Oberösterreichs Gewässer unter Hitzedruck

Pressekonferenz mit Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, Direktorin Umwelt- und Wasserwirtschaft/Land OÖ DIin Daniela König, DI Dr. Roland Hager von der Wasserwirtschaftlichen Planung/Land OÖ und Paul Arminger MSc vom Technischen Büro für Gewässerökologie/blattfisch e.U.

Oberösterreichs Gewässer unter Hitzedruck – Langzeitstudie belegt: knapp zwei Grad Erwärmung binnen 40 Jahren – Bilanz über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fließgewässer in OÖ

Die Erkenntnisse aus der Studie sprechen eine klare Sprache: Oberösterreichs Flüsse werden deutlich wärmer. Was für viele nach nur „ein paar Grad“ klingt, ist für die Gewässer eine massive Belastung. Für Fischlebewesen, für die Artenvielfalt und letztlich für unsere Lebensqualität.

Spitzenreiter bei der Erwärmung sind die Krems bei Kremsmünster mit einer Zunahme von 3,86 Grad Celsius, und die Feldaist in Kefermarkt mit 3,26 Grad in den vergangenen 40 Jahren. Die Enknach ist innerhalb von 29 Jahren gar um 3,19 Grad wärmer geworden. „Diese Zahlen machen die Klimaerwärmung in Oberösterreich besonders sichtbar und begreifbar. Sie stehen für Hitzedruck in den Gewässern, für weniger Sauerstoff im Wasser und dafür, dass vertraute Arten verschwinden können“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Und es ist kein isoliertes Oberösterreich-Thema. Der „Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel“ zeigt: Österreich erwärmt sich überdurchschnittlich schnell: seit 1900 um rund 3,1 °C, also deutlich stärker als der globale Durchschnitt. „Vor diesem Hintergrund ist ein Zurückschrauben klimapolitischer Maßnahmen das falsche Signal zur falschen Zeit. Denn jedes Zögern und Nichthandeln verlagert die Kosten und Gefahren. Von heute auf morgen und von uns auf unsere Kinder“, warnt Kaineder. 

Die neue Studie unterstreicht den Handlungsbedarf. Entscheidend sind Maßnahmen, die schnell wirken und langfristig stabilisieren. Vor allem dort, wo sich Flüsse besonders stark aufheizen. Daher: Mehr Schatten für unsere Flüsse. Bäume und Sträucher entlang der Ufer kühlen das Wasser spürbar. Mehr Platz und Struktur im Flussbett. Wenn Flüsse wieder mehr Raum bekommen entstehen kühle Rückzugsorte. Freie Wege für Fische und Lebewesen: Wo Barrieren fallen, können Arten ausweichen, wandern und sich erholen.

„In Oberösterreich haben wir bereits viele Renaturierungsprojekte umgesetzt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung unserer Flüsse: Das Tempo der Klimakrise lässt uns keine Pause. Der Klimawandel ist auch in unseren Gewässern angekommen und genau deshalb müssen wir jetzt konsequent an der Verbesserung der Gewässerökologie arbeiten. Renaturierung ist nicht nur Lebensversicherung für unsere kommenden Generationen, sie hilft uns auch, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten“, so Kaineder.

Erwärmung der oö. Fließgewässer

Gewässererwärmung ist eine von vielen Herausforderungen im Wassermanagement. Wir brauchen dazu Maßnahmen, um das wichtige Ökosystem Fluss nicht weiter zu schädigen. Die Studie zeigt, wo Handlungsbedarf gegeben ist, welche Möglichkeiten es gibt. Sie belegt, dass die Investitionen in die Gewässerökologie und die Anstrengungen zur Renaturierung notwendig und wichtig sind.“, so Daniela König, Direktorin der Direktion Umwelt- und Wasserwirtschaft beim Land OÖ.

Die vorliegende Studie untersucht die langfristige Entwicklung der Wassertemperaturen in oberösterreichischen Fließgewässern auf Basis von Messdaten von 61 Pegelstationen im Zeitraum 1984 bis 2023. Ziel war es, die Erwärmungstrends zu bewerten, deren Auswirkungen auf die Fischfauna einzuschätzen und daraus Maßnahmen für ein zukunftsorientiertes Gewässermanagement abzuleiten.

Die Auswertungen zeigen eine klare und statistisch gesicherte Erwärmung. Im Durchschnitt steigt die Wassertemperatur um rund 0,05 °C pro Jahr. Das entspricht einer Zunahme von etwa 1,9 °C innerhalb von vier Jahrzehnten. Einzelne Gewässer weisen noch deutlich höhere Anstiegsraten auf. Besonders betroffen sind das Alpenvorland sowie das Mühlviertel, während höher gelegene alpine Regionen bislang geringere Erwärmungsraten zeigen. Am stärksten fällt die Temperaturzunahme in den Sommermonaten aus, insbesondere im Juni.

Gleichzeitig nehmen Tage mit ökologisch kritischen Temperaturwerten deutlich zu. Betroffen sind vor allem jene Gewässerabschnitte, die wichtige Lebensräume für kaltwasserliebende Fischarten wie Bachforelle und Äsche darstellen.

Bis 2050 ist aus heutiger Sicht mit einer weiteren Erwärmung von rund 1,2 °C zu rechnen. Frühere Prognosen wurden teilweise schneller erreicht als erwartet, was auf eine beschleunigte Entwicklung hindeutet.

Ohne gezieltes Vorgehen ist eine weitere Verschlechterung des ökologischen Zustands aufgrund der steigenden Wassertemperatur zu erwarten. Als besonders wirksame Maßnahmen gelten eine konsequente Beschattung durch Ufervegetation, strukturelle Verbesserungen zur Schaffung kühler Rückzugsräume, die Förderung des Austausches mit kühlerem Grundwasser und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit. Dabei sind neben dem jeweiligen Hauptgewässer auch dessen Zubringer mit zu berücksichtigen.

Link zur Studie: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/209559.htm

Ausgangslage und Datengrundlage

Die Bewertung der Wassertemperaturentwicklung basiert auf kontinuierlichen Messungen an 61 oberösterreichischen Pegelmessstellen. Je nach Messstelle stehen Zeitreihen von bis zu 40 Jahren zur Verfügung (1984-2023). Ergänzend wurden Abflussdaten sowie Lufttemperaturdaten herangezogen, um klimatische und hydrologische Zusammenhänge zu berücksichtigen. Die Datenauswertung erfolgte mit statistisch abgesicherten Methoden zur Trendanalyse.

Die Ergebnisse erlauben eine landesweite, vergleichbare Darstellung der langfristigen Temperaturentwicklung in Fließgewässern Oberösterreichs und bilden eine wesentliche Grundlage für die Beurteilung klimawandelbedingter Auswirkungen auf den Gewässerzustand.

Entwicklung der Wassertemperaturen

In nahezu allen untersuchten Gewässerabschnitten ist ein signifikanter Erwärmungstrend feststellbar. Die mittleren jährlichen Zunahmen liegen überwiegend zwischen 0,03 und 0,06°C, lokal treten auch deutlich höhere Werte auf. Regionale Unterschiede sind erkennbar: besonders ausgeprägte Erwärmungsraten zeigen sich im Alpenvorland sowie in Teilen der Böhmischen Masse, während höher gelegene Bereiche der Kalkalpen geringere Temperaturanstiege aufweisen.

Diese Unterschiede lassen sich im Wesentlichen auf klimatische und topografische Faktoren zurückführen: während in den nördlichen und zentralen Landesteilen geringere Gefälle, breitere Täler, reduzierte Beschattung und ein höherer Anteil landwirtschaftlicher Nutzung zu einer stärkeren Erwärmung beitragen, wirken in den alpinen Bereichen kühlere Lufttemperaturen, dichterer Uferbewuchs, Schneeschmelze und Grundwasserzuflüsse noch dämpfend.

Die zeitliche Betrachtung zeigt zudem eine Häufung überdurchschnittlich warmer Jahre in jüngerer Vergangenheit. Dies deutet auf eine Beschleunigung der Entwicklung hin und unterstreicht die zunehmende Bedeutung der Gewässererwärmung als Folge des Klimawandels.

Die Ergebnisse der Trendanalyse der Wassertemperaturentwicklung für den Zeitraum 1984–2023 zeigen an den untersuchten Messstellen eine statistisch signifikante Erwärmung. Die stärkste Erwärmung wurde an einer Messstelle an der Enknach mit einer jährlichen Zunahme von über 0,1°C pro Jahr festgestellt.

Saisonale Entwicklungen und Extremereignisse

Die Erwärmung der Fließgewässer ist in den Sommermonaten stark ausgeprägt (insbesondere im Juni, zusätzlich treten überdurchschnittliche Trends im April und November auf). Gleichzeitig nimmt die Anzahl von Tagen mit sehr hohen Wassertemperaturen zu. In mehreren Gewässern werden kritische Schwellenwerte häufiger und über längere Zeiträume überschritten.

Parallel dazu ist eine deutliche Zunahme sommerlicher Niederwasserphasen zu beobachten. Die Kombination aus hohen Temperaturen und geringem Abfluss verstärkt den thermischen und ökologischen Stress für aquatische Organismen und reduziert die natürliche Pufferwirkung der Gewässer.

Ökologische Auswirkungen

Die steigenden Wassertemperaturen führen zunehmend zu Überschreitungen der ökologischen Zielwerte gemäß der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächengewässer. Besonders betroffen sind kaltwasserliebende Fischarten wie Bachforelle und Äsche, die auf niedrige Temperaturen und hohe Sauerstoffgehalte angewiesen sind. Ein Anstieg der mittleren jährlichen Abweichungen (Anomalien) der Wassertemperatur-Jahresmittelwerte vom langjährigen Mittel ist in allen unterschiedlichen Fischregionen zu beobachten. Besonders stark sind die Auswirkungen in der Forellen- und Äschenregion. Dort wurden ab 2010 vermehrt mäßige Zustände festgestellt.

Langfristig zeigen sich Verschiebungen der Fischregionen. In tiefer gelegenen Gewässerabschnitten nimmt der Lebensraum für sensible Arten deutlich ab. Das kann zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung führen. Aufgrund der Gewässerausprägung ist eine Verlagerung des Lebensraums in kühlere, flussaufwärts gelegene Flussabschnitte nur teilweise möglich.

Prognosen und Ausblick

Modellbasierte Szenarien weisen darauf hin, dass sich der Trend steigender Wassertemperaturen bis 2035 und 2050 weiter fortsetzen wird. Bleiben die derzeitigen Entwicklungen bestehen, ist bis 2035 mit einem Anstieg der mittleren Wassertemperatur um etwa 0,5°C und bis 2050 um rund 1,2 bis 1,3°C zu rechnen. Frühere Prognosen wurden teilweise bereits erreicht oder überschritten, was den Handlungsdruck zusätzlich erhöht.

Ohne wirksame Gegenmaßnahmen ist somit mit einer weiteren Verschlechterung der temperaturökologischen Zustände, häufigeren Grenzwertüberschreitungen und einer deutlichen Abnahme der Lebensraumqualität für Kaltwasserarten zu rechnen.

Zur Minderung der Auswirkungen der Gewässererwärmung sind insbesondere,

  • Renaturierungen; Entfernung von Querbauwerken,
  • Maßnahmen zur Beschattung der Gewässer,
  • sowie zur Verbesserung der Gewässerstruktur und ein integriertes Management im Einzugsgebiet von Bedeutung.

Ziel ist es, die ökologische Funktionsfähigkeit der Fließgewässer trotz fortschreitendem Klimawandel möglichst langfristig zu erhalten.