, um die Trinkwasserversorgung für Trockenheit resilienter aufzustellen.

Private Wasserversorgung / Einzelwasserversorgung

Die seit vielen Jahren in ganz Oö. dokumentierten Nutzwassertransporte durch die freiwilligen Feuerwehren vorrangig zu einzelwasserversorgten Objekten oder kleinen Wassergemeinschaften zeigen deutlich, dass dies die verwundbarste und letztlich auf längere und heiße Trockenphasen am geringsten vorbereitete Art der Wasserversorgung darstellt:

Diese Nutzwassertransporte zu einzelwasserversorgten Objekten oder kleinen Wassergemeinschaften bestätigen sich auch in den von der Taskforce Trockenheit dokumentierten Meldungen zu aktuellem Wassermangelsituationen (Rückgänge bei Quellschüttungen oder sinkende Grundwasserstände) bei der Trinkwasserversorgung in OÖ. So betreffen diese Meldungen wiederum vorrangig Einzelwasserversorgungen und kleine Wasserversorger. Vereinzelt sind aber auch kommunale Wasserversorger betroffen.

Insgesamt kann die oö. Wasserversorgung die derzeitige ausgeprägte Trockenphase aber gut bewältigen und es besteht kein flächendeckender Wassermangel in der Trinkwasserversorgung.

Qualität des Trinkwasser ist wichtig – keine Vermischung von Regenwasser oder Hausbrunnenwasser mit Trinkwasser aus der öffentlichen Leitung

Wichtig sind auch die Qualität und Hygiene des Trinkwassers. Es darf keinesfalls zu einer Vermischung von Regenwasser und Trinkwasser im Leitungsnetz kommen, weshalb auch die Nutzung von zB Regenwasser aus Zisternen ausschließlich in gesonderten Leitungen zulässig ist. Gleiches gilt für Hausbrunnen, die ebenfalls keine Verbindung zu Leitungen des öffentlichen Versorgungsnetzes aufweisen dürfen – auch nicht über die Leitungen der Hausinstallation!

Der Trinkwassersicherungsplan – unterstützt die Bewältigung der aktuellen Trockenheit

Die Beurteilung der Auswirkungen einer Wasserknappheit infolge einer längeren Trockenheit erfolgt nach den Alarmstufen des Trinkwassersicherungsplanes des BMLUK

Mit den darin aufgezeigten Handlungsoptionen sollen die zuständigen Stellen (Wasserversorger, Gemeinde, Wasserrechtsbehörde) zielgerichtet bei der Bewältigung einer solchen Wassermangelsituation unterstützt werden. Basis ist jedenfalls die Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung!

Lagedarstellung auf Grundlage des Trinkwassersicherungsplans:

  • Es besteht aktuell in OÖ im Bereich der Wasserversorgung ‚Achtsamkeit‘. Dadurch konnten bisher besonders prekäre Situationen vermieden werden.
  • Wasserversorger in OÖ sind achtsam. Öffentliche Wasserversorgung, wie jene durch Gemeinden, Verbände und Wassergenossenschaften, stellen auch in Zeiten anhaltender Trockenheit eine zuverlässige und einwandfreie Versorgung mit Trinkwasser sicher.
  • Besonders wichtig ist eine Sensibilisierung der Bevölkerung – Empfehlungen („Appelle“) der Wasserversorger sind ernst zu nehmen (zB Poolbefüllungskalender; Aufrufe zum Wassersparen), um eine geordnete und sichere Trinkwasserversorgung sicherzustellen.
  • Wenn Empfehlungen nicht ausreichen, gibt es die Möglichkeit auch über Verordnungen zu agieren. Dies hat in OÖ eine Stadtgemeinde auf Grundlage der Wasserleitungsordnung bereits getan. Damit konnte im Sinne des Vorsorgeprinzips eine echte Mangelsituation verhindert werden und eine Notversorgung war bisher nicht notwendig.
  • In Einzelfällen kann es zu Versorgungsproblemen kommen. Hier sind kurzfristig Notversorgungen erforderlich.
    • Trockenfallende Brunnen müssen nachgebohrt werden
    • Durch zusätzliche Brunnen und Quellfassungen werden weitere Versorgungsstandbeine geschaffen.
    • Notverbindungen zu angrenzenden öffentlichen Wasserversorgern können hergestellt werden.
    • Als Sofortmaßnahme können Trinkwassertransporte notwendig sein.
  • Es kommt vermehrt zu Nutzwassertransporten durch die Feuerwehr. Auch diese Informationen fließen in die Task-Force ein.

Die regional angespannte Grundwassersituation verdeutlicht, wie wichtig eine vorausschauende Planung und gute Kommunikation für die langfristige Absicherung der Trinkwasserversorgung sind (vgl. dazu unsere bisherigen Arbeiten zum Ressourcenschutz und zum Ausbau von zukunftssicheren Trinkwasserversorgungsstrukturen).

Basis ist unser Grundwasser

Für die Trinkwasserversorgung wichtig ist unser Grundwasser. Wir gewinnen 100 % des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser. Um einen guten Überblick auf unser verfügbares Grundwasservorkommen zu haben und um diesen Grundwasserschatz zB durch Übernutzung nicht nachhaltig zu gefährden, wurde 2021 die Studie „Wasserschatz Österreichs“ auch mit Blick in die Zukunft erstellt.

In Österreich werden derzeit insgesamt rund 3,1 Mrd m³ Wasser jährlich benötigt (Datenbasis 2021 – Studie Wasserschatz). Etwa 1,2 Mrd. m³ (~ 40 %) kommen dabei aus dem Grundwasser. Der deutlich größere Anteil (etwa 1,9 Mrd m³ bzw. ~ 60 %) wird von Oberflächengewässern (Flüsse und Seen) entnommen. Ein großer Anteil dieses Oberflächenwassers wird – aufgrund der ausschließlichen thermischen Nutzung – aber wieder an das beanspruchte Gewässer zurückgegeben.

Der aktuelle Nutzungsgrad des Grundwassers liegt in OÖ in den meisten Gebieten bei max. 45 % oder deutlich darunter. Lediglich in zwei Gebieten befindet sich die Nutzungsintensität in einem Bereich von 45 – 75 %: