OÖ zieht Bilanz: Ein Jahr neues Sammelsystem

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Vorstandssprecher der ARA AG Harald Hauke, Geschäftsleitung Bernegger GmbH Kurt Bernegger und Geschäftsführer TriPlast GmbH Jürgen Secklehner

Ein Jahr neues Sammelsystem: OÖ zieht Bilanz zur Sammlung von Kunststoff- und Metallverpackungen sowie Einwegpfand

Oberösterreich setzt neue Maßstäbe in der Kreislaufwirtschaft: Mit der Triplast-Kunststoffsortieranlage steht im Ennshafen die modernste Sortiertechnologie Europas für Leichtverpackungen. Gleichzeitig zeigt die Bilanz nach einem Jahr Einwegpfand sowie der einheitlichen Sammlung von Kunststoff- und Metallverpackungen in Österreich eindrucksvoll, wie wirksam moderne Sammel- und Rücknahmesysteme sind. Hightech, effiziente Sammlung und aktive Beteiligung der Bevölkerung greifen dabei nahtlos ineinander.

„Das Pfandsystem funktioniert und die Menschen machen mit. Die Rückgabequoten steigen und das ist ein echter Gewinn für unsere Umwelt und ein kräftiger Schub für die Kreislaufwirtschaft“, betont Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. „Die logische Folge der Pfandeinführung war die Vereinheitlichung der Sammlung. Das bringt ökologische wie ökonomische Vorteile. Bei Papier und Glas erfüllt Österreich die europäischen Recyclingquoten vorbildlich. Bei Kunststoffen haben wir noch Luft nach oben. Von den einzelnen Mitgliedsstaaten an die EU gemeldete Recyclingquoten werden derzeit unzureichend auf Plausibilität geprüft. Manche Länder erzielen nach eigenen Angaben Top-Quoten – was aber in der Praxis nicht realistisch ist. Vor allem angesichts der wachsenden Mengen an Verpackungen ist es unerlässlich, Wertstoffe im Kreislauf zu halten und stoffliches Recycling zu forcieren“, so Kaineder weiter.

Sammelmenge gesteigert: Oberösterreich sammelte 36.000 Tonnen Kunststoff- und Metallverpackungen

Seit der Vereinheitlichung der Sammlung von Leichtverpackungen am 1. Jänner 2025 werden in Oberösterreich Kunststoff- und Metallverpackungen gemeinsam gesammelt. Ein erstes Resümee fällt klar positiv aus: 2025 wurden laut ARA in Oberösterreich rund 36.000 Tonnen Kunststoff- und Metallverpackungen gesammelt, was einem Anstieg von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Die steigende Sammelmenge ist ein klares Zeichen dafür, dass der Gelbe Sack bzw. die Gelbe Tonne gut angenommen wird. Wir sind überzeugt, dass sich dieser positive Trend weiter fortsetzt“, erklärt ARA Vorstandssprecher Harald Hauke.

Der Trend zeigt sich nicht nur in den Zahlen, sondern auch in der hohen Akzeptanz der Bevölkerung. Eine aktuelle Umfrage* des Marktforschungsinstitut IMAS im Auftrag der ARA zeigt, dass 88 Prozent der Oberösterreicher:innen die Sammlung für Kunststoff- und Metallverpackungen „sehr gut“ oder „gut“ findet – ein Wert, der über dem österreichweiten Durchschnitt von 84 Prozent liegt.

„Obwohl es 2025 hierzulande Änderungen im Sammelsystem gab, sind die Oberösterreicher:innen in puncto Abfalltrennung hoch engagiert. Oberösterreich liegt bundesweit an der Spitze bei der Zustimmung zur getrennten Verpackungssammlung und für die Mehrheit der oberösterreichischen Bevölkerung bedeutet Abfalltrennen kein zusätzlicher Zeitaufwand: Ein Drittel der Befragten, plant heuer sogar noch mehr Verpackungen getrennt zu sammeln. Das sind für uns entscheidende Faktoren. Denn nur wenn alle mitwirken, kann Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden – für die Rohstoffsicherheit Österreichs, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und zur Schonung von Ressourcen“, betont ARA Vorstandssprecher Harald Hauke.

Parallel dazu hat die ARA die bequeme Sammlung über den Gelben Sack in den vergangenen fünf Jahren deutlich ausgebaut und dabei ein Plus von 43 Prozent erzielt. So sind rund oberösterreichische 460.000 Haushalte – knapp 68 Prozent –mittlerweile an die Ab-Haus-Sammlung angeschlossen.

Triplast Enns: Hightech-Herzstück für den Gelben Sack

Die zentrale Drehscheibe der sogenannten Mixsammlung ist die Triplast-Kunststoffsortieranlage in Enns, einer der modernsten Anlagen Europas. ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt investierten dafür rund 65 Mio. Euro in den Standort, der seit einem Jahr maßgeblich zur Stärkung der heimischen Kreislaufwirtschaft beiträgt, u.a. durch die Schaffung von 70 Green Jobs. Die Anlage verfügt über eine Sortierkapazität von 100.000 Tonnen Metall- und Kunststoffverpackungen pro Jahr. „Seit dem offiziellen Start am 1. Juli 2024 läuft die Anlage TriPlast nicht nur hervorragend, sondern übertrifft unsere Erwartungen. Mit Hilfe optischer Sensorik, Nahinfrarot-Technologie und KI-gestützter Sortiersysteme werden auf  insgesamt 2,5 km langen Förderbändern bis zu 20 Tonnen Verpackungen pro Stunde erfasst und die Inhalte der Gelben Säcke bzw. Gelben Tonne in 24 verschiedene Kunststoff- und Metallfraktionen getrennt. Damit wird eine hochpräzise Sortierung auch bei gemischter Sammlung möglich“, so Jürgen Secklehner, Geschäftsleitung TriPlast.

„Der Standort am oberösterreichischen Ennshafen erlaubt eine trimodale Anbindung per LKW, Schiene und Schiff. Der Anlagenverbund am Standort ermöglicht eine autarke Versorgung mit nachhaltiger Energie. Dadurch stellen wir emissionsarm und klimafreundlich Sekundärrohstoffe für eine gelungene Kreislaufwirtschaft zur Verfügung und übernehmen gemeinsam Verantwortung für unsere Umwelt und die kommenden Generationen“, betont Kurt Bernegger, Geschäftsleitung Bernegger GmbH.

Der technologische Fortschritt macht sich messbar bemerkbar: Die neue Sortieranlage TriPlast im Ennshafen verarbeitet jährlich bis zu 100.000 Tonnen Leichtverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne – rund die Hälfte der österreichischen Sortierkapazität. Sie erreicht dabei eine Sortiertiefe von über 80 %, die nach einem Jahr im Betrieb sogar auf rund 85 % gesteigert werden konnte. Durch diese hohe Sortierqualität können deutlich mehr Rohstoffe sortenrein für das Recycling bereitgestellt werden als zuvor

Die Vorteile der gemeinsamen Sammlung sind eindeutig:

  • einfachere Mülltrennung für Haushalte
  • höhere Sammelmengen
  • weniger Transporte und geringerer CO₂-Ausstoß
  • bessere Qualität der gesammelten Materialien

Ein Jahr Einwegpfand: Erfolgsmodell mit starker OÖ-Bilanz

Parallel zur neuen Sammelstruktur wurde mit 1. Jänner 2025 das Einweg-Pfandsystem für Kunststoff-Getränkeflaschen und Metalldosen eingeführt – eines der größten Kreislaufwirtschaftsprojekte Österreichs.

Die Bilanz nach dem ersten Jahr fällt äußerst positiv aus: 1,4 Milliarden Pfandgebinde wurden österreichweit bis 31.12.2025 retourniert. Das entspricht einer Sammelquote von 81,5 Prozent – das Sammelziel für 2025 wurde somit erreicht. Allein in Oberösterreich wurden 197 Millionen Pfandgebinde zurückgegeben. Mehr als acht von zehn Flaschen und Dosen finden damit den Weg zurück in den Kreislauf. Besonders wichtig: Pfandgebinde werden separat, sortenrein und qualitativ hochwertig gesammelt – die Grundlage für echtes „Flasche-zu-Flasche“- und „Dose-zu-Dose“-Recycling.

Zwei Systeme, ein Ziel: Geschlossene Kreislaufwirtschaft

Einwegpfand und Gelber Sack bzw. Gelbe Tonne sind keine Gegensätze, sondern zwei komplementäre Säulen einer modernen Abfallwirtschaft.

Durch diese Kombination:

  • sinkt der Bedarf an Primärrohstoffen
  • steigen Recyclingquoten deutlich
  • wird Littering nachhaltig reduziert
  • bleibt Wertschöpfung in der Region

Oberösterreich zeigt damit, wie technologische Innovation, klare Sammelsysteme und die aktive Beteiligung der Bevölkerung gemeinsam eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ermöglichen.

Ausblick

Nach dem erfolgreichen Start des Einwegpfands sowie der Vereinheitlichung der Sammlung von Kunststoff- und Metallverpackungen liegt der nächste Meilenstein bereits vor uns:

Die Steigerung der Sammelquote auf 90 Prozent bis 2027 – und damit zwei Jahre früher als von der EU gefordert. Gleichzeitig treibt das Joint Venture von ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt das Kunststoffrecycling laufend voran, zuletzt mit einer Investition von 35 Mio. Euro in ein weiteres Werk, das am gleichen Standort im Ennshafen entstehen und Kunststoffrecycling auf ein neues Level heben soll.  

Hightech für den Gelben Sack und ein etabliertes Pfandsystem zeigen:

Kreislaufwirtschaft in Oberösterreich ist kein Zukunftsversprechen – sie ist gelebte Realität.

* Umfrageinfos: Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstitut IMAS im Auftrag der Altstoff Recycling Austria AG (ARA), die von 6. Oktober bis 7. November 2025 mittels computergestützten telefonischen Interviews durchgeführt wurde.