Mercosur kommt – Transparenz für Konsument:innen und Fairness für Bäuer:innen muss bleiben

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder und Landtagsabgeordnetem Bgm. Rudi Hemetsberger

Kennzeichnung als Schutzschild für bäuerliche Betriebe und Konsument:innen

Mit dem Mercosur-Abkommen steht die heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Unabhängig davon, wie man das Abkommen politisch bewertet, ist klar: Mercosur wird kommen. Umso dringlicher ist es, jetzt jene politischen Leitplanken einzuziehen, die sicherstellen, dass Österreichs Bäuerinnen und Bauern nicht die Verlierer dieser Entwicklung werden“, erklärt der Grüne Landessprecher Landesrat Stefan Kaineder.

Das Mercosur-Abkommen erhöht den Druck auf die heimische Landwirtschaft massiv. Große Mengen an Fleisch und tierischen Produkten aus Südamerika könnten künftig zu deutlich niedrigeren Preisen auf den europäischen Markt drängen. Produziert wird dort vielfach unter Bedingungen, die weder den europäischen Umwelt-, Klima- noch Tierwohlstandards entsprechen. Wer hier nicht gegensteuert, riskiert einen ruinösen Wettbewerb zulasten jener Betriebe, die in Österreich in Tierwohl, Qualität und Nachhaltigkeit investiert haben“, ergänzt der Grüne Landwirtschaftssprecher Rudi Hemetsberger.

Ein zentraler Schlüssel, um diesen Wettbewerb fair zu gestalten, ist Transparenz. Konsumentinnen und Konsumenten müssen klar erkennen können, woher tierische Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt wurden. Herkunfts- und Haltungskennzeichnung sind daher kein bürokratisches Detail, sondern ein wirksames Schutzinstrument für die heimische Landwirtschaft.

Herkunftskennzeichnung: Grüner Erfolg, aber erst der Anfang

Mit der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Milch, Eiern und Fleisch in der Gemeinschaftsverpflegung ist ein wichtiger erster Schritt gelungen. Täglich rund 2,2 Millionen ausgegebene Speisen in Kantinen, Krankenhäusern, Schulen und Pflegeeinrichtungen schaffen nun Transparenz darüber, woher zentrale Lebensmittel stammen. Das ist ein spürbarer Erfolg grüner Politik und ein Meilenstein für Konsument:innenschutz. Gleichzeitig darf dieser Schritt nicht das Ende der Debatte sein. Denn der Großteil der Außer-Haus-Verpflegung findet weiterhin in Restaurants, Gasthäusern und Imbissen statt – also genau dort, wo Konsument:innen bislang im Dunkeln gelassen werden. Gerade klassische Gerichte wie das Wiener Schnitzel stehen sinnbildlich für diese Intransparenz: Was als österreichischer Kassenschlager verkauft wird, stammt allzu oft aus ausländischer Massenproduktion, verbunden mit langen Transportwegen und problematischen Haltungsbedingungen. Einen entsprechenden Vorstoß der Grünen gab es bereits im Juni 2024. Ein Initiativantrag der Grünen zum Beschluss einer Resolution an die Bundesregierung betreffend die Prüfung und Weiterentwicklung der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln wurde damals von allen Parteien im oberösterreichischen Landtag einstimmig beschlossen. Konkret ging es dabei einerseits um die Forderung nach einer vorgezogenen Evaluierung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern in Speisen der Gemeinschaftsverpflegung.

Der zweite Punkt der Resolution forderte eine Erarbeitung einer wirtschaftlich praktikablen und vollzugstauglichen Herkunftskennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern als Primärzutaten in zubereiteten Speisen. In Oberösterreich waren sich dieser Problematik im Jahr 2024 offensichtlich alle Parteien bewusst und wollten an einer Lösung mitwirken. Der konkrete neue Anlassfall braucht dieses Commitment der politischen Entscheidungsträger dringend aufgefrischt. Landessprecher Landesrat Stefan Kaineder hält fest, dass Transparenz die Grundvoraussetzung für bewusste Entscheidungen ist: „Wenn Mercosur zusätzlichen Druck bringt, dann müssen wir den Menschen zumindest ehrlich sagen, was auf ihren Tellern liegt. Die Leute wollen wissen: Was ist unter der Panier? Woher kommt das Fleisch? Herkunftskennzeichnung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wir fordern daher von der Bundesregierung die verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Die Menschen haben Fairness verdient.

Mercosur verschärft strukturelle Schieflagen

Das bestehende Agrar- und Ernährungssystem ist seit Jahren im Wandel. Globalisierte Lieferketten, billige Futtermittelimporte und lange Tiertransporte haben Lebensmittel günstiger gemacht – allerdings um den Preis hoher ökologischer und ethischer Kosten. Mercosur droht diese Entwicklung weiter zu beschleunigen. Ohne klare Kennzeichnung verschwimmen Herkunft und Produktionsweise vollends, und heimische Qualitätsstandards werden im Regal oder auf der Speisekarte unsichtbar.
Für bäuerliche Betriebe bedeutet das: Wer in Tierwohl investiert, hat höhere Kosten, aber keinen gesicherten Marktvorteil. Genau hier setzt die Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie sowie einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung im Handel an. Sie schafft Vergleichbarkeit, stärkt regionale Wertschöpfung und gibt jenen Betrieben Rückenwind, die auf Qualität statt Masse setzen. Landtagsabgeordneter Rudi Hemetsberger warnt: „Die Folgen von Mercosur dürfen nicht auf dem Rücken der Landwirtschaft abgeladen werden. Es braucht jetzt politische Verantwortung, um fairen Wettbewerb sicherzustellen, anstatt heimische Betriebe dem hohen Preisdruck schutzlos auszusetzen.

Tierwohl sichtbar machen und Marktgerechtigkeit herstellen

Herkunft allein reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist auch, wie Tiere gehalten werden. Eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung macht sichtbar, ob Tiere Zugang zu Auslauf hatten, auf eingestreuten Liegeflächen gehalten wurden oder aus intensiver Massenhaltung stammen. Erst diese Information ermöglicht echte Wahlfreiheit für Konsument:innen. Österreichs Landwirtschaft kann sich langfristig nur dann behaupten, wenn sie sich über Tierwohl, Qualität und Nachhaltigkeit klar vom internationalen Wettbewerb abhebt. Viele Betriebe haben – auch mit Unterstützung öffentlicher Förderungen – in tierfreundliche Haltungssysteme investiert. Ohne Kennzeichnung bleibt dieser Mehraufwand unsichtbar und wirtschaftlich unattraktiv.

Gerade im Kontext von Mercosur ist das ein entscheidender Punkt: Wer Produkte importiert, die unter niedrigeren Standards erzeugt wurden, muss zumindest transparent machen, dass diese Standards nicht mit jenen der heimischen Produktion vergleichbar sind.

Öffentliche Hand in der Verantwortung

Eine besondere Rolle kommt der öffentlichen Hand als Großabnehmerin zu. Öffentliche Kantinen, Ministerien, Krankenhäuser und Schulen haben eine Vorbildfunktion. Berichte, wonach selbst in Kantinen des Landwirtschaftsministeriums nur ein Bruchteil des eingesetzten Fleisches aus Österreich stammt, zeigen, dass Anspruch und Realität noch weit auseinanderliegen.

Stefan Kaineder dazu: „Wir Grüne fordern, dass öffentliche Beschaffung gezielt als Vehikel zur Stärkung regionaler Bio- und Tierwohlbetriebe eingesetzt wird. Wer heimische Landwirtschaft politisch lobt, muss diese auch durch faire Einkaufspreise und klare Qualitätskriterien unterstützen.“

  • Vor dem Hintergrund des Mercosur-Abkommens braucht es jetzt entschlossene politische Schritte:
  • verpflichtende Herkunftskennzeichnung für tierische Produkte in der gesamten Gastronomie
  • rasche Einführung einer verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung
  • konsequente Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf heimische Bio- und
    Tierwohlstandards
  • keine Absenkung bestehender Tierwohlvorgaben als Reaktion auf internationalen
    Preisdruck

Mercosur wird nun geopolitische Realität. Ob daraus ein Schaden oder eine Chance für Österreichs Landwirtschaft wird, hängt davon ab, ob Transparenz, Tierwohl und regionale Qualität politisch abgesichert werden. Herkunfts- und Haltungskennzeichnung sind dafür zentrale Hebel – für faire Märkte, informierte Konsument:innen und eine zukunftsfähige heimische Landwirtschaft.