Vom Plan zum lebendigen Fluss am Beispiel Traun im Inneren Salzkammergut
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Direktorin Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl. Ing.in Daniela König (Land OÖ), Geschäftsführer des Reinhaltungsverbands Hallstättersee Ing. Hansjörg Schenner und Leiter Gewässerbezirk Gmunden Ing. Wilhelm Laimer
Renaturierung im großen Stil und in der Praxis: Vom Plan zum lebendigen Fluss am Beispiel Traun im Inneren Salzkammergut
Renaturierungen sind mehr als „Öko-Projekte“: sie stärken Biodiversität, reduzieren Hochwasserrisiken, verbessern Wasserqualität, erhöhen die Klimaresilienz der Landschaft und schaffen lokale Wertschöpfung.
Warum Renaturierung? – Vorteile auf einen Blick
- Hochwasserschutz & natürliche Rückhaltefläche: Weite, Auen und Nebenarme puffern Wellen, reduzieren Spitzenabflüsse und entlasten technische Schutzbauten.
- Biodiversität & Lebensräume: Mäandrierende Gewässer, Kiesbänke und Totholz schaffen Lebensräume für Fische (Bachforelle, Äsche), Vögel (z. B. Eisvogel) und Insekten.
- Wasserqualität & Selbstreinigung: Vergrößerte Sohl- und Uferstrukturen verbessern Stoffumsatz und Sauerstoffgehalt.
- Klimaanpassung & Kohlenstoffspeicher: Feuchtflächen und naturnahe Ufer speichern Kohlenstoff und erhöhen die Landschaftsresilienz gegen Dürre.
- Ökonomischer Nutzen: Studien und EU-Analysen zeigen hohe Nutzen-Kosten-Raten für Wiederherstellungsmaßnahmen — jeder investierte Euro bringt vielfache volkswirtschaftliche Vorteile (Schätzungen der europäischen Umweltbehörde: zwischen 8€ und 38€ Nutzen je investiertem Euro).
„Wenn wir Flüssen und Bächen wieder mehr Raum geben, geben wir auch der Natur und damit uns selbst wieder mehr Lebensraum zurück. Renaturierung ist Versicherung in der Landschaft — wer Auen und Nebenarme zurückgibt, gewinnt Hochwasserschutz, Artenvielfalt und Lebensqualität in einem“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
Aufweitung bei der Kläranlage Bad Goisern – Obere Traun km 110
Derzeit werden vom Gewässerbezirk Gmunden sieben Abschnitte entlang der oberen Traun mit dem Ziel der gewässerökologischen Aufwertung bearbeitet.
Gemäß dem 4. Sanierungsprogramm für Fließgewässer sind an sogenannten Schwerpunktstrecken morphologische Sanierungen für die Wiederherstellung von typspezifischen Lebensbedingungen umzusetzen. Ziel ist die Erreichung bzw. Erhaltung des guten ökologischen Zustands.
Zur Erreichung dieses Zieles wurden Maßnahmen definiert. Maßnahmen der Kategorie „klein“, „mittel“ und „groß“. Gemäß Fachgutachten sind im Flussabschnitt der Traun zwischen km 109,00 bis 115,05 kleine Maßnahmen im Umfang von 300 m und mittlere Maßnahmen im Umfang von 350 m gefordert. Kleine Maßnahmen umfassen den Einbau von zusätzlichen Strukturelementen wie z.B. Buhnen. Mittlere Maßnahmen erfordern eine Aufweitung des Hochwasserabflussprofils um durchschnittlich 50% um eine Annäherung an den natürlichen Gewässertyp zu ermöglichen. Der Reinhaltungsverband Hallstättersee und die Gemeinde Bad Goisern ermöglichten durch die Inanspruchnahme ihrer Grundstücke die Planung für eine dementsprechende Umsetzung.
Vom Ingenieurbüro HIPI in Vöcklabruck wurde ein Projekt erstellt, welches im Juni 2023
verhandelt wurde.
Laut Projekt wird in drei Bereichen (1x Linksufrig, 2x Rechtsufrig) das bestehende Ufer samt vorhandener Steinsicherung rückversetzt und der Abflussquerschnitt aufgeweitet.
- Aufweitung rechtsufrig – km 109,583-109,72 (flussab der ÖBB-Brücke)
Länge: 137 m
Aufweitung bis 8 m vom Bestandsufer - Aufweitung linksufrig – km 109,72-109,778
Länge: 68 m
Aufweitung bis 3 m vom Bestandsufer - Aufweitung rechtsufrig – km 109,79-110,060
Länge: 270 m
Aufweitung bis 20 m vom Bestandsufer
Gesamt werden ca. 8.000 m³ Erdreich weggebracht. Weiters werden zwei, ca. 8 m in die Traun ragende Dreiecksbuhnen aus Wasserbausteinen (> 3 Tonnen) errichtet.
In Summe wurden etwa 7000 m² neue Wasserfläche auf einer Flusslänge von ca. 470 m geschaffen. Die Bauumsetzung wurde auf Flächen des RHV Hallstättersee und der Marktgemeinde Bad Goisern umgesetzt und durch diese ermöglicht.
Weiters wurden vorhandene Wurzelstöcke und Bäume als Strukturen („Raubäume“) eingebaut welche als neue Lebensräume dienen.
Um einen inhomogenen und somit natürlichen Abfluss zu ermöglichen wurden massive Steinstrukturen, sogenannte Buhnen, im Pralluferbereich situiert. Störsteingruppen und eine Niederwasserrinne diversifizieren zusätzlich das Strömungsbild.
Die Baumaßnahmen konnten unter größtmöglicher Schonung des Gewässers, ohne Komplikationen durchgeführt werden.
Die Projektkosten betragen rund 920.000€ und werden zu 100% vom Bund finanziert.
„Mein Dank gilt allen Beteiligten, die großartige Projekte wie dieses ermöglichen: angefangen bei den hochkompetenten Mitarbeiter:innen im Gewässerbezirk und in der Abteilung Wasserwirtschaft sowie bei der Marktgemeinde Bad Goisern am Hallstättersee und dem Reinhaltungsverband Hallstättersee für die unkomplizierte Zusammenarbeit und die zur Verfügung gestellten Flächen. Weiters bedanke ich mich beim zuständigen Bundesministerium für die Förderung dieser wichtigen gewässerökologischen Maßnahmen“, so Landesrat Stefan Kaineder.
Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan
Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) ist eine flussgebietsbezogene bzw. grundwasserkörperbezogene Planung, die alle sechs Jahre durchgeführt wird. Ausgehend von einer Ist-Zustandserhebung werden Maßnahmen beschrieben, die die Erreichung und Erhaltung des von der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) geforderten „guten Zustands“ bzw. „guten Potentials“ unter Berücksichtigung verschiedener Interessen bewirken sollen. Für die Maßnahmenfestlegung ist das Kosten-Nutzen-Prinzip bzw. die Prioritätenfestlegung maßgeblich. Der 3. NGP ist nach umfassender Öffentlichkeitsbeteiligung mit 10. Mai 2022 in Kraft getreten, dort wurden jetzt die Maßnahmen zur Erreichung des guten Zustands für die nächsten sechs Jahre festgelegt. Zur Erreichung dieser Ziele werden seitens des Bundes und des Landes Oberösterreich entsprechende Fördermittel über UFG zur Verfügung gestellt.