Gemeinsam gegen Hochwasser – Oberösterreich und Bayern üben für den Ernstfall
Presseaussendung
Gemeinsam gegen Hochwasser – Oberösterreich und Bayern üben für den Ernstfall
Hochwasser macht nicht an Grenzen halt, weder an Landes- noch an Staatsgrenzen. Wenn die Salzach oder der Inn über die Ufer treten, müssen die Einsatzkräfte in Oberösterreich und Bayern Hand in Hand arbeiten. Damit das im Ernstfall reibungslos funktioniert, startet jetzt ein neues EU-Projekt: Gemeinsame Übungen und moderne Trainings sollen die Regionen entlang von Inn, Salzach und Donau besser schützen.
Grenzen überwinden, Sicherheit schaffen
Dort, wo Bayern und Oberösterreich aufeinandertreffen, stehen die Einsatzkräfte vor denselben Herausforderungen: Wie alarmieren wir uns gegenseitig? Wie unterstützen wir uns bei Großlagen? Das neue Interreg-Projekt „Hochwassergefahrenabwehr“ bringt Feuerwehren, Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz aus beiden Ländern an einen Tisch. Ziel ist es, die Zusammenarbeit so eng zu knüpfen, dass im Ernstfall keine Zeit verloren geht.
„Extremwettereignisse und Hochwasser machen nicht vor Landesgrenzen Halt. Gerade durch den fortschreitenden Klimawandel wird es immer wichtiger, in Krisensituationen über die Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Umso wichtiger ist die grenzüberschreitende Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen, Katastrophenschutz und Feuerwehren. Mit dem Interreg-Projekt „Hochwassergefahrenabwehr“ setzen wir genau hier an und können dadurch die Bevölkerung im Ernstfall noch besser schützen“, so der oberösterreichische Landesrat Stefan Kaineder und die Landtagsabgeordnete Brigitte Huber-Reiter.
Der oberösterreichische Landtagsabgeordnete Klaus Mühlbacher, der in Vertretung von Feuerwehr-Landesrätin Michaela Langer-Weninger am Kickoff-Termin teilnahm, ergänzt: „Hochwasser kennt keine Grenzen, deshalb darf auch der Schutz davor nicht an der Grenze enden. Mit diesem Projekt sorgen wir dafür, dass Feuerwehren, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Behörden in Oberösterreich, Salzburg und Bayern gemeinsam planen, gemeinsam üben und im Ernstfall dieselbe Sprache sprechen. Das Land Oberösterreich übernimmt hier als Leadpartner gerne Verantwortung, denn gute Vorbereitung schützt Menschen, Häuser und ganze Regionen.“
„Ein Projekt wie dieses lebt deshalb nicht nur von Konzepten, sondern vor allem vom Wissen aus der Praxis. Die Feuerwehren und Einsatzorganisationen wissen am besten, wo Abläufe funktionieren, wo es Schwierigkeiten gibt und wo wir noch besser werden können“, betont die stellvertretende Landrätin des Landkreises Rottal-Inn, Anna Nagl.
„Bei großen Hochwasserereignissen müssen sich unsere Einsatzkräfte auch über Landesgrenzen hinweg aufeinander verlassen können. Mit diesem Projekt bauen wir auf einer bewährten Partnerschaft auf und entwickeln die Zusammenarbeit gezielt weiter. Gemeinsame Ausbildungsgrundlagen und eine abgestimmte Transportlogistik helfen uns, Erfahrungen und Lehrmittel besser zu nutzen und unsere Feuerwehren auf künftige Hochwassereinsätze vorzubereiten“, so der oberösterreichische Landes-Feuerwehrpräsident Robert Mayer.
Damit die Zusammenarbeit nicht nur auf dem Papier steht, wird geübt. Geplant ist eine grenzüberschreitende Großübung, bei der Einsatzkräfte aus Oberösterreich und Bayern gemeinsam Hochwasserszenarien durchspielen. Doch schon vorher wird trainiert: mit einer Virtual-Reality-Anwendung, die realistische Hochwassersituationen simuliert. Damit bei der Kommunikation keine Missverständnisse entstehen, wird außerdem ein gemeinsames Feuerwehr-Fachlexikon erstellt. Denn was in Oberösterreich „Einsatzabschnitt“ heißt, kann in Bayern schon wieder etwas anderes bedeuten.
Material teilen, Kräfte bündeln
Nicht nur Wissen, auch Ausrüstung soll künftig leichter über die Grenze kommen. Zwei neue Abrollcontainer – einer in Oberösterreich, einer in Bayern – machen es möglich, Schulungsmaterial und Hochwassermodelle schnell dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Ein digitales Buchungssystem sorgt dafür, dass alle wissen, was verfügbar ist. „Im Ernstfall können wir so innerhalb kürzester Zeit Material und Personal austauschen – ohne bürokratische Hürden“, betont Landesrat Kaineder.
Die Bevölkerung mitnehmen: Wissen schafft Sicherheit
Hochwasserschutz ist nicht nur Aufgabe der Einsatzkräfte. Auch die Bevölkerung soll besser informiert und eingebunden werden. Die Internetplattform www.hochwasserwissen.info wird ausgebaut und um grenzüberschreitende Informationen erweitert. Geplant sind Workshops, Veranstaltungen und interaktive Angebote, besonders für Kinder und Jugendliche.
Ein besonderes Highlight: die Planung einer „Hochwassererlebniswelt“. Eine interaktive Ausstellung soll künftig zeigen, wie Hochwasser entsteht, welche Kräfte dabei wirken und wie man sich schützen kann. „Wir wollen nicht nur warnen, sondern auch erklären – und das auf eine Weise, die im Gedächtnis bleibt.“Europa vor Ort: Wenn Nachbarn zusammenhalten
Das Projekt wird von der EU gefördert und läuft bis Mitte 2028. Beteiligt sind neben dem Land Oberösterreich auch der Oberösterreichische und der Salzburger Landesfeuerwehrverband, der Landkreis Rottal-Inn in Bayern sowie der Verein Energiewende Linz.