Trockenheit und Rekordhitze bringen Oberösterreichs Flüsse und Bäche teils zum Versiegen
Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Leiter des Gewässerbezirks Linz Dipl. Ing. Franz Gillinger und von der Abteilung Wasserwirtschaftliche Planung, Land OÖ, Dr. Peter Anderwald
Trockenheit und Rekordhitze bringen Oberösterreichs Flüsse und Bäche teils zum Versiegen – Lokalaugenschein an der Gusen in Langenstein und Besuch beim Revitalisierungs-Best-Practice-Beispiel an der Waldaist in Pregarten
Die ausgetrocknete Gusen in Langenstein ist ein deutliches Warnsignal der Klimakrise. Wo früher Wasser plätscherte, zeigt sich heute die harte Realität des Klimawandels. Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder hat sich die Situation an der Gusen in Langenstein angesehen. Der Anblick ist ernüchternd: Der Fluss, eine wichtige Lebensader in der Region, kämpft mit massiven Trockenperioden. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass wir bei der Anpassung an die neue klimatische Realität keine Zeit verlieren dürfen.
„Was wir hier an der Gusen sehen, ist kein vorübergehendes Wetterphänomen. Das ist die Klimakrise, die ganz real vor unserer Haustür steht“, sagt Landesrat Stefan Kaineder vor Ort. „Wenn unsere Bäche versiegen, verlieren wir nicht nur wertvolle Lebensräume für Fische und Pflanzen, sondern auch ein Stück Lebensqualität in Oberösterreich. Wir dürfen die Augen vor dieser Entwicklung nicht verschließen, sondern müssen daraus lernen.“
Folgen von Niederwasser in Fließgewässern
Wenn Flüsse wenig Wasser führen oder ganz austrocknen, schadet das der Natur und dem Leben im Wasser. In Oberösterreich ist dies aktuell ein großes Problem: Fast alle oberösterreichischen Gewässer führen Niederwasser oder sind abschnittsweise trocken. Die Gusen ist ein Beispiel für ein betroffenes Gewässer, in dem das Wasser teilweise trockenfällt und die Temperaturen bis zu 24 °C erreichen.
Das hat viele Folgen: Durch den geringen Wasserstand bilden sich kleine Tümpel. Fische können dort eingeschlossen werden und nicht mehr in tiefere Bereiche schwimmen. In den flachen Tümpeln wird das Wasser sehr schnell warm, der Sauerstoffgehalt sinkt und die Fische können ersticken. Auch Wasserpflanzen sterben bei Trockenheit ab.
Zudem leidet die Wasserqualität. Schadstoffe und Nährstoffe werden bei wenig Wasser nicht mehr ausreichend verdünnt. Das schadet empfindlichen Arten, verringert die Artenvielfalt und schwächt die Selbstreinigungskraft des Wassers. Zudem können Gewässer durch Ablagerungen verlanden.
Um die Gewässer zu schützen, werden seitens des Landes Oberösterreich und des Bundes Maßnahmen wie die Renaturierung und das Pflanzen von Bäumen am Ufer gefördert. Diese Bäume spenden Schatten und helfen, das Wasser kühl zu halten. Zudem müssen Wege für Fische frei bleiben, damit sie in kühlere Bereiche ausweichen können. Die Wasserqualität in Oberösterreich wird regelmäßig untersucht; die Ergebnisse sind online beim Land Oberösterreich einsehbar.
Best-Practice-Beispiel: Revitalisierung Pfahnlmühle/Waldaist
Nach dem Blick auf die Herausforderungen folgt der Blick auf die Antwort. An der Waldaist in Pregarten und Tragwein zeigt ein Projekt, wie Renaturierung und Klimaanpassung Hand in Hand gehen. Hier geht es nicht um bloße Verschönerung, sondern um eine gezielte Wiederbelebung des Gewässers.
„Die Waldaist zeigt uns, dass wir der Natur auch den Raum geben müssen, den sie braucht“, betont Landesrat Kaineder beim Besuch der Baustelle. „Wir bauen hier keinen künstlichen Kanal. Wir geben dem Fluss seine Kraft und seine Vielfalt zurück. So schützen wir die Arten und wappnen uns gleichzeitig gegen die Folgen von Hitze und Starkregen.“
Von der Krise zur Gestaltung: Warum unsere Gewässer einen Umbau brauchen
Die Bilder aus Langenstein, wo die Gusen fast nur noch ein Rinnsal zwischen trockenen Steinen ist, lösen Unbehagen aus. Und das völlig zu Recht. Sie sind das Symptom einer Welt, in der die sommerliche Hitze immer länger anhält und die Böden die Feuchtigkeit nicht mehr halten können. Wenn die Flüsse versiegen, bricht ein ganzes System zusammen: Die Fische verlieren ihre Lebensräume, die Pflanzen am Ufer vertrocknen, und das Wasser für die Landwirtschaft und die Natur wird knapp.
LR Stefan Kaineder sieht darin keinen Grund zur Resignation, sondern einen dringenden Auftrag zum Handeln. „Wir können nicht einfach warten, bis es wieder regnet. Wir müssen unsere Landschaften so umbauen, dass sie mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen können“, erklärt er.
Die Waldaist: Ein Bauplan für die Zukunft
Der Besuch an der Waldaist in Pregarten zeigt genau diesen neuen Weg. Anstatt den Fluss in ein starres Bett zu zwängen, wird er hier wieder „frei“ gemacht. Das Ziel ist eine Landschaft, die atmen kann.
Ein zentraler Punkt ist die sogenannte Vorlandabsenkung. Man stellt sich vor, der Fluss sei wie ein Mensch, der in einem zu engen Anzug feststeckt. Durch das Absenken der Flächen neben dem Fluss bekommt er wieder Bewegungsfreiheit. Wenn es zu Starkregen kommt, kann das Wasser in diese neuen Bereiche ausweichen, anstatt mit Gewalt durch einen engen Kanal zu schießen. Das schützt die Menschen flussabwärts und gibt dem Fluss gleichzeitig wertvolle Ruhezonen.
Mehr als nur Wasser: Das Leben im Fluss gestalten
Ein Fluss ist weit mehr als nur eine Wasserleitung. Er ist ein Zuhause. Damit die Waldaist auch in heißen Sommern ein lebendiger Ort bleibt, setzen die Planer auf Struktur. „Ein glatter, tiefer Graben ist für die Natur fast wertlos“, sagt Kaineder. „Wir brauchen die Kurven, die tiefen Löcher, die Steine und das Totholz.“
Genau hier setzt das Projekt an. Durch den Einbau von massiven Holzstrukturen – den sogenannten Logjams – und gezielt platzierten Steinen entstehen kleine „Hotels“ für die Fischwelt. In den Strömungsschatten hinter diesen Hindernissen entstehen ruhige Zonen, in denen junge Fische sicher überleben können. Die entstehenden Verwirbelungen verhindern, dass sich zu viel Schlamm am Flussbett ablagert. Es ist eine Rückkehr zur Dynamik: Der Fluss darf wieder arbeiten, sich verändern und durch seine eigene Kraft kleine Lebensräume schaffen.
Die grüne Rüstung: Uferbegrünung als Klimaschutz
Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Ufer selbst. Ein kahles, steiles Ufer bietet keinen Schutz gegen die Hitze. Das Projekt an der Waldaist sieht daher eine massive Aufwertung der Ufergehölze vor. Durch das Pflanzen von Weiden, Erlen und anderen heimischen Gehölzen entsteht eine natürliche Beschattung. Diese „grüne Rüstung“ hält das Wasser kühler und verhindert, dass die Sonne die Uferbereiche austrocknet.
„Wir pflanzen hier nicht einfach nur Bäume“, ergänzt Kaineder. „Wir bauen ein Schutzsystem. Diese Gehölze halten das Ufer fest, spenden Schatten und bilden die Brücke zwischen dem Wasser und dem Land.“
Projektinformationen
- Bauherr: Stadtgemeinde Pregarten, Marktgemeinde Tragwein,
- Bauausführung: Gewässerbezirk Linz
- Bauzeit: April 2026 – Juli 2026
- Planung: REVITAL Integrative Naturraumplanung GmbH
- Gesamtkosten: 314.000,00 €
- Finanzierungsschlüssel: 60% Bund, 35% Land, 5% Gemeinden
Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, dem Land Oberösterreich und den Gemeinden Pregarten und Tragwein unterstützt.